Meh
Gast
Es fällt mir etwas schwer alles in Worte zu fassen, aber prinzipiell ist es so:
Nach knapp vier Jahren kam es mit meiner Ex Freundin im Sommer zu einer Trennung - das ganze nachdem ich nebenberuflich ein Studium beendet hatte und eine Wohnung wochenlang renovierte und mit ihr zusammen einrichtete sowie bezog. Ich war zu diesem Zeitpunkt körperlich und geistig völlig ausgepowert und am Ende. Kaum waren alle Hürden gemeistert und die neue Wohnung fertig - Trennung. Nur so als Vorgeschichte.
Nach bereits einem Monat lernte ich ein neues Mädl kennen. Ich bin 32, sie 24 und optisch als auch von ihrer Art her, war ich total in ihren Bann gezogen. So ein Gefühl von Verliebtheit hatte ich schon ewig nicht und nach jahrelangem Streiten mit meiner Ex hatte ich aufeinmal dann eine neue Freundin an meiner Seite mit der ich über alles sprechen konnte. Ich hatte so etwas noch nie erlebt, meine intimsten Erlebnisse konnte ich mit ihr teilen und vice versa. Anfangs war mir das unangenehm, aber sie fragte mich offen und ehrlich nach meiner Ex Freundin, meinen Gefühlen, der Trennung, etc. Im Gegenstück erzählte sie mir von ihrer letzten langen und echten Beziehung, die zu diesem Zeitpunkt über ein Jahr vorbei war.
Es kam dann zu folgenden Punkten:
Zum einen erzählte sie mir, dass sie mit 20 Typen bereits Sex hatte. Kein Weltuntergang, aber ich fühlte mich ab diesem Zeitpunkt einfach als Nummer 21 und wertlos. Da kommt hinzu, dass meine Freundin bildhübsch ist, in diversen Zeitungen und auf Plakaten als Model zu sehen war. Ein komisches Gefühl und ich war plötzlich das erste Mal in meinem Leben wahnsinnig Eifersüchtig. Ich warf ihr nicht vor mich zu betrügen, aber das belastete unsere kurze und bis dahin perfekte Beziehung (...ein Monat..
Zum anderen war ihr letzter längerer Ex Freund einfach ein Ar.. Sie hat mir Fotos gezeigt mit blauen Flecken am Körper, er war aggressiv und manipulativ. So weit so schlecht bzw. gut, aber jetzt kommts. Durch unsere offenen Gespräche erzählte sie mir, dass sie einfach unglaublich verliebt in ihn war und deshalb vier Jahre eine Beziehung hatte, in der sie ihn unzählige Male betrogen hatte (Suche von Anerkennung laut ihr) da es pausenlos zu kurzen Streit-Trennungsphasen gekommen war. Dennoch war sie Hals über Kopf in ihn verliebt. Als wir das letzte Mal darüber gesprochen hatten, meinte sie dann, dass sie denkt, dass man im Leben nur einmal einen Menschen trifft in den man so unglaublich verliebt ist, dass das ganze Leben nur aus dieser Beziehung und diesem Menschen besteht. Sie hätte alles für ihn geta und das obwohl er sie wie Dreck behandelte. Sogar Kinder waren geplant, das funktionierte aber nicht. Schlussendlich entkam sie bei einem schweren Autounfall um haaresbreite dem Tod. Der Ex Freund, von dem sie sich zu diesem Zeitpunkt erst kurz getrennt hatte erfuhr am Abend des Unfalltages davon und seine Worte gegenüber einer Freundin waren "Genau das hatte ich mir gewunschen, geschieht ihr recht". Ihre letzten Gedanken während des Unfalls waren "jetzt hat er was er wollte". So als zweite Vorgeschichte das Ganze.
Sie fragte mich dann ob ich so etwas schon einmal erlebt hatte, diese Verliebtheit. Schwer aber doch rückte ich dann mit der Sprache raus, dass es mir doch irgendwie so bei uns ging. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich eben nicht dieser einzige sein kann, kamen mir einfach die Tränen und ich konnte nicht mehr anders als kurz los heulen. Sie umarmte mich darauf nicht, sondern streichelte mir nur den Arm und versuchte mich quasi aufzuheitern. Das war für mich auch eine etwas komische Reaktion, da eine Umarmung einfach genau das gewesen wäre, was ich benötigt hätte, aber anstatt Nähe zu geben in so einem Moment, gibt sie eher Abstand. Das selbe will sie im Gegenzug auch - für mich schrecklich, ich fühle mich völlig ausgeschlossen wenn sie weint.
Im Anschluss sagte sie, dass der Unterschied zu ihrem Ex bei mir ist, dass sie mich bewusst als ihren Freund ausgewählt hat und ich für sie einfach ein guter und lieber Mensch bin, den sie auch niemals einfach so betrügen würde, da es eine völlig andere Art von Beziehung ist.
Streit gab es in der kurzen Zeit noch nie, aber ein paar Diskussionen. Ich bin dabei so, dass ich meine Fehler deutlich eingestehe, überhaupt weil sie mich lesen kann wie ein offenes Buch. Diese Basis findet sie sehr gut und wertvoll.
Jetzt ist es aber so, dass sie im Moment monatelang im Ausland arbeitet und unsere Treffen sporadisch sind. Wir haben jeden Tag Kontakt, telefonieren, schreiben, aber sie ist ein Mensch der viel Freiheit braucht. In meiner letzten Beziehung hatte ich das auch benötigt und danach gebettelt - aber nie bekommen. Es war für mich irgendwann unerträglich. Jetzt habe ich eine Freundin die mir genau das ermöglich - und ich würde am liebsten jede freie Minute mit ihr verbringen.
Leider habe ich sie durch mein klammern, welches aber von ihr die ersten zwei Monate völlig positiv aufgenommen wurde, weggetrieben. Es ist im Moment ziemlich schwer tatsächlich Nähe zu haben. Sex ist kein Problem, aber es ist Sex ohne Nähe.
Da ich immer noch gefühlsmäßig nicht ganz auf der Höhe bin durch meine letzte Trennung, merke ich, dass ich einfach unglaublich viel Angst habe, dass das hier durch mich zerstört wird. Bei der kleinsten Unstimmigkeit kann ich stundenlang an nichts anderes denken.
In einem Gespräch meinte sie schon, dass ich viel zu wenig Selbstvertrauen habe. Das stimmt, obwohl ich beruflich als auch privat eigentlich komplett anders auftrete - bei Beziehungen habe ich jedoch so wenig Selbstvertrauen, dass ich immer um Bestätigung beim Partner bitte. Das nervt sie tierisch - recht hat sie, aber es tut mir weh, wenn ich ich das nicht bekomme. Ich versuche bereits an mir zu arbeiten, aber es ist nicht einfach in dieser Hinsicht.
Was ist die Zusammenfassung von allem? Nach zwei, drei Treffen dachte ich mir nur noch "das ist die Frau die ich heiraten will. Nur die, keine andere." Dann kam eine Hiobsbotschaft (oben nicht erwähnt), dass sie keine Kinder bekommen kann, außer eventuell durch künstliche Befruchtung. Sie änderte sich daraufhin etwas. Dann die erste Belastung durch meine plötzliche Eifersucht, danach die durch fehlendes Selbstvertrauen und zuviel klammern. Plötzlich hatte die kurze Beziehung einen Knacks.
Ich versuche nun so zu sein wie es für uns Sinn macht, da ich mit meinem natürlichen Verhalten in dieser Situation (klammern, eifersüchtig sein, nur noch an sie denken) auch völlig unglücklich bin. Es ist aber verdammt schwer sich zu ändern...
Mir ist nicht klar ob es Tipps gibt die mir überhaupt helfen, aber ich musste meine Gedanken einfach mal schriftlich ordnen. Vielleicht war das schon die größte Hilfe.
Danke für eure Zeit, falls ihr das gelesen habt und frohe Weihnachten, sowie Kopf hoch für alle anderen mit Beziehungsproblemen. Beziehungen sind Arbeit, aber die Entlohnung ist besser als alles Geld auf diesem Planeten.

