Zitat von monchichi_82:
Du hast Recht: man wirft so viele Jahre nicht einfach so weg
Ich möchte ganz kurz nur ein paar Gedanken zu diesem doch reichlich pathetischen Satz loswerden, den man so oft hört.
"Man wirft so viele Jahre nicht einfach weg".
Schon die Wortwahl impliziert etwas Negatives. Man wirft Dinge weg, die nichts wert sind. Man behandelt sie buchstäblich abfällig. Also wie Abfall.
Dazu folgendes: Man kann die Jahre erstens ohnehin nicht wegwerfen. Sie stecken in einem selbst, sind Teil der eigenen Entwicklung.
Wenn man sie als solche sieht und wertschätzt und anerkennt, dann gibt es zweitens überhaupt keinen Grund, etwas "wegzuwerfen".
Es ist eine äußerst abschätzige Bezeichnung dafür, dass jemand vielleicht einfach einen Punkt seiner Entwicklung erreicht hat, an dem er andere Wege einschlagen möchte und dies möglicherweise auch gut und richtig für ihn ist.
Dieser Aphorismus beinhaltet zudem in sich keine einzige Begründung, warum "man" so etwas nicht tut oder tun soll.
Jedem einzelnen hier werden in allen möglichen Zusammenhängen alle möglichen Beispiele einfallen, warum es sehr wohl gut und richtig sein kann, etwas zu verändern, obwohl man es vielleicht viele Jahre oder Jahrzehnte gemacht hat.
Es mag auch gute Gründe geben, etwas NICHT zu verändern - aber in diesem Glaubenssatz steckt kein einziger. Man tut es eben einfach nicht. Aha!
Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Mich jedenfalls kann man (und konnte man schon immer) mit dergleichen unhinterfragten Volksweisheiten bis ans Ende der Welt jagen.
Ein Totschlagargument ohne jegliche Substanz, nur dazu geeignet, sich selbst oder anderen ein schlechtes Gewissen zu machen.
Funktioniert aber leider oft.