Majnona
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ich befinde mich im Moment in einer absoluten Krise.
Vor zwei Jahren begann bei mir eine On/Off-Geschichte mit einem Bekannten - On/Off deshalb, weil ich vor fünf Jahren mal einen Freund von ihm gedatet hatte, und er sich deshalb trotz Gefühlen keine Beziehung mit mir vorstellen konnte. Da er immer wieder versucht hat das zwischen uns zu beenden, und mir eindrücklich gesagt hat, dass ich mir einen anderen Mann suchen soll, habe ich vor einem Jahr sehr fleißig gedatet.
In eine meiner Dating-Bekanntschaften habe ich mich dann ziemlich verguckt. Es lief eigentlich ziemlich gut - aber nach dem fünften oder sechsten Date meinte er, dass er sich nicht für eine Beziehung bereit fühlen würde. Er habe gedacht er würde das hinbekommen, aber er würde merken, dass es ihm zu viel werden würde. Er meinte, ich solle bitte nicht denken dass es irgendwie an mir liegen würde - aber ich konnte mich nicht von dem Gedanken distanzieren, dass er nur mit mir keine Beziehung möchte, und bei einer anderen, die vielleicht besser aussieht, ihn mehr catched etc. vielleicht sofort bereit wäre.
Ich war damals sehr unglücklich, und wollte ihn unbedingt für mich gewinnen. Nachdem ich mich Monate danach mit den verschiedenen Bindungstypen auseinandergesetzt habe weiß ich heute, dass er ein absoluter Vermeider ist. Vielleicht hatte er damals aufrichtige Gefühle für mich und es ist ihm wirklich einfach zu viel Nähe geworden - vielleicht war ich ihm nie gut genug, und er wollte einfach nicht. Aber er wollte sich jedenfalls nicht für mich ändern.
Dafür gab es eine unerwartete Wendung mit meiner On/Off-Geschichte, von der ich ja wegzukommen versucht hatte - seit einem halben Jahr sind wir offiziell zusammen. Das Unmögliche ist passiert und er hat verstanden, dass er mich liebt und ich eigentlich alles bin, was er sich wünscht. Es lief in den vergangenen Monaten mal besser mal schlechter, aber in den ersten beiden Januarwochen hatte ich ein absolutes Hoch mit ihm. Ich war total happy und war voller Wertschätzung und Liebesgefühle für ihn, und hatte das Gefühl, dass wir gerade richtig zusammenwachsen. Bis vor ein paar Tagen.
Am Sonntag habe ich auf der Straße zufällig eine Freundin getroffen, die gerade zusammen mit einer großen Gruppe auf dem Weg zu einem Restaurant war und mich überreden wollte, mitzukommen. Da meine Dating-Bekanntschaft normalerweise Teil dieser Gruppe ist habe ich mehrmals abgelehnt, aber mich dann breitschlagen lassen, da sie mir mehrmals versichert hatte, dass er nicht kommen würde. Sie hat mich in der Vergangenheit schon oft einzuladen versucht, aber ich wusste nie wie es sein würde, ihn wiederzusehen, und was für Auswirkungen das auf mich haben würde, da ich ihn eben wirklich sehr toll fand, und auch sehr idealisiert habe.
Auf jeden Fall hatte sie sich an diesem Abend leider getäuscht. auf einmal stand er ein paar Meter entfernt. Ich habe sofort reflexartig weggeschaut und nervös mit meiner Freundin geredet, ohne die Augen von ihr abzuwenden. Wir saßen an dem einen Ende, von mehreren, zusammengeschobenen Tischen, und er ging dann zu den einzigen freien Plätzen am anderen Ende. Meine Freundin war mit dem Rücken zu ihm gedreht, weshalb ich immer in seine Richtung gesprochen, aber mich kaum getraut habe, in seine Richtung zu sehen. Nach einer Weile sind immer mehr Leute gegangen und es wurde leerer und die Sicht freier, weshalb ich ihr gesagt habe, dass ich jetzt besser gehen würde. Ich habe sie zum Abschied umarmt (was er sehr wahrscheinlich gesehen hat), den anderen an meinem Tischende einen schönen Abend gewünscht, und bin zur Treppe gelaufen - und konnte aus dem Augenwinkel sehen, dass er auf einmal ebenfalls stand und dabei war, seine Jacke anzuziehen. Sobald ich außer Sichtweite war habe ich mich dann schnellen Schrittes entfernt. Meine Freundin hat mir dann später noch eine Nachricht geschickt in der sie meinte, er wäre wirklich unmittelbar nach mir aufgestanden und dass sie sich sicher sei, dass er mit mir reden wollte.
Ich bin dann nach Hause gefahren und habe mich irgendwie total down und schlecht gelaunt gefühlt, ohne so richtig zu wissen warum. Dieses nicht mehr allzu gut gelaunte Gefühl ging auch in den darauffolgenden Tagen nicht weg, und hatte gestern seinen Höhepunkt - ich war mit meinem Freund zusammen und habe ihn wegen jeder Kleinigkeit angezickt, oder mir sind Tränen in die Augen geschossen. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich einem absoluten Hormonchaos ausgesetzt, wie fremdgesteuert. Und seit gestern zweifle ich irgendwie total an meiner Beziehung, und verstehe mich selbst nicht.
Ich vermute, dass ich mich nach dieser Begegnung so schlecht gefühlt habe, da er dieses Gefühl in mir nicht gut genug zu sein wieder hervorgerufen hat - und dass sämtliche Gedanken an ihn meinem Ego geschuldet sind, dass ihn nach wie vor gerne von sich überzeugen würde. Nicht um mit ihm zusammen zu sein, sondern einfach nur um mir selbst meinen eigenen Wert zu beweisen, indem ich ihn für mich gewinne. Der Wunsch nach einer Beziehung mit ihm wäre ja auch total Banane - er will vermutlich immer noch keine Beziehung, ich halte ihn eigentlich für ziemlich beziehungsgestört, und wir würden wahrscheinlich nicht wirklich zusammenpassen. Er hat generell eine sehr eigene, zynische, dominante, mysteriöse, und eher herablassende Art, und generell stark narzisstische Züge. Vor einem Jahr hat wahrscheinlich genau das meinen Jagdtrieb extrem getriggert.
Gleichzeitig habe ich aber Angst, dass es doch mehr ist - dass ich irgendwie doch noch mit ihm zusammen sein möchte (fernab jeglicher Logik. ), oder diese Begegnung mir aufzeigt, dass ich in meiner Beziehung vielleicht doch nicht so glücklich bin (wo mein Freund Defizite hat über die ich mich manchmal aufrege oder die mich zweifeln lassen, punktet er).
Generell bin ich gerade also richtig verzweifelt, und halte auch die Nähe meines Freundes schwer aus. Ich bin weiterhin sehr ungenießbar und emotional instabil. Grundsätzlich verfügt mein Freund über viele Eigenschaften, die ich wirklich sehr schätze, und wegen denen ich eigentlich auch denke, dass er der richtige für mich ist. Aber im Moment bin ich extrem verunsichert. Ich schätze mich allerdings nicht nur als den ängstlich-klammernden Bindungstyp ein, sondern habe wahrscheinlich auch eine nicht wenig ausgeprägte Bindungsangst. Vielleicht war mir das gerade auch zu eng und harmonisch, und ich möchte es wieder sabotieren?
Ich würde mich sehr über Antworten von Leuten freuen, die vielleicht auch ein bisschen psychologisch bewandert sind, und eine Idee haben, warum ich gerade so hohldrehe, und mich so bescheuert benehme.
Liebe Grüße!