Zitat von Judy:Zumal die komplette Einrichtung überhaupt nicht meins ist, hat er lieber mit der Mama ausgesucht
Zitat:Er ist arbeitssüchtig, er geht im Jahr vllt. 1 Woche in Urlaub, auch nur dann, wenn ich danach bettel, ob wir nicht doch mal gemeinsam wegfahren möchten.
Zitat:Gezwungen hat ihn natürlich niemand, er selber lässt sich halt extrem unter Druck setzen, ganz besonders von seinem Bruder. Der schreit und er springt.
Zitat:Er hatte schon sein ganzes Leben lang um Anerkennung und Aufmerksamkeit seitens seines Bruders gebuhlt.
Zitat:Wir haben darüber nun bestimmt 100 Stunden gesprochen, zum Glück sagen ihm das auch seine Freunde, dass er da ein Thema hat und er möchte sich nun Hilfe suchen, um dies in den Griff zu bekommen, wobei ich nicht weiß, ob dies nur ein Anflug von "Augen öffnen" ist, oder er das dann auch wirklich tut.
Zitat:Und nun stehe ich hier und weiß nicht, ob ich es einfach hinwerfen soll, oder dem ganzen die Chance geben....
Fazit:
1.
Sein Verhalten ist durch familiäre Rollen schwer geprägt.
2.
Er ist Workaholic hoch zehn.
3.
Er achtet nicht auf sich und seine Gesundheit (auf Dauer wird der Körper unweigerlich zurückschlagen, wenn er so weitermacht).
4.
Er isoliert sich ein Stück weit von anderen Menschen durch die gestörte Work-Life-Balance - sogar von jenen, die er liebt (wie Dich).
Hm, das klingt nicht gut. Dennoch:
Eine Hoffnung sehe ich noch für Euch und das ist, daß er sich um Hilfe bemüht. Eine Therapie - am besten stationär, für 10-12 Wochen - könnte ihn tatsächlich weiterbringen, da würde er lernen, mehr au sich zu achten, seine physischen Grenzen zu respektieren und auch, wie man sich abgrenzt (wobei das der eigenen Familie gegenüber extrem schwer bis unmöglich ist, vor allem wenn man so aufeinanderhängt wie er mit seinem Bruder).
Vielleicht solltest Du also noch nicht alles hinwerfen, sondern darauf pochen, daß er diese Hilfe wirklich sucht und annimmt, was er dann daraus macht, ist natürlich ein anderer Kaffee, aber die Chance würde ich ihm noch geben.
Kennst Du seinen Bruder gut? Denkst Du, er wäre bereit, sich in die Therapie einbeziehen zu lassen? Manchmal bestellen psychosomatische Kliniktherapeuten bzw. auch ambulante Psychologen nämlich auch Familienmitglieder ein, um sich ein besseres Bild von der Gesamtsituation machen zu können. Ich bin kein Experte, könnte mir aber vorstellen, daß sowas wie "Familienaufstellung" (systemische Therapie) hier durchaus helfen könnte.
Die andere Sache, die mir so durch den Kopf geht ist, daß es gerade in symbiotischen Familien stets ein "schwarzes Schaf" gibt, das es nie wirklich "recht machen" kann. Aus dieser Rolle rauszukommen, ist
nahezu unmöglich, denn die anderen Familienmitglieder
brauchen ihr "Schaf", um sich selbst
aufzuwerten - indem sie "es" abwerten. Das muß nicht mal allen bewußt sein, was die Kommunikation diesbezüglich nicht leichter macht, denn oft genug halten gerade solche Familien sich dann auch noch für besonders "heil" und neigen dazu, dies wie einen Glaubensgrundsatz vor sich herzutragen.
Da hilft dann wirklich nur noch "Schnitt und Abstand, so weit es eben geht" - eben das dürfte für Deinen Freund aber schwer werden, wenn er als Mitgesellschafter mit seinem Bruder auch geschäftlich so eng verbandelt ist. Möglich, daß dann die Therapie seitens seiner Familienangehörigen als "Bedrohung" erlebt wird:
a) müßte der Bruder sich einen anderen Gesellschafter suchen, der sich genauso schlapp arbeitet wie Dein Freund
b) müßte die Familie sich ein neues "schwarzes Schaf" suchen, damit ihre Mitglieder sich wieder aufwerten können
... vermutlich wird ihnen beides wenig schmecken.
Sofern Du die Therapie allzu offen befürwortest, kann es auch sein, daß Du in den Augen seiner Familie zur "Bösen" mutierst, die einen "schlechten Einfluß" auf ihn ausgeübt und so in die Therapie und damit wiederum in das getrieben hat, was (für sie) ein "Unglück" wäre: Sich aus der Rolle des schwarzen Schafes zu lösen und ein Stück weit von ihnen abzugrenzen, um eine passendere Work-Life-Balance zu erreichen und so auch Eure Beziehung wieder qualitativ zu verbessern. Paß also gut auf Dich auf!
Hey, vielleicht male ich zu schwarz und er geht in Therapie, redet mit seinem Bruder, der zeigt Einsicht, die Mutter ebenso - und alles wird gut?
Ich drücke Euch ganz feste die Daumen dafür.
Alles Gute und viel Glück!