JeskoW
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ehrlich gesagt, schreibe ich nicht unbedingt, um einen Rat zu bekommen. Ich weiß nicht, ob es hier überhaupt einen sinnvollen Rat geben kann, aber da ich über diese Situation mit niemandem aus meinem Bekanntenkreis reden kann, muss ich es anonym loswerden.
Ich bin seit über zehn Jahren mit einer Frau zusammen. Wir verbringen eigentlich die meiste Zeit zusammen (abgesehen von der Zeit, die ich auf der Arbeit bin), weil wir beide zu den Leuten gehören, die Nähe sehr schätzen. Nur hat sich die Beziehung in eine Richtung entwickelt, die zunehmend zu einer schwer erträglichen Belastung wird.
Ein für mich problematischer Punkt ist, dass die Beziehung praktisch vollständig platonisch ist. Körperliche Nähe ist nur bis zum Kuss möglich, alles Weitere ist für sie unangenehm und damit selbstverständlich inakzeptabel. Das läuft seit zehn Jahren so, und das gehört zu den Dingen, die auch nach langer Zeit nicht leichter werden (zumal Fremdgehen für mich moralisch nicht in Frage kommt, da würde ich mich mies dabei fühlen, was hätte ich also davon). Ich habe immer gehofft, dass es sich irgendwann einmal bessert oder zumindest leichter erträglich wird, aber das scheint nicht der Fall zu sein.
Ein weiteres Problem ist, dass sie unter Angst- und Schlafstörungen leidet, die es ihr unmöglich machen, viele Dinge des täglichen Lebens zu tun. Autofahren ist beispielsweise unmöglich, aufgrund der Schlafstörungen (die selbst mittelstarke Schlafmittel nutzlos machen) kann sie keinen normalen Beruf ausüben, und phasenweise kommen immer wieder Depressionen bis zu Suizidgedanken hinzu. Daraus resultiert eine gewisse Abhängigkeit von mir, die ich eigentlich auch nie wollte.
Drittens ist die Vorstellung, Kinder zu haben, für sie ein Albtraum (und das nicht nur wegen der Art und Weise, wie Kinder normalerweise entstehen). Ich wüsste auch zugegebenermaßen nicht, wie wir das im Alltag schaffen sollten und wie die Angst- und Schlafproblematik mit kleinen Kindern überhaupt noch kontrollierbar wäre. Aber bedauerlich ist es trotzdem.
Eine maßgebliche Ursache für viele Probleme ist sicherlich, dass meine Partnerin vor vielen Jahren von ihrem damaligen Partner vergewaltigt wurde. (Wer an dieser Stelle psychologische Behandlung vorschlagen will: Ein Besuch beim Psychologen hat nichts gebracht und bei ihr nur den Eindruck erzeugt, das sei erniedrigende und teure Zeitverschwendung.)
Dennoch gibt es auch immer wieder die guten Tage, an denen die Probleme weit weg erscheinen. Wegen dieser guten Tage habe ich die Beziehung auch immer weiterführen wollen, trotz aller Schwierigkeiten.
In den letzten Monaten ist aber erschwerend hinzugekommen, dass ich jemand anderen kennengelernt und dummerweise weit mehr Gefühle für sie entwickelt habe, als gut wäre. Ich habe zwar in gewisser Weise das Glück, dass sie diese Gefühle wahrscheinlich nicht erwidert (ich habe nie eine Andeutung ihr gegenüber gemacht, was ich empfinde, und ich gehe von ihrem Verhalten her davon aus, dass sie mich lediglich als guten Bekannten/Freund sieht), aber es zeigt mir, dass etwas ziemlich schief läuft. Früher jedenfalls wäre es kaum denkbar gewesen, dass jemand anderes mir mehr bedeuten könnte als meine Partnerin.
Nur stellt mich das Ganze vor ein unlösbares Dilemma. Ich habe auf der einen Seite die furchtbare Angst, irgendwann nur noch wütend auf meine Partnerin zu sein, weil sie mir gefühlt soviele die Dinge "weggenommen" hat, die ich mir wünschen würde. Auf der anderen Seite habe ich auch furchtbare Angst, Konsequenzen zu ziehen oder auch nur darüber zu sprechen, denn wenn sie sich dann etwas antut - und die Möglichkeit besteht, zumindest in ihren niedergedrückten Stunden - dann weiß ich nicht, wie ich mit dieser Verantwortung leben kann. Froh würde ich wohl nicht mehr werden im Leben.
Gespräche über die einzelnen Probleme haben wenig gebracht. Beim Thema körperliche Nähe steht sie auf dem Standpunkt "Es tut mir ehrlich Leid, aber ich will das alles nun einmal nicht und das ist eben so." Und was sollte man da auch einwenden? Beim Thema Angststörungen würde sie ja selbst gerne anders sein, nur kann sie das halt beim besten Willen nicht. Und beim Thema Familie ist mir selbst klar, dass das nicht gehen kann. Es ist sicherlich nicht ihre Schuld, und die Schuldfrage führt vermutlich auch zu nichts.
Aber wie ich es drehe und wende, ich sehe keine gute Alternative für die Zukunft. Wie gesagt, ich erwarte auch keine brillante Idee, die das Problem löst; ich wollte es bloß einmal loswerden, weil es mich auf Dauer fertig macht, nicht darüber sprechen zu können. Praktisch mein gesamter Freundes- und Bekanntenkreis kennt sowohl mich als auch meine Partnerin (wie gesagt, wir sind fast immer nur zusammen unterwegs), und es wäre ein massiver Vertrauensbruch, solche Details jemandem zu erzählen, der uns beide persönlich kennt. Danke also für die Möglichkeit, all das einmal niederzuschreiben. Das hilft bereits ein wenig.