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Gibt es noch Hoffnung? Trennung nach 19 Jahren

Yvee

Yvee
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Ich (w, 36) war mit meinem Ex (m, 38) in einer 19-jährigen Partnerschaft; wir haben 3 gemeinsame Kinder (4, 9 und 15 Jahre). Wir haben in dieser Zeit einige Hoch und Tiefs gehabt. In meiner ersten Schwangerschaft vor etwa 15,5 Jahren, erkrankte ich durch einen Zeckenbiss an FSME. Ich lag 2 Wochen im Koma und insgesamt 5 Wochen um Krankenhaus. Durch diese Krankheit ging es mir sehr schlecht und ich bekam massivste Depressionen und hatte auch Suizidgedanken. Ich klammerte extrem und war auch extrem eifersüchtig. Als unsere Tochter etwa 10 Monate alt war, gab ich ihm aus irgendeinem belanglosem Grund, den ich nicht mal mehr weiß, eine Ohrfeige. Daraufhin trennte er sich. Mit Medikamenten und psychologischer Hilfe kam ich wieder in die Spur und wir näherten uns wieder an und kamen dann auch wieder zusammen.

Danach lief es einige Jahre ganz gut, nur dass er narzisstische Verhaltensweisen entwickelte, irgendwann fing er an, mich tagtäglich anzubrüllen und niederzumachen. Daraufhin zog ich mich monatelang emotional immer mehr zurück bis ich mich endgültig trennte. Ich dachte wirklich, dass ich keinerlei Gefühle mehr hatte und fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr.

Da fing er an um mich zu kämpfen und war plötzlich wieder der Mann in den ich mich verliebt hatte. Nach ein paar Monaten zog er dann auch wieder zu mir und den 2 Kindern. Das war vor etwa 7 Jahren. Eine Zeit lang lief es richtig gut, dann wurde er wieder langsam so wie früher. Er schrie mich zwar nicht mehr so häufig an, aber er machte oft abfällige Bemerkungen. Insgeheim dachte ich wieder an eine Trennung, wurde dann aber überraschend mit meinem kleinen Sohn schwanger. Wir mussten dann wieder umsiedeln und es lief mal so mal so. Ich fing dann noch ein Studium an und wir stritten oft deswegen, unter anderem weil er oft meinte, dass die Betreuung unserer Kinder hauptsächlich meine Sache sei und ich war irgendwann so überfordert, dass ich vor etwa zwei Jahren einen schweren psychischen Zusammenbruch (Burnout/Depression) inklusive suizidaler Gedanken hatte.

Dadurch vollzog mein Partner einen Wandel und merkte endlich, dass es so nicht weitergehen kann. In der ersten Zeit hat mein Partner die gesamte Last getragen: Er hat sich um mich, die Kinder, den Haushalt und seinen Fulltime-Job gekümmert. Es wurde mit der Zeit bei mir wieder besser und ich übernahm auch wieder einige Sachen, aber meine Energie kam nie ganz zurück. Ich habe mich seit dieser Zeit immer mehr zurückgezogen und war öfter stundenlang im Schlafzimmer, während er sich um alles kümmerte. Er war über lange Zeit der „Fels in der Brandung“, während ich nicht funktionsfähig war. Was ich nicht bemerkte, war, dass sich mein Partner in den letzten Monaten emotional immer mehr zurückgezogen hatte.

Vor drei Wochen war es dann soweit. Er wollte ein Gespräch mit mir und sagte, dass er gemerkt hat, dass es ihm so nicht mehr gut geht und eine Art Beziehungspause einlegen möchte. Er wollte, dass ich wieder lebe und mich aufrapple und auch meine Sozialkontakte wieder wahrnehme. Er selber möchte jetzt auch auf sich schauen und herausfinden, wer er eigentlich ist und ob das mit uns noch eine Zukunft hat. Er liebe mich immer noch, aber er sei sich nicht sicher, ob das noch reicht.

Daraufhin vollzog ich einen Wandel, ich bin wieder da, treffe mich regelmäßig mit Freunden, habe Arzttermine ausgemacht und will nicht nur für ihn, sondern für mich und meine Kinder wieder der Mensch werden, der ich früher war. Mein Partner wurde in der Zwischenzeit immer distanzierter, berührte mich nicht mehr und hat schließlich vor 5 Tagen die Trennung ausgesprochen. Seine Begründung: Er fühle „nichts mehr“, die Gefühle seien weg, er könne nicht mehr kämpfen und wolle nur noch weg. Diese Nachricht hat bei mir einen massiven Schock ausgelöst.

Ich dachte, er wolle mich verarschen, das waren gerade mal 2 Wochen, er hat ihm und mir nicht einmal die Chance gegeben, etwas zu ändern.

Nach intensiver Reflexion und Austausch mit Vertrauten ist mir klar geworden: Seine Tränen, sein Fluchtinstinkt und die beschriebene „Gefühlsleere“ deuten darauf hin, dass er emotional ausgebrannt ist. Er kann keine Liebe fühlen, weil sein System im Überlebensmodus abgeschaltet hat.

Ich habe ihm dann gesagt, dass ich seine Erschöpfung sehe und es mir unendlich leid tut, dass ich das erst jetzt sehe. Ich habe den Druck komplett rausgenommen. Er musste keine Rollen mehr erfüllen (Haushalt, Kinder-Logistik) und bekommt den Freiraum, den er braucht.

Vor 2 Tagen am Abend ist er dann gekommen und wollte mit mir besprechen, wie wir das organisatorische regeln.

Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass ich anbiete, dass wir, bevor wir die Wohnung oder so kündigen, wir eine Auszeit von 3 Monaten machen. Er kann in dieser Zeit auch gerne, wenn er das möchte, woanders wohnen. In dieser Zeit schauen wir beide, dass es uns wieder besser geht. Das war ja auch das, das er eigentlich auch ursprünglich wollte. Nach diesen 3 Monaten wollte ich, dass wir uns dann zusammensetzen und darüber sprechen. Dass er es hier gerade nicht aushält, war mir völlig klar und verstehe ich auch. Aber es hängt viel mehr davon ab, als er es zurzeit wahrnimmt. Es stehen unsere Familie, die Kinder, 19 Jahre auf dem Spiel. Das wirft man nicht einfach so von heute auf morgen einfach weg, ohne dass man vorher zumindest versucht hat, zu schauen, ob es eine Lösung gibt. Das sei er sich selbst, mir und den Kindern schuldig.

Schließlich sagte er, dass wenn ich es nicht kapieren möchte, er fühlt sich, seit er die Trennung ausgesprochen hat so frei wie schon lange nicht mehr und er ist sich zu 100% sicher, dass keine Gefühle mehr da sind und auch nicht wiederkommen werden. Und er möchte, dass wir in den nächsten 3 Monaten beide eine neue Wohnung finden. In diesem Streit wurden dann von beiden Seiten sehr verletzende Sachen gesagt, bis ich das Gespräch beendete, weil ich einfach nicht mehr konnte und wie ein Häufchen Elend dagewesen bin und nur noch geweint habe.

Ich habe so gut wie alle Hoffnung verloren. Eigentlich alle Freunde und Bekannten, mit denen ich darüber gesprochen habe, sind sich fast sicher, dass er nur eine Zeit braucht, in der er wirklich alleine ist und tun und lassen kann, was er möchte und dann irgendwann bemerken wird, dass es doch nicht das ist, was er will und es bereut. Aber ich möchte nicht an einer Hoffnung festhalten, die sich nie bewahrheiten wird.

Da wir weiterhin in einem gemeinsamen Haushalt leben, sehe ich ihn fast täglich. Ich kann ihm zurzeit nicht einmal in die Augen schauen. Jede noch so kleine subtile abweisende Geste oder Wort sticht direkt in mein Herz, gleichzeitig muss ich aber in seiner und in der Gegenwart der Kinder eine Maske tragen und das fällt mir unheimlich schwer. Ich vermeide so gut es geht jede Art von persönlichem Kontakt, weil es einfach so verdammt weh tut.

So kann auch keine Kontaktsperre entstehen, in der seine Gefühle wieder wachsen können.
Auch der Gedanke, dass wenn er mich ansieht, nichts fühlt oder vielleicht sogar Abneigung.

Was soll ich tun? Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

x 4 #1


A
Zitat von Yvee:
Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

Erkennst du euer Muster?

x 2 #2


A


Gibt es noch Hoffnung? Trennung nach 19 Jahren

x 3


Yvee
@Akelei76 Nein, nicht wirklich. Welches Muster meinst du?

#3


alleswirdbesser
Zitat von Yvee:
Daraufhin vollzog ich einen Wandel, ich bin wieder da, treffe mich regelmäßig mit Freunden, habe Arzttermine ausgemacht und will nicht nur für ihn, sondern für mich und meine Kinder wieder der Mensch werden, der ich früher war.

Wie war es auf einmal möglich? War dir vor der Trennung nichts wichtig und auch nicht bewusst, dass das nicht ewig so weitergehen kann? Zumal dieser plötzliche Wandel ohne Medikamente und Therapie von einem Tag auf den anderen vollzogen wurde.

x 2 #4


Lathgertha
Hast du den Eindruck, dass es neben der Erschöpfung auch eine neue Bezugsperson geben könnte?

x 1 #5


Yvee
@alleswirdbesser ich habe mich in meiner Erschöpfung gesuhlt und gehofft, dass es wieder von alleine besser wird. Ich muss aber auch sagen, dass ich trotzdem einiges gemacht habe. Ich habe mich fast alleine um die Kinder gekümmert. Auch alles organisatorische bezüglich den Kindern habe ich komplett alleine gemacht. Auch habe ich so gut es ging, den Haushalt gemacht, habe es aber nicht jeden Tag geschafft.

Aber ja, er hatte viel zu machen und er hat auch sehr sehr viel gearbeitet. Teils 50-60 Stunden, war wegen seiner Arbeit auch öfter ein paar Tage weg.

Seine Worte haben mich so schockiert, dass ich gewusst habe, wenn ich jetzt nichts tue, dann ist es vorbei. Und dadurch ist mir so richtig bewusst worden, dass ich so nicht mehr leben möchte, das hat mir den Antrieb gegeben.
Ich habe jetzt wieder eine Therapie begonnen. Ich schaffe es unter größten Anstrengungen jetzt alles komplett alleine zu bewältigen. Er ist jetzt auf meinen Wunsch hin, mal 1 Woche fast komplett weg. Aber ich merke schon, wie sehr mir die ganze Situation meine Kraft nimmt. Aber ich funktioniere irgendwie, allein schon wegen meinen Kindern.

#6


Yvee
@Lathgertha er sagt, dass er an so etwas zurzeit überhaupt kein Interesse hat, aber wer weiß?!

#7


Waris07
@Yvee

Ich habe den Eindruck, du unterschätzt gerade ziemlich, wie lange dein Mann innerlich schon auf diesem Weg ist. Das, was du als " 2 Wochen" erlebst, wirkt eher wie der Endpunkt eines Prozesses, der sich über Monate oder Jahre aufgebaut hat.
Er hat sehr lange getragen. Dich, die Kinder, den Alltag und auch die Krisen. Irgendwann ist bei ihm offenbar genau das passiert, was du selbst beschreibst. Er ist emotional ausgebrannt.

Und so hart das ist. In deiner Schilderung zieht sich ein Muster durch. Es hat oft erst dann eine Bewegung bei dir gegeben, wenn es schon sehr kritisch war. Das ist kein Vorwurf im Sinne von Absicht. Du warst krank, überfordert und am Limit. Aber für ihn dürfte es sich trotzdem so angefühlt haben, als würde er immer wieder alleine im Regen stehen.

Dein jetziger Wandel ist wichtig. Aber aus seiner Perspektive kommt er vermutlich nach zu vielen Wiederholungen genau dieses Ablaufs. Irgendwann glaubt man den Veränderungen nicht mehr, weil man sie schon erlebt hat und es dann doch wieder zurückgekippt ist.
Der Satz passt hier leider ziemlich gut. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Und es wirkt, als wäre dieser Punkt bei deinem Mann erreicht.

Was du gerade versuchst, ihn nochmal in eine Prüfphase oder Auszeit zu holen, kann bei ihm eher Druck auslösen als Hoffnung. Er klingt nicht wie jemand, der noch nach einer Lösung sucht, sondern wie jemand, der für sich die Reißleine gezogen hat, um überhaupt wieder Luft zu bekommen.

Das bedeutet nicht, dass du schuld bist oder dass alles verloren sein muss. Aber es bedeutet, dass du seine Entscheidung gerade ernst nehmen musst, auch wenn sie sich unfair oder zu schnell anfühlt.

Wenn sich überhaupt nochmal etwas entwickeln sollte, dann nicht, weil du ihn jetzt überzeugst oder festhältst, sondern nur, wenn du ihn wirklich gehen lässt und dich unabhängig von ihm stabilisierst.
Alles andere würde vermutlich genau das bestätigen, wovon er sich gerade lösen will.

Mir ist bewusst, dass das gerade viel und auch hart zu lesen ist. Aber ich habe bei dir ein bisschen das Gefühl, dass es wichtig sein könnte, genau jetzt wirklich im Hier und Jetzt anzukommen und den Blick stärker auf dich selbst zu richten, damit du deine eigenen Baustellen langfristig in den Griff bekommen kannst. Tröstender Smiley

x 4 #8


alleswirdbesser
@Yvee und wie wollt ihr das mit den Kindern regeln? Überlegt ihr euch ein Wechselmodell zu machen oder sollen sie komplett bei dir sein? Schaffst du es?

x 1 #9


S
Erstmal tut es mir leid zu hören wie es dir geht und vor allem auch ging.
Nach meiner Meinung sollte aber der alleinige Fokus wirklich darauf liegen, dass du stabil wirst und bleibst. Dass du deine Depressionen in den Griff bekommst und wieder einigermaßen auf den Füßen stehst. Das hat unabhängig von der Partnerschaft absoluten Fokus. Erst dann kann es überhaupt eine sinnvolle Chance und Hoffnung auf die Beziehung geben.
Selbst wenn er zurück kommen sollte....es wird nur eine Frage der Zeit sein bis es in irgendeiner Form wieder zusammenbricht.
Das liest sich jetzt vielleicht sehr direkt und schmerzhaft aber ich denke um überhaupt Energiereich und glücklich irgendwann zu werden solltest du hier die Priorität setzen. Dann wird sich zeigen ob mit diesem Partner, einem anderen oder gar keinem.

Das ist überhaupt kein Vorwurf oder dergleichen....aber wahrscheinlich stand dein Mann schon öfter an so einem Punkt und irgendwann ist die Energie zu ende...und für dich fühlt sich das alles überraschend und explosiv an. Für deinen Mann ist das ein langwieriger, schleichender Prozess.
Kümmer dich um dich...nimm die Therapie wahr. Such dir möglichst viel Hilfe auch wenn es schwer ist

x 2 #10


Yvee
@Waris07 ja, das ist mein Plan. Ich werde bestimmt nicht versuchen, ihn zu überzeugen. Ich brauche noch ein paar Tage, damit ich mich zumindest ein bisschen stabilisieren kann. Dann werde ich mich aufrappeln und Schritt für Schritt an mir arbeiten.

x 1 #11


Yvee
@alleswirdbesser er möchte unbedingt Wechselmodell. Schauen wir mal, ob das so funktioniert. Ich lass mich jetzt erstmal rechtlich beraten.

#12


alleswirdbesser
@Yvee das würde dir zumindest Freiräume verschaffen, um Kräfte zu tanken. Und die Kinder haben gleich viel Kontakt zu beiden Elternteilen.

x 1 #13


Y
Zitat von Waris07:
@Yvee Ich habe den Eindruck, du unterschätzt gerade ziemlich, wie lange dein Mann innerlich schon auf diesem Weg ist. Das, was du als " 2 ...

Besser kann man es nicht ausdrücken!

Als du im Koma lagst, war er wach. Musste um dein Leben und das des Ungeborenen bangen. Du wurdest suizidal, er aggressiv. Deine Not wurde gesehen. Er wurde als "narzisstische Züge entwickelt" bezeichnet.

Das geht schon sehr lange..

#14


A


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