Ich finde die Fragen alle berechtigt und hätte sie auch gestellt bzw. würde sie vermutlich so oder so ähnlich stellen, wäre ich der Betrogene.bIch schildere daher kurz, was mich damals motivierte und hoffe, dass das einigen hilft bzw. die Diskussion um einen bestimmten Aspekt erweitert.
Ich war sauer und verunsichert innerhalb der Ehe, weshalb, das ist ja egal und muss hier nicht ausgerollt werden. Ich besaß damals nicht den Mum, mit meiner Frau darüber zu sprechen - und zwar auch und besonders dann, wenn sie das Gespräch nicht so führte, wie ich es gebraucht hätte. Ich habe immer wieder den BEEP eingezogen. Und das tat mir nicht gut.
Hinzu kam, bei meinen Erwartungen an meine Frau konnten auch Widersprüche in mir selbst entstehen, zum Beispiel, ob ich dieses oder jenes Verhalten überhaupt erwarten darf? Heute weiß ich, ja, darf man, muss man sogar. Dazu brauchte ich eine Therapie. Man darf in einer Beziehung um alles bitten, alles vorschlagen, sich alles wünschen, aber man kann nichts erzwingen. Man kann gehen oder bleiben. Dazu gehörte für mich ein langer Weg, auf dem ich erst mal lernen musste, dass genau das auch umgekehrt für mich und die Wünsche an mich gilt - ich muss gar nichts, ich kann, ich muss nicht auf eine anstrengende Art gefallen, mich verbiegen, andauernd irgendwas liefern und "erstmal" an meinen Defiziten arbeiten, mir alles gefallen lassen. Ich kann und muss Lärm machen, bis meine Frau es mitbekommt, anstatt fremdzugehen. Feigheit, Abhängigkeit, Unsicherheit, alles spielte dabei eine Rolle, was ich damals tat.
Doch das habe ich damals nicht bemerkt. Ich wollte mir beweisen, dass ich auch einfach mal was machen kann, was andere so tun und es niemand verhindern kann. Von der Ohnmacht in die Macht. Ich wollte mit dem Feuer spielen um mich irgendwie zu spüren und mir klar zu werden, was nicht stimmt. Die Antwort auf diese Frage bekam ich auch. Alleine schon dadurch, dass ich merkte, ich werde mich nicht nur nicht für diese andere Frau trennen, sondern gar nicht und niemals. Und das wegen meiner Frau. Das hat mich dann noch mehr irritiert und mich die Monate nach der Affäre beschäftigt. Unsere Konflikte in der Ehe waren ja auch nicht weg, ich fühlte mich jetzt auch nicht cooler oder irgendwie männlicher, weil ich das getan hatte. Es stellte sich also dennoch für mich kein Gefühl der Augenhöhe her. Rache ist einer der schlechtesten Ratgeber überhaupt, wobei ich es nicht aus Rache getan habe, aber es wirkt natürlich irgendwie so. Meine Frau nannte das gegenüber Dritten "sich schadlos halten".
Deshalb habe ich dann im Zusammenhang mit einem Streit die Bombe platzen lassen. Das fühlte sich so an wie, "wir haben hier ein viel massiveres Problem als Deinen Ärger über mein heutiges Verhalten, dafür habe ich gesorgt und ich will jetzt endlich wissen, wie es hier weitergehen soll, habe ich jetzt Deine Aufmerksamkeit? Es war die pure und *beep* Verzweiflung, als ich ihr schrieb, was ich getan hatte.
Ich war anfangs bereit, jede "Strafe" zu akzeptieren, wenn ich dafür nur herausfinde, wo wir stehen und meine Frau wieder meine Frau wird. Und das hat mir meine Frau dann auf sehr eindrucksvolle und ausdrucksstarke Weise gezeigt. Ich war vollkommen überrascht, wie sehr sie mich liebte und wie sehr ich sie verletzt hatte. Offensichtlich schob ich in der Ehe zuvor einen massiven Minderwertigkeitskomplex und das - würde ich heute sagen - gab mir das Potential für einen Seitensprung. Also mein Problem und nicht die Schuld(igkeit) meiner Frau.
Ich gehöre und gehörte also nicht zu der Sorte Männer, die mal in der Gegend herummachen, sich dabei cool und männlich vorkommen und dann betteln, wenn sie erwischt werden, weil Scheidung so teuer ist. Eine sofortige Trennung hätte ich hingenommen und würde vermutlich heute noch hinter meiner Frau herlaufen

Meine damalige Verlogenheit bestand darin, dass ich in der Beziehung nicht glücklich war, es aber nicht schaffte, darüber laut genug zu sprechen und stattdessen etwas verrücktes tat, um zu spüren, wie andere sich wohl fühlen, wenn sie sich schadlos halten. So ein, ok, das kann ich auch, wenn ich schon ansonsten nichts kann. Was für ein schei.. Aber es war so und Teil meines Weges ist auch, dass ich dazu stehe. Ich hab es hinter mir, das fühlt sich gut an.
Die nachfolgende Veränderung meiner inneren Haltung hat Jahre gedauert. Ich wusste zwar schnell, ok, das tue ich nie wieder. Dann wusste ich, das tue ich nie wieder, weil es meine Frau so sehr verletzt und ich das jedenfalls nicht will. Ich will für einen solchen Schmerz nie wieder verantwortlich sein, schon gar nicht, wenn ich den Menschen eigentlich ganz tief in mir total liebe und aus oberflächlicher Enttäuschung Dummheiten mache. Das reicht aber nicht. Heute tue ich es aus einem weiteren Grund nie wieder: Ich tue bzw. täte mir das selbst an. Ich würde mich verraten noch bevor ich meine Frau verriete, ich würde gegen meine Überzeugungen handeln, ich würde mich selber total dafür abwerten. Ich würde es sicher nicht nochmal erzählen, aber die Ehe wäre dann irgendwann beendet.