Sina2018
Gast
seit meiner Trennung Ende Dezember lese ich hier viel und denke viel über meine Ex-Beziehung und Beziehungen im Allgemeinen nach.
Vor und während meiner letzten Beziehung hatte ich irgendwie die Ansicht, wenn man zusammen ist, verbringt man eine schöne Zeit miteinander, teilt gute und schlechte Momente und jeder ist so, wie er eben ist und wie er sich gerade fühlt. Und wenn es nicht mehr passt, dann streitet man sich immer mehr und im Idealfall beschließen dann beide, dass man besser getrennte Wege geht oder in weniger idealen Fällen hat einer von beiden schon jemand neuen gefunden, es kommt raus und dann ist Schluss.
Aber wenn man hier so liest, wird oft von einem "Machtungleichgewicht" als Diagnose für das Beziehungsende geschrieben und es ist auch tatsächlich so, dass das fast immer passt. Auch wenn es um "Ex zurück" geht, wird immer zu diesen Nähe/Distanz-Spielchen geraten. Ich habe vor etwa 10 Jahren nach einem Beziehungsende schon mal ein Buch darüber gelesen und mich darin wiedergefunden. Dieses Buch habe ich erneut hervorgekramt und tatsächlich habe ich auch jetzt wieder Parallelen entdeckt.
Ist das denn wirklich so? Geht es immer nur um Macht/Abhängigkeit/Nähe/Distanz in Beziehungen? Ich finde das so traurig und ernüchternd.
Ich habe in meiner letzten Beziehung am Ende gespürt, dass er immer distanzierter wurde, wenn ich mehr Nähe und emotionale Abhängigkeit gezeigt habe. Das Buch von damals und auch mein Gespür sagten mir, dass die sinnvolle Konsequenz wäre, selbst auf Distanz zu gehen.
Aber gleichzeitig widersprach das meinen Gefühlen und ich wollte nicht gegen meine Gefühle handeln. Ich dachte mir, was ist das für eine Beziehung, wenn ich vorher nachzählen muss, wer schon öfter "Ich liebe dich" gesagt hat und es erst dann sagen darf, wenn ich im "Rückstand" bin, nur damit ich nicht Gefahr laufe, bedürftiger zu wirken. Ich möchte eine Beziehung, wo ich dem Partner jederzeit sagen kann, was ich fühle, dass ich ihn liebe, mein Leben mit ihm verbringen will, mich bei ihm geborgen fühle, er mir wichtig ist, ich froh bin, ihn zu haben.
Muss ich danach jedes Mal Angst haben, dass er fünf Minuten später mit gepackten Koffern vor mir steht, weil ich ihm zu nah gekommen bin und deswegen bedürftig/unattraktiv/unanziehend gewirkt habe? Muss man wirklich so sehr auf der Hut sein? Muss man wirklich ständig nachzählen/abgleichen, wer wann wie aus welchem Grund mehr Nähe oder mehr Distanz wollte und sich dann dem Gleichgewicht entsprechend verhalten, auch wenn es den eigenen Gefühlen widerspricht?
Ist das nicht furchtbar, ständig so berechnend sein zu müssen? Ich möchte keine Beziehung, in der ich ständig kalt und abweisend sein muss, damit mein Partner mich nicht sitzen lässt. Was sind das für Beziehungen? Aber funktioniert es nur so?
Ich frage mich mittlerweile wirklich, ob ich sowas nochmal will oder ob es nicht besser ist, sich das nicht mehr zu geben und einfach alleine zu bleiben.
Gruß
Sina