Guten Morgen,
vielleicht von mir aus mal ein paar Worte und ich freue mich über Austausch.
Ich hatte immer schon ein kleines soziales Netzwerk, das sehr fragil war. Also 2 Freundinnen, ein paar lose Bekanntschaften, das wars, niemand, dem ich mich wirklich mit intensiven Sorgen hätte anvertrauen können. Das hatte aber jetzt nichts mit meinem toxischen Partner zu tun.
Meine toxische Beziehung jährt sich jetzt zum zweiten Mal bis fast den Tag genau, das ist für mich ein krasses Gefühl, Klos im Hals kommt hoch, aus dem Nichts.
Ich wohne auf dem Dorf. Mit wenigen Einwohnern, 15.000. Wir haben hier einige Arbeitgeber, die die Region am Laufen halten. Bei einem arbeitete ich zu der Zeit, mein Ex auch.
Das Zusammenkommen 2024 im Januar fing wunderschön an, heute glaube ich, wenn sowas zu schön beginnt, ist es falsch. Dann ging es weiter, wir telefonierten, stundenlang, abends, er fand fast alles interessant und toll, war super ehrlich und super offen, das mochte ich sehr an ihm. Irgendwann merkte ich aber, ich kann ihn nicht so stark in mein Leben lassen, wie es es sich gewünscht hätte. Noch heute betrachte ich das als Fehler meinerseits, was es sicherlich auch war.
Vielleicht war es aber auch ein unterbewusster, unbewusster Schutzmechanismus, der mich gewarnt hat, denn meinen Ex Partner ließ ich deutlich stärker in mein Leben als ihn. Sein Lebensstil, auch von Verantwortungslosigkeit gegenüber sich selber geprägt und auch gegen über mir bzw. Partnerinnen (unsafen Sex mit unbekannten Personen, ungesunder Lebensstil, Motorradfahren ohne Schutzkleidung) gefielen mir nie und das war für ihn immer "Leben genießen". Für mich indiskutabel.
Jedenfalls fing es schon früh an mir ständig zunehmender Kontrolle, Einschränkung meiner Interessen, die super wenigen Treffen mit Freunden wurden boykottiert von ihm, also zb wollte ich mich an einem Donnerstag treffen, da sagte er, "ja dann sehen wir uns halt nicht, wenn du meinst, Donnerstag musst du dich mit Freunden treffen". Bestrafungssystem. Einfach nur daheim mit ihm rum hängen, weil das sein Bedürfnis war, aber nicht meins. Er machte Abends (ohne mich) Party, war Sonntags oft kaputt und ich sollte dann zu ihm fahren und bei ihm rum lungern, bei bestem Wetter, weil er keine Energie hatte, etwas zu unternehmen.
Das ganze endete schon früh mit täglichem Streit. Man konnte die Uhr danach stellen, dann ging es weiter in On Off, er beendete ständig die Beziehung, Spätestens da wusste ich, dass die Fehler wohl doch nicht bei mir liegen, wie anfangs angenommen, denn nach Gesprächen änderte ich vieles, er garnichts, er machte einfach weiter und war unzufrieden, Kleinste Kritik ließ ihn explodieren.
Ab da das typische Eierschalenlaufen....alles wie es im Buche steht.
Irgendwannsuchte ich mir Hilfe, bei einer Gruppe vor Ort, ich setzte Grenzen, es wurde unangenehmer, er brach zeitweise den Kontakt ab, ghostete mich, trotzdem wir uns im Büro sahen, er hatte dann so ein Schema, Mo bis Fr wollte er im Büro so tun als sei alles toll mit uns, vorrangig auch weil die Kollegen das ein oder andere natürlich mitbekamen und Freitag wünschte er mir ein schönes WE und war verschwunden. Irgendwann buchte ich Urlaub, er war übrigens ständig unterwegs, teilte mir lediglich mit, dass er weg war. Ich wiederum hätte meine Unternehmungen mit ihm "abstimmen" sollen. Als ich dann 2 Wochen "unangekündigt" einfach mal im Urlaub war auf Mallorca, brach er den Kontakt komplett ab.
Leider ging ich in eine zweite Runde und ließ mich wieder einwickeln für etwa 1 Monat. Das war 2025 im Februar, dann setzte ich wieder Grenzen. Dann rastete er unter einem Vorwand aus, ich hätte ihn beschimpft, per Whatsapp. Was ich nie tat, aber es es einfach so drehte, glaube das nennt man Gas Lighting. Seitdem ist Ende. Tatsächlich Ende, glaube das lag daran, dass ich Grenzen setzte und hielt.
Was seither ganz schlimm war, Anfangs wusste ich, war er stark auf Tinder unterwegs und hatte sofort jemanden Neuen, das tut immer weh, toxisch oder nicht. Ich hatte für mich eine unfassbare Leere im Leben, obwohl ich ja auch vor ihm ein gutes Leben hatte, fiel ich plötzlich in ein Vakuum zurück, hatte das Gefühl, ich hätte 2 Wochentage (Sa und So) mehr zur Verfügung, wusste garnicht, was damit anzufangen sei. Meine alten Hobbys, Sport, ich war völlig draußen, da ich fast nichts mehr gemacht hatte, bis auf mich mit ihm drehen, streiten und nach ihm richten.
Das war schlimm, ich versuchte auch ein paar soziale Kontakte wieder zu aktivieren, was mehr als schwer war und leider muss ich sagen, dachte ich ununterbrochen an ihn, nicht wehemütig, sondern im Kreis drehend, war er einfach immer präsent. Ich hatte keinerlei Bedürfnis nach ihm, ihn zu sehen oder ihn zu kontaktieren, er widerte mich an und trotzdem war er ständig präsent in meinem Hirn, das ärgerte mich.
Ich sah ihn im Büro nicht mehr, aber ständig im Ort, ich hatte den Job gewechselt. Auch da Hoovering, auf einem Fest stand er mit einer Neuen da und grüßte mich spöttisch, ob ich immernoch "alleine sei". Ich reagierte nicht, später schrieb er mir nach einem Jahr fast Funkstille mit einer unbekannten mir neuen Nr per Whatsapp, warf mir vor ich hätte keinen anstand zu grüßen.
Seit dem Zeitpunkt sind wieder viele Stellen präsent, an denen wir mal zusammen waren und die Fragen, die mich umfassen und beschäftigen sind, ob ich ihm wirklich egal war, so wie das bei Narzissten üblich ist, ob ich der Fehler war oder Schuld trage, dass nichts klappte, ....mich plagen die typischen Gedanken, die jedes Opfer hat.
Inzwischen bin ich aber wieder auf dem Weg dorthin, eigenständiger zu werden, lerne auch Ablehnungen im echten Leben bei Dates besser und unpersönlicher zu nehmen, wenn sich jemand nicht mehr meldet, ist das für mich kein Zusammenbruch mehr, ich bin bei Meet5 und Spontacs, mache hier und da mal etwas mit, und versuche mich abzulenken, viel mehr bleibt mir nicht übrig.
Das nur zu mir. Was mich am meisten runterzieht sind die immer noch extrem starken Gedanken an ihn, die sind zwar negativ, nicht sehnsüchtig, so wie früher, was schon mal erheblich besser ist und meinen Abnabelungsprozess beschleunigt, aber es nervt trotzdem.
Nachtrag, was ich seit dem Ende mit diesem Mann gespürt habe, war eine unglaubliche Abhängigkeit von anderen Menschen. Vorher war ich stundenlang wandern, Radfahren, allein, habe mich nie einsam gefühlt. Er hat irgendwas in mir ausgelöst, was mir das Gefühl gab, als sei ich die Narzisstin und brauche plötzlich ultraviel Aufmerksamkeit (von Männer). Das unterstellte er mir ständig.
Ich habe mich beobachtet und es stimmt nicht. Ja soziale Interaktion befreit mich, macht mich locker, aber ich brauche keine Bestätigung. Und ich fühle mich auch im Kontakt mit Frauen gut. Auch bin ich gern wieder allein.
War das Projektion oder bzw. das Übertragen seiner Wahrnehmung auf mich. Ich weiß es nicht.