Ich fühle mich auf ganzer Linie verar......!
Wir hatten beide keine perfekte Beziehung zu unseren Ehepartnern, verliebten uns heftigst ineinander. Es schlug ein wie der Blitz, auch wenn wir nie körperlich miteinander diese Liebe bis zum letzten Schritt ausgelebt haben. Es war wie ein Magnet, wie ein Sog, es ging nur noch vorwärts, aufeinander zu, immer mehr, immer intensiver, immerzu.
Wir telefonierten täglich mindestens 3 Stunden und appten 5 weitere. Das wenige, was noch von der Ehe da war, schwand. Wir waren noch anstandshalber in der Ehe anwesend und bereiteten den Absprung vor.
Auf Grund einer Vorgeschichte, hat mein Affärenmann nie zu seiner Frau " Ich libe Dich!" gesagt.
Mir sagte er das. Das erste Mal seit 20 Jahren wieder. Seine Worte schienen mir so bedeutungsvoll, vor diesem Hintergrund so wegweisend. Er ergänzte mit: Du bist mir so wichtig. Ich werde immer für Dich da sein, egal was passiert. Du bist so tief in meinem Herzen, du bist mein Herz. Ich habe nie so intensiv gefühlt, so kraftvoll, so ausdrucksstark. So eine Frau wie Dich habe ich schon immer gewollt. Wir passen so perfekt zusammen. Auf Dich möchte ich in dem einen Leben, was ich habe, nicht verzichten. Ich möchte Verantwortung für Dich übernehmen. Du bist DIE EINE! Es wird immer einen Weg für uns geben, komme was da wolle. Und, und, und ...
Zuerst sträubte ich mich gegen diese Superlative, schickte ihn zu seiner Familie. Doch er weinte, flehte, bettelte um ein gemeinsames Leben. Was mein Herz wollte, setzte mein Verstand nur langsam um.
Nach ein paar Monaten hatte ich gedanklich meine Ehe und Familie komplett aufgegeben.
Er wurde krank. 6 Wochen begleitete ich ihn durch diese Krankheit, besuchte ihn im Krankenhaus, suchte mit ihm Rehaprogramme aus, verbrachte ganze Tage am Telefon, um ihm die Langweile zu nehmen, Lebensinhalte zu vermitteln, Mut zu geben, bei der Genesung bei zu stehen.
Meine Arbeit ignorierte ich über diese Zeit komplett (bin selbstständig).
Um meine Kinder kümmerte ich mich nur noch punktuell, war gereizt, nicht mehr ansprechbar.
Er war einfach überall und zu meinem Lebensinhalt geworden.
Am Tag seiner Gesundschreibung war er mit seiner Frau auf einer Traumhochzeit, bei der den beiden im Programm eine besondere Rolle zukam. Und siehe da, am Tage danach meldete er sich nicht mehr. Ein bischen BlingBling, ein paar schicke Kleidchen, eine Nacht mit seiner Frau reichten zum Umdenken. Ich stellte ihn zur Rede, fragte, warum er sich nicht meldete. Er meinte wir müssen reden und ich bekam eine Woche später einen " Termin". Das Treffen begann wie üblich, er nahm meine Hand, er suchte meine Nähe. Ich wollte aber nur noch wissen, was los ist. Er stammelte und brachte bruchstückhaft hervor: ... Die Hochzeit hat mir gezeigt, warum ich mit meiner Frau ein Paar bin. Ich liebe Dich, aber jetzt, wo ich gesund bin, muss ich mich wieder um meine Familie kümmern. Wir können alles so lassen, nur nicht mehr so intensiv, nicht mehr so oft, eben mehr freundschaftlich. ...
Ich hatte genug gehört und fuhr einfach los.
Es folgten Tage mit verzweifelten Apporgien. Ich zweifelte seine gesagten Worte an, sagte, dass ich zur Bespaßung seiner Krankheitswochen wohl gut genug war, fragte, wo er jetzt zu seinen Aussagen steht? Ich fragte, ob es einen einzigen Tag in all diesen Wochen gab, an dem seine Frau ihn gefragt hat, wie geht's, was machst Du den ganzen Tag oder nur eine Stunde eher von der Arbeit gekommen wäre, um für ihn da zu sein.
Zurück kam immer: es war alles echt zwischen uns, es hat sich doch nichts verändert, er liebt mich für immer, ich bin immer in seinem Herzen, es ist nur nicht mehr so intensiv, eben mehr freundschaftlich.
Es war nix mehr wie es war. Appnachrichten wurden knapp und wenig emotional besntwortet. Auch Zeit hatte er plötzlich nicht mehr. Schließlich musste er mit der Familie Gespräche führen. Ich fragte wie er uns gedanklich einfach abschalten kann. Er meinte, das geht gut, man muss sich nur ablenken und mit den Kindern reden.
Zwei Mal trafen wir uns noch, weil ich verstehen wollte, was er mit diesem "freundschaftlich" meint. Egal was er ausführte, ich verstand nicht was er meinte. Ich kämpfte um ihn, schrieb ihm liebe Apps, gab ihm andererseits auch Zeiten für die Familie.
Ich war am Boden zerstört und bat ihn, mir nun Hilfe zu sein, für mich da zu sein, mir wenigstens Tips zu geben, wie ich wieder Zugang zu meiner Familie finde. Denn ich fand ihn nicht und das bis heute ...
Er schaltete mich einfach ab. Er blockierte mich.
Das ist jetzt 3 Monate her. Seit 1,5 Monaten geht er tageweise nicht in WhatsApp. Ich sehe es, weil ich den ganzen Tag auf WhatsApp starre und auf dieses kleine "online" warte, in der Hoffnung, dass etwas von ihm kommt. Wenigstens ein "auch mir fällt es schwer", wenigstens ein "ich hoffe es geht dir gut", wenigstens ein "auch ich denke an Dich".
Es kommt nix ....
Ich habe große Lust seiner Frau zu schreiben, dass er im letzten Moment gekniffen hat, nicht bereit ist Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, lieber wieder auf der Couch parkt und von Mutti die Hosen gebügelt bekommt. Es richtet sich weniger gegen seine Frau. Aber ich finde es unfäir mich einfach abzuschalten. Nach all den Worten. Wo hält er Wort? Ich finde es nicht richtig, dass er in seiner Familie spielt, als sei alles in Ordnung, als könne man hinter einer Fassade heile Familie spielen.
Oder ist es gar nicht so?
Machen Sie eine Paartherapie?
Ist er glücklich?
Oder leidet er genauso und will nur wie auch immer "richtig" leben?
Warum tut er sich das an? Mit mir war er doch so megaglücklich. Warum dann nicht in diesem einen Leben glücklich sein, wenn man denn das Glück schon gefunden hat?
Er ist so weit weg ...
... so unerreichbar ....
Was soll ich tun? Ich würde so sehr gern wissen wie es ihm gefühlsmäßig geht. Wie erfahre ich das? Welche Möglichkeiten gibt es?