kbforyou
Gast
ich habe lange überlegt, ob ich mich mit meinem Kummer an ein Forum wenden soll, aber ich weiß einfach nicht mehr weiter und hoffe auf Rat und Hilfe.
Meine Freundin (21) hat sich nach 2,5 Jahren Beziehung urplötzlich und völlig unerwartet von mir (23) Ende November getrennt. Mir geht es noch genauso schlimm wie am ersten Tag nach der Trennung, ich kann an nichts anderes denken und bekomme auch nicht mehr viel auf die Reihe, ob im Studium oder privat. Da ich weiterhin glaube, dass sie die Richtige war, kann ich Tipps a la "du bist noch jung, du findest ganz schnell wieder jemanden" zurzeit nicht mehr hören.
Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen (das würde den Rahmen sprengen) möchte ich gerne meine Geschichte erzählen:
Meine Freundin und ich waren noch bis in den November sehr verliebt in einander. Im Oktober waren wir auf Liebesurlaub in New York, sie hat bis in die letzten Tage noch sehr romantische Nachrichten geschrieben oder beispielsweise die erste Rate für einen gemeinsamen Urlaub überwiesen. Ihr ging es zwar in der letzten Zeit schlechter, aber ich hätte nie damit gerechnet, dass sie sich von mir trennen würde. Dann plötzlich der Cut, kompletter Kontaktabbruch, selbst über Weihnachten kein Melden.
Meine Freundin ist ein sehr sehr sensibler, familiärer und harmoniebedürftiger Mensch. Von ihr ging in der gemeinsamen Zeit nie ein Streit aus, lieber hat sie Dinge geschluckt anstatt sie anzusprechen, scheinbar war für sie nun das Fass voll.
Gewisse Probleme gab es in unserer Beziehung zwar immer, z.B. dass ich nicht mit ihrer Mutter/Familie warm wurde (die immer auf mich eifersüchtig war, ich nähme ihr ihre Tochter weg) und meine Freundin immer zwischen den Stühlen saß, aber es waren alles Dinge, die in den glücklichen ersten zwei Jahren unserer Beziehung nie beziehungsgefährdend waren.
Erst seit September, in dem es für meine Freundin einen großen beruflichen Umbruch gab (gefördert auch von mir, zurück auf die Schulbank, um das Abi nachzuholen), der mit viel Stress und immer weniger Zeit für unsere Beziehung verbunden war - obwohl wir uns groteskerweise mehr sehen konnten als zuvor - wurde sie immer trauriger und depressiver. Da meine Freundin ein sehr lebenslustiger, aber teils auch ein sehr schwacher Mensch ist, haben ihr viele Probleme in der Zeit mehr zugesetzt, als ich dachte (z.B. viel Lernen, parallel noch arbeiten, fehlende Erfolgserlebnisse, weniger Zeit für Hobbys, Freunde und Familie) und das war ihr auch anzusehen. Sie hat sogar zweimal gesagt, dass sie denkt sie sei depressiv, ich habe das allerdings eher auf den Stress geschoben und leider nicht so ernst genommen.
Zunehmend hat sie die negativen Erlebnisse aus Schule und Stress wohl vor allem mit mir verbunden, da wir unter der Woche immer bei mir waren (lag von der Distanz deutlich näher an Schule und Nebenjob) und zwar mehr Alltag zusammen hatten, dieser aber nur aus Lernen, Schlafen, Schule, Job und nicht aus schöner Zweisamkeit bestand.
Ich habe in der Zeit mein Leben stark hinten angestellt und meine ganze Kraft in sie und ihr großes Ziel gesteckt, Fahrdienst gespielt, Nachhilfe gegeben, ganze Wochenenden für sie aufgegeben, damit sie es packt.
Die Zeit bei mir glich teilweise mehr einer Vater-Tochter Beziehung, weil ich sie so für ihren Traum unterstützt aber auch gefordert habe. Unsere Beziehung litt in der Zeit unfassbar, weil wir uns zwar mehr gesehen haben, aber nicht mehr im romantischen Sinne.
An den Wochenenden, an denen sie mal zu Hause war aber hat sie sich wohl umso freier gefühlt.
Aus dieser Laune heraus und wohl beeinflusst (sie war immer sehr beeinflussbar) von Mutter/Familie, einer gewissen Freundin und einer sehr schlechten Woche in unserer Beziehung, hat sie sich jetzt plötzlich getrennt. Da ich immer hinter ihr stand und sie mich auch immer für meinen Rückhalt und meine selbstlose Liebe so sehr geschätzt hat, kam dieser plötzliche Schritt vollkommen überraschend.
Die Gründe für die Trennung (zu sehr eingeengt) erscheinen zwar nachvollziehbar, aber eher konstruiert und nicht wirklich schlüssig.
Ich weiß dass mein Verhalten nicht immer richtig war, habe seit der Trennung viel reflektiert und bin mir vieler Fehler bewusst geworden, aber es waren alles Dinge, die, hätte man sie mal angesprochen, definitiv klärbar und vor allem änderbar waren. Sie meinte selbst bei der Trennung, dass sie die Dinge hätte vielleicht früher ansprechen sollen.
Ihr gesamtes Umfeld hat mir zudem fast ausnahmslos bestätigt, dass ich ihr so gut getan hätte und sie immer sehr glücklich war. Da sie vom Lande aus einer eher einfältigen Familie kommt und ich aus einer eher gebildeten bürgerlichen Familie habe ich ihr ganze neue Welten gezeigt (das meine ich gar nicht elitär, eher normales wie den Zugang zu Bildung oder gemeinsame Reisen etc.).
Da es auch keinen anderen Typen gibt, sitze ich nun hier und verstehe die Welt nicht mehr.
Da ich mir ihrer Liebe immer sicher war und sie seit der Trennung völlig abgedreht und gefallen ist (laut ihrer Tante weint sie heute noch, wenn sie nur meinen Namen hört), glaube ich, dass da immer noch Gefühle sind, sie diese aber im Zuge ihrer depressiven Phase (ich sage bewusst depressive Phase und nicht Depressionen) wohl betäubt hat und nur noch das Negative sieht.
Statt sich Hilfe zu suchen, hat sie sich an Menschen gewandt, die ihr nicht gut tun und sie in ihrer Entscheidung eher bestärken. Die vielen positiven Aspekte von mir und unserer Beziehung scheint sie vollkommen auszublenden. Sie verdrängt stattdessen alles in einer Freundin, die zurzeit wie ein Freund Ersatz ist, die sie aber sehr negativ beeinflusst (Alk., eher ungebildete Sachen,...). Auf eine sehr liebevolle Zeichnung und einen Brief von mir ist sie nicht mal eingegangen. Bei meiner Familie, die sie geliebt hat (beiderseitig), hat sie sich nicht mal verabschiedet, selbst zu Weihnachten keine Reaktion, ihre Sachen hat sie über ihre Tante bei mir holen lassen.
Da meine Freundin sonst ein unfassbar lieber, herzlicher und kommunikativer Mensch ist, wirkt sie wie ausgetauscht.
Auf facebook liket sie Sätze und Bilder (zB. dass man sich von negativen Menschen befreien solle usw.), die wie eine nachträglich Rechtfertigung für ihr jetziges Verhalten sind. Es wirkt fast als sei sie manisch und könne nicht mehr klar denken.
Ich selbst habe im Zuge dessen den Kontakt zu ihr eingestellt, auch wenn es unfassbar schmerzt und ich so kaum leben kann. Da ich aber das Gefühl habe, dass jegliche Kontaktaufnahme momentan sinnlos wäre und nichts brächte, kann ich nur mit Ansehen, wie sie sich weiter in die Sache hineinsteigert und keinerlei Reflexion betreibt.
Ich weiß dass ich auf Dauer mindestens ein Gespräch mit ihr brauche. Und ich will sie trotz ihres Verhaltens zurück. Denn ich weiß auch, dass in einer depressiven Phase Dinge ganz anders gesehen und beurteilt werden, als mit klarem Kopf. Deshalb gestehe ich ihr viele Verhaltensweisen ein, die nach einer normalen Trennung ein No-Go für eine Comeback wären. Ich setze darauf, dass sie wieder zu sich kommt und merkt, was sie in ihrem Wahn mit mir und sich selbst angerichtet hat.
Ohne arrogant klingen zu wollen, weiß ich, dass ich auch für sie der Richtige war. Zurzeit allerdings macht sie keine Anstalten sich helfen zu lassen, weil sie denkt, dass die Entscheidung richtig war und sie auf dem richtigen Weg ist.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter, denn ich liebe sie noch immer und bin ein zutiefst ungeduldiger Mensch.
Gerne gehe ich auch nochmal im Detail auf Punkte ein, wenn Interesse besteht, z.B mein Verhältnis zu ihrer Familie oder die letzte gemeinsame Woche. Wollte euch aber jetzt nicht direkt vollspamen.
Danke schon mal fürs Zuhören, freue mich über Meinungen.
Grüße
André