Maximus111
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ich möchte euch heute kurz meine Geschichte erzählen und hoffe auf ein paar ehrliche und aufschlussreiche Meinungen von euch.
Ich bin knapp über 40 Jahre alt, meine Frau ist Anfang 30. Wir waren 12 Jahre ein Paar, davon 9 Jahre verheiratet. Wir haben zwei kleine Kinder unter 6 Jahren und leben seit ein paar Jahren in unserem Traumhaus.
Anfang des Jahres trennte sich meine Frau von mir. Für mich kam das sehr plötzlich und völlig unerwartet. Es war kein klassisches Gespräch im Sinne von „Ich muss dir etwas sagen“, sondern ich musste sie irgendwann fragen, ob sie überhaupt noch mit mir zusammen sein möchte. Erst da platzte die Bombe. Ab diesem Moment stand ich komplett unter Schock und plötzlich änderte sich alles.
Meine Frau begründete die Trennung zunächst damit, dass unsere Beziehung eingeschlafen sei, die Luft raus wäre, zu viel Negativität zwischen uns entstanden sei und es sich für sie einfach nicht mehr richtig anfühle. Sie sagte sogar, ich hätte zwar immer alles für sie getan, aber eben nicht das, was sie eigentlich gebraucht hätte.
Monate später verstand ich erst, was sie damit meinte. Aus ihrer Sicht fühlte sie sich über Jahre nicht mehr wirklich gesehen, emotional allein gelassen, bekam zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Komplimente und wir hatten kaum noch Zeit zu zweit.
Die Jahre zwischen der Geburt unseres zweiten Kindes und der Trennung waren tatsächlich extrem belastend. Zwei kleine fordernde Kinder, Hausbau, massiver Stress im Beruf, kaum Unterstützung durch unsere Familien und bei mir ein schleichender Burn-out. Ich hatte mich selbst völlig verloren und funktionierte nur noch.
Paradoxerweise löste genau die Trennung etwas in mir aus. Der Schock traf mich wie ein Blitz, erweckte mich aber gleichzeitig wieder zum Leben. Ich begann mich intensiv mit mir selbst auseinanderzusetzen, arbeitete viel mit psychologischen Methoden, reflektierte unheimlich viel und verstand nach und nach wirklich, warum ich mich selbst verloren hatte. Gleichzeitig verstand ich auch besser, warum meine Frau an den Punkt gekommen war, sich zu trennen.
Seitdem habe ich mich ehrlich verändert. Nicht über Nacht und nicht, um eine Rolle zu spielen, sondern Schritt für Schritt. Ich arbeite an meinen Themen, treibe konsequent Sport, Freunde, Hobbys, neue Interessen, habe äußerlich und innerlich große Veränderungen gemacht, habe wieder Selbstvertrauen gewonnen, bin präsenter für meine Kinder, emotional erreichbarer geworden und kann heute deutlich besser über Gefühle, Bedürfnisse und auch über meine eigenen Fehler sprechen.
Natürlich hoffte ein Teil von mir auch, dass meine Frau diese Veränderungen sieht und vielleicht irgendwann erkennt, dass wir unserer Ehe doch noch eine Chance geben könnten.
Im Mai führten wir nach Monaten erstmals wieder ein richtiges Beziehungsgespräch. Dort sagte sie mir, dass sie meine Veränderungen durchaus sehe und anerkenne. Sie sagte sogar, dass sie sich genau so einen Mann eigentlich immer gewünscht hätte und die ganzen Aktivitäten, die wir für einige Wochen trotz Trennung noch zu viert unternommen haben schön gewesen wären. Gleichzeitig erklärte sie aber, dass es für sie zu spät sei. Sie könne mir nicht mehr vertrauen, ihre Gefühle seien weg und der Zug sei abgefahren. Seit diesem Gespräch ist meine Hoffnung fast vollständig erloschen.
Bis heute wohnen wir noch gemeinsam im Haus. Sie war bereits vor diesem Gespräch beim Anwalt, hat die Scheidung eingereicht und Unterhalt gefordert. Gleichzeitig ist organisatorisch noch fast nichts geklärt. Es kann durchaus sein, dass wir noch viele Monate gemeinsam unter einem Dach leben müssen.
Was die Situation für mich zusätzlich schwer macht, ist, dass meine Frau selbst sehr unter der Trennung leidet. Sie weint oft. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sie weniger um mich als Partner trauert, sondern vielmehr um das Familienbild, das gerade zerbricht. Sie selbst stammt aus einer sehr schwierigen Kindheit mit Gewalt und Vernachlässigung und hat nie gelernt, Gefühle oder Bedürfnisse offen zu kommunizieren.
Genau das ist für mich heute wahrscheinlich der größte Schmerz.
Ich wusste, dass wir stressige Jahre hatten. Ich wusste auch, dass nicht alles perfekt lief. Aber ich wusste nicht, dass meine Frau innerlich längst an dem Punkt war, unsere Ehe aufzugeben. Sie hat diesen Prozess über lange Zeit mit sich allein ausgemacht und mich daran nie wirklich beteiligt. Hätte sie irgendwann gesagt: „So kann und will ich nicht weitermachen. Mir fehlt Nähe, Aufmerksamkeit und Zeit mit dir. Wenn sich nichts verändert, verliere ich unsere Beziehung.“ …dann hätte ich verstanden, wie ernst die Lage wirklich ist. Ich bin bis heute überzeugt, dass wir unserer Ehe dann eine echte Chance hätten geben können.
Umso schwerer ist es für mich heute zu hören, dass sie sich nicht geliebt fühlte. Denn aus meiner Sicht hat es nie an Liebe gefehlt. Es fehlte an Kommunikation, an Zeit und daran, dass wir beide im Alltagsstress irgendwann den Blick füreinander verloren haben.
Heute haben wir ein erstaunlich ruhiges Verhältnis. Wir streiten nicht. Wir kümmern uns gemeinsam liebevoll um unsere Kinder und organisieren den Alltag. Ich lasse sie in Ruhe und fordere nichts mehr von ihr. Gleichzeitig spüre ich, dass sie emotional praktisch nichts mehr für mich übrig hat. Sie interessiert sich kaum noch für mich als Menschen und fragt fast nur noch Organisatorisches. Nur manchmal merkt sie, wenn es mir besonders schlecht geht oder ich sehr ruhig bin, und fragt nach.
Ich selbst habe inzwischen kaum noch Hoffnung. Nicht, weil ich meine Frau nicht mehr liebe, sondern weil ich im Moment einfach nicht sehe, wodurch sich ihre Gefühle jemals wieder verändern sollten. Sollte sie irgendwann wirklich ausziehen, sehe ich unsere Geschichte wahrscheinlich endgültig als beendet an.
Trotzdem lebe ich mein Leben weiter. Ich arbeite an mir, kümmere mich um meine Kinder, lerne viel über mich selbst und versuche nach vorne zu schauen. Und dennoch ist da diese große Leere. Es tut nach wie vor unheimlich weh, einen Menschen zu verlieren, mit dem man zwölf Jahre seines Lebens verbracht, zwei Kinder bekommen und ein gemeinsames Zuhause aufgebaut hat. Selbst heute noch kämpfe ich fast täglich mit den Tränen, kann es noch nicht glauben. Wir waren das absolute Traumpaar. Unsere Trennung hat alle schockiert. Keiner hätte je geglaubt, dass wir uns trennen würden. Am allerwenigsten ich.
Mich würde interessieren, wie ihr die Situation einschätzt. Kennt ihr ähnliche Geschichten? Wart ihr vielleicht selbst einmal an einem ähnlichen Punkt – egal ob als Verlassener oder als derjenige, der gegangen ist? Hat sich eure Sicht irgendwann noch einmal verändert oder war der Entschluss endgültig? Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht warum ich dies frage, denn ich sehe nichts mehr, was mir noch Hoffnung geben könnte. Aber man will ja den Glauben oft einfach nicht verlieren.
Ich freue mich über ehrliche Meinungen – auch dann, wenn sie vielleicht nicht das sind, was ich mir wünsche.
Liebe Grüße Maximus