Zitat von JeskoW:Wenn ich erwähne, dass ich auch Bedürfnisse habe, dann kommt sofort die Gegenfrage "Du willst Dich von mir trennen, oder?". Und dann sage ich nein, denn eigentlich war das ja gar nicht meine Absicht, aber das ist dann trotzdem der Auslöser für tagelange Depressionen.
Das allein ist in meinen Augen emotionale Erpressung

sie hat Dich völlig in der Hand, sie hat DURCH ihre "Erkrankung" die absolute Kontrolle und Macht über Dich. Und Du lässt Dir das schon seit vielen Jahren gefallen, weil Du nicht in der Lage bist, Dich abzugrenzen. Und für DICH einzustehen. Du befindest Dich meines Erachtens in einer Missbrauchsbeziehung, wenn das alles wirklich so ist, wie Du es hier schilderst. Es ist eine toxische Beziehung, in der Du mit Schuldgefühlen manipuliert und erpresst wirst. Sehr sehr übel.
Zitat von JeskoW:Es ist richtig, dass ich große Probleme damit habe, die Situation radikal zu verändern. Ich hatte vor der heutigen Beziehung schon einmal eine (Fern-)Beziehung mit einer anderen Frau (ein sehr lieber Mensch, aber es hat einfach nicht gepasst). Die Beziehung hat nicht einmal ein Jahr gedauert, aber die Trennung und die Schuld daran, dass sie dadurch so unglücklich war, hat mich jahrelang nicht losgelassen. Bis heute habe ich in manchen Momenten ein schlechtes Gewissen deswegen.
Daran würde ich an Deiner Stelle mal arbeiten, denn ein schlechtes Gewissen wegen einer Trennung (!) ist ja völlig unnötig. Ich hatte auch lange Zeit eins, bis mir meine Therapeutin klarmachte, dass es mein gutes Recht sei, mich zu trennen, und dass ich Verantwortung für mich und für meine Tochter, niemals aber für einen anderen erwachsenen Menschen übernehmen kann und darf. Jeder Mensch ist jederzeit in der Lage, eine Beziehung zu beenden.
Und glaube mir, ich hatte allen Grund für ein schlechtes Gewissen - mein erster Freund hat sich vier Wochen, nachdem ich mich von ihm getrennt habe, umgebracht (mit einem Auto frontal gegen einen Baum gefahren mit hohem Tempo). Er hat das allerdings nie angekündigt, angedroht oder sonst etwas, und er hatte auch keine Depressionen. Trotzdem hat er es getan, und erst die Therapeutin hat mir viele Jahre später nun klargemacht, dass das nicht meine "Schuld" war. Ich habe "nur" die Beziehung beendet - vielleicht hat überhaupt gar kein Zusammenhang zu seinem Tod bestanden, und selbst wenn doch, hätte ich es auch nicht verhindert, wenn ich bei ihm geblieben wäre und mich selbst gequält hätte. Dann hätte er das vielleicht durch einen anderen für ihn schlimmen Auslöser getan.
Zitat von JeskoW: Ich kann nicht gut mit eigener Schuld oder Verantwortung umgehen. Manchmal bewundere ich die Menschen, die einfach sagen können "Deine Verantwortung, nicht meine!", aber das ist emotional so fern für mich wie der Mond. Ich weiß, dass nach einer Trennung und einer Verarbeitungsphase nicht einfach die Besserung kommt, und falls sie sich tatsächlich etwas antun sollte, dann kann ich ebenso gut selbst vor einen Zug springen. Die trübe Zukunft habe ich in jedem Fall, ob ich mich nun trenne oder nicht.
Hast Du nicht, wenn Du anfängst, an Dir selbst zu arbeiten (das ist in meinen Augen definitiv keine "gesunde Einstellung", die Du da mit Dir rumträgst, die gehört in therapeutische Hände), und anschließend Deine Partnerin "auf den Pott setzt", wie man das hier so schön sagt. Und das hättest Du schon längst tun sollen.
Zitat von JeskoW:@kaetzchen: Ich suche keine Absolution fürs Fremdgehen, auch nicht für eine offene Beziehung. Ich weiß, dass das keine Lösung ist, meinen Wünschen nicht entspricht und nur Probleme verursacht. Ich schätze, wenn ich ehrlich bin, dann hoffe ich einfach, dass mir irgendetwas die Last der Verantwortung abnimmt. Dass sie irgendwann selbst merkt, dass es mir schlecht geht, und dann entweder drastisch etwas ändert oder selbst zum Schluss kommt, dass die Beziehung so keinen Sinn mehr macht. Wenn sie zu diesem Ergebnis kommt, dann kann ich auch damit leben. Mit der Vorstellung, ihr emotional "das Genick zu brechen" und sie in dieser Situation zurückzulassen, kann ich es nicht.
Damit kommst Du dann in die undankbare Situation, dass Du meinst, Dich wie ein "A." verhalten zu müssen, um eine Trennung von ihrer Seite zu provozieren (machen feige Menschen wohl ganz gern) und Dich parallel dazu emotional bereits selbst aus der Beziehung zu lösen. Was Du vielleicht auch schon getan hast, nur fehlt da womöglich noch ein bisschen auf Deiner Seite.
Zitat von JeskoW:Und hier setzt dann der Teufelskreis ein: Wenn sie merkt, dass etwas nicht stimmt, wird sie auch unglücklich/depressiv. Das kann ich wiederum nicht ertragen, darum tue ich so, als sei alles in Ordnung, damit es ihr wieder besser geht. Dann denkt sie natürlich wiederum "alles halb so schlimm", und fühlt nicht unbedingt die Notwendigkeit, irgendetwas zu ändern. Wir haben hier keinen wirkungsvollen Ansatzpunkt, weil letztlich wieder alles von ihren Ängsten und meiner Konfliktunfähigkeit überlagert wird. Vielleicht könnte ich damit leben und mich damit auseinandersetzen, wenn sie mich anschreien oder beschimpfen würde, aber ich ertrage es nicht, wenn sie einfach dasitzt und still weint, und ich weiß, dass alles für sie noch viel schlimmer werden würde.
Der Teufelskreis der emotionalen Erpressung geht so lange weiter, wie Du ihn lässt. Nur Du kannst ihn beenden, indem Du ganz deutlich ausbrichst. Meine Großmutter war eine Meisterin der emotionalen Erpressung

ich kenne das seit meiner Kindheit. Sie war dauernd krank, und wenn ihr was nicht passte, markierte sie einen Herzinfarkt (so glaubhaft, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert und dort behandelt wurde, bis die Ärzte feststellten, dass alles in Ordnung ist mit ihrem Herzen). Unglaublich war das.
Der einzige, der sie im "Griff" hatte, war mein Vater. Der hat ihre Anfälle nämlich gnadenlos ignoriert. Wenn alle anderen panisch aufsprangen, zu ihr rannten, den Notarzt alarmierten, blieb er einfach nur cool und gelassen sitzen und winkte ab. "Kennen wir schon". Und zack, war der "Anfall" nach wenigen Minuten vorbei. Verstehst Du, was ich damit sagen will?
Du befeuerst durch Deine Unterstützung, Dein ewiges Verständnis, Deine Konfliktscheu ihr Verhalten. Sie hat "gelernt", dass sie damit bei Dir weiterkommt und kann also mit einer Depression/ein bisschen Heulen die gewünschte Wirkung bei Dir erzielen (dass Du klein beigibst und Deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse wieder einfach verdrängst).
Bitte entschuldige Dein Verhalten doch nicht mit "Liebe"! Das ist keine Liebe, sondern maximal Affenliebe. Denn sonst würdest Du das nicht einfach jahrelang so erdulden, sondern hättest längst etwas getan, dass es ihr besser geht. Ich hätte ihr schon vor vielen Jahren ein Ultimatum gestellt - entweder, Du lässt Dich behandeln (und Angststörungen sind nichts, was sich nicht therapeutisch in den Griff bekommen ließe!), oder ich bin weg. Ganz einfach. Ich finde allein solche Aussagen wie "Therapeuten sind Quacksalber" unmöglich, ernsthaft. Was würdest Du denn tun, wenn sie an Brustkrebs erkrankt wäre und sagen würde: Nö, ich geh nicht zum Arzt, das sind doch alles nur Quacksalber? Würdest Du das dann auch so stehenlassen und zusehen, wie sie ohne Behandlung vor Deinen Augen stirbt? Ich denke mal, nicht.
Du duldest und erträgst es aber, weil Du es genauso auch brauchst. Und das ist DEIN Punkt, an dem Du ansetzen solltest. Warum brauchst Du eine Partnerin, die so ist? Schau da mal in Dich, am besten mit therapeutischer Unterstützung (und was, bitte, ist von einem Partner zu halten, vor dem man therapeutische Unterstützung für sich selbst
verheimlichen müsste?!? Das ist doch hoffentlich nicht Dein Ernst!).
Zitat von JeskoW:Auch wenn sie mich ansonsten zweifellos liebt, kann sie hier alle meine Bedürfnisse und Probleme irgendwohin verdrängen, wo sie sie nicht mehr wirklich wahrnimmt, weil die Angst einfach größer ist.
Bitte erklär mich, was da für Dich Liebe ist?! Wenn ich alle Bedürfnisse und Wünsche meines Partners "verdränge", nur damit ich bekomme, was ich will - das ist dann also Liebe? Schräg.
Zitat von JeskoW:Nein, ich will nicht so leben. Aber ich muss zwischen zwei Lebenswegen wählen, die keine Besserung versprechen, und verschiebe die Wahl in der winzigen Hoffnung auf diesen dritten Weg, der sich aller Wahrscheinlichkeit nicht auftun wird.
Du bist abhängig von einer Beziehung. Nicht mal von dieser, sondern überhaupt beziehungsabhängig. Sonst hättest Du niemals so lange so mit Dir umgehen lassen. Kein gesunder Mensch würde sich das über so einen langen Zeitraum antun. Und Du kommst da nur raus, wenn Du Dich therapeutisch beraten und unterstützen lässt. Falls Du keine Möglichkeit siehst, dies in normalem Rahmen zu machen, empfehle ich Dir gern die Herrschaften von TheraTalk (Online-Paarberatung). Dort kannst Du auch erstmal allein vorstellig werden, und zwar online, und dann sehen, wie es weitergeht.
Zitat von JeskoW:@murph: Es stimmt vielleicht tatsächlich, dass ich diese Probleme in gewisser Weise unterstütze, so ähnlich, wie jemand, der die Alk. des Partners durch Verleugnen, Wegräumen der leeren Flaschen usw. unterstützt, auch wenn er nur verhindern will, dass der Partner sich blamiert.
Das ist falsch, darum geht es nicht bei einer solchen Co-Abhängigkeit. Es geht darum, dass der co-abhängige Partner die Erkrankung (Alk., Dro.sucht, sonstige Krankheiten) für sich braucht und sie deshalb unterstützt, statt dem Patienten zur Heilung zu verhelfen. Und das ist das Schlimme daran - der Patient wäre ohne diesen Partner womöglich längst geheilt, weil er von sich aus durch einen hohen Leidensdruck dazu gezwungen wäre. Der co-abhängige Partner jedoch verhindert genau das, und macht sich dadurch meiner Meinung nach erst recht verantwortlich für das Dilemma. Wenn Du also schon darauf pochst, dass Du aus Verantwortung bei Deiner Partnerin bleibst, dann schau mal genauer hin. Wäre es wirklich Verantwortung, hättest Du längst alle Hebel in Bewegung gesetzt, ihr zu helfen. Zur Not eben auch rigoros (unter Androhung einer herben Konsequenz z.B.). Das willst und tust Du aber nicht, deshalb handelst Du eben gerade NICHT verantwortungsvoll ihr gegenüber, sondern verantwortungslos, indem Du ihre Erkrankung auch noch förderst und unterstützt.
Zitat von JeskoW:Es stimmt übrigens, dass sie keinen vollen Therapiezyklus durchgeführt hat. Andererseits macht sie seitdem bei dem Thema völlig dicht und will nichts mehr von den "Quacksalbern" und "Labersäcken" wissen und vergleicht das mit der Auspendel-Idee ihrer Mutter. Ich weiß nicht ganz genau, was vorgefallen ist, aber auf der Basis ist der Beginn einer erneuten Therapie schwierig, um es vorsichtig zu sagen.
Nein, ist es nicht. Und es ist das einzige, was ihr langfristig helfen wird. Mit oder ohne Dich. Du kannst natürlich auch einfach abwarten, bis ein Mann kommt, der sie "zu nehmen weiß" (ja, ich meine das ganz bewusst mehrdeutig). Und dann nimmt er sie Dir weg und Du kannst aus der Ferne zuschauen, wie Deine Partnerin völlig neu erblüht, heilt, gesund wird und sogar ein fröhliches S.leben hat.
Glaubst Du nicht? Ich kenne genau so einen Fall aus meinem näheren Bekanntenkreis. Auch hier eine Frau mit Depressionen und Angststörung, die der Mann eher unterstützt hat als alles andere. Nach acht Jahren kam ein anderer Mann, er hat sie sich geschnappt und hat genau das getan - sie rigoros in ihre Grenzen gewiesen, ihr gesagt: ich helfe Dir gern, wenn Du mich brauchst, aber ich bin kein Therapeut, daher musst Du Dir vorher fachlich helfen lassen, bevor ich irgendwas für Dich tun kann. Alles andere ist für mich keine Option, denn ich will mich nicht strafbar machen. Sie wollte diesen Mann, also hat sie es für ihn getan - und heute ist sie ein sehr glücklicher, angst- und depressionsfreier Mensch mit einem mehr als ausgefüllten S.leben
Aber auch diese Option verwehrst Du ihr ja, indem Du sie weder freigeben noch ihr selbst helfen kannst. Weil Du dafür schlicht und ergreifend nicht "der Richtige" bist.