Zitat von H-Moll: - ich will unbedingt von einer bestimmten Person gemocht/geliebt werden und setze alles daran.
- ich kann diese Person retten. Wenn sie erst mit MIR zusammen ist, wird sie sehen wie gut das Leben ist.
Traf vcll auf meine Affäre zu. Ich kann das zu 100% bestätigen. Ich arbeitete auf eine Beziehung mit ihm hin, weil ich ihn unbedingt wollte. Einmal gesehen, ein paar Worte gewechselt und er war für Monate präsent in meinem Bewusstsein. Allein das ist ja schon ungesund und realitätsfern, da es schon einer Besessenheit glich. Über ein halbes Jahr später habe ich ihn dann getroffen und ab da ging es los. Er mit Zweifeln im Gepäck, weil er um seine Bindungsängste wusste und ich mit einem großen Willen. Letztlich gingen wir dann eine Beziehung ein, weil ich darauf hinarbeitete. Die ersten Wochen waren grandios, dann kam allmählich der Abstieg, der sich wie eine Spirale anfühlte und sich immer schneller drehte.
Ja, und auch ich dachte mir, mit mir wird alles anders sein. Da wird er merken, wie schön es doch ist, wenn man zu zweit ist. Ich wollte ihn "therapieren". Lächerlich, wie soll das gehen? Der eine der oberschlaue Therapeut, der weiß wie es geht und der andere, der sich "heilen" lässt. Hochmut und Größenwahnsinn trifft es genau.Ein Partner lässt sich doch nicht "behandeln".
Beziehungen mit Bindungsvermeidern folgen mit gewissen Abweichungen immer einer Choreografie. Das habe ich gemerkt, als ich ein Buch zum Thema gelesen hatte. Ich war fast enttäuscht, wie dort alles geschildert wurde und wie sehr es auf unsere Beziehung zutraf. Von wegen einzigartige Probleme! Eher Normalzustand, wie Beziehungen zwischen Nähe Suchenden und Distanz Schaffenden verlaufen.
Aber da muss jeder selbst durch und das dauert Monate, bis man einigermaßen zermürbt ist und das trifft für beide zu. Aber der Nähe Suchende zahlt mehr drauf, weil er mehr investiert. Das macht den Abschied dann bitter.
Klar, bei cien ist alles anders. Hätte mir Jemand gesagt, was auf mich zukommen würde, hätte ich genauso abwehrend reagiert.
Einer hatte mich gewarnt. Ein älterer Freund, dem ich Freude strahlend ein Foto von ihm zeigte. Der sagte sofort: Was, mit dem willst Du eine Beziehung eingehen? Diesen Blick kenne ich, der hat keine klaren, sondern verschwommene Augen. Dem kannst Du nicht trauen. Was willst Du mit diesem Mann? Pass mal auf, mit dem wirst Du baden gehen und Dein Mann wird irgendwann auch die Faxen dick haben. Dann ist der auch noch weg.
Ich war bestürzt, aber suchte mir sofort ein Türchen: das ist nur Neid, der kennt doch diesen wunderbaren Mann gar nicht. Der gönnt mir diese neue Beziehung nicht. Nein, er ist nicht so, wie der über ihn redet. Was will der denn über diesen einzigartigen Mann wissen? Ich weiß das besser!
Viel später gab ich zu, dass er das richtig gesehen hatte, obwohl er ihn nicht kannte. Er hatte, eben weil er emotional nicht involviert war, etwas gesehen, was ich nicht sah und sehen wollte.
Letzendlich habe ich dann doch davon profitiert, weil ich hinterher viel mehr über menschiche Mechanísmen wie Illusionen, Einbildung, übersteigerte Gefühle, innere Sehnsüchte und Schwächen durchschaute. War eine harte Schule. Aber jeder der sich darauf einlässt, wird hinterher feststellen, dass dafür jede Menge Energie verschleudert wird - oft genug erfolglos.