Yvee
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Danach lief es einige Jahre ganz gut, nur dass er narzisstische Verhaltensweisen entwickelte, irgendwann fing er an, mich tagtäglich anzubrüllen und niederzumachen. Daraufhin zog ich mich monatelang emotional immer mehr zurück bis ich mich endgültig trennte. Ich dachte wirklich, dass ich keinerlei Gefühle mehr hatte und fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr.
Da fing er an um mich zu kämpfen und war plötzlich wieder der Mann in den ich mich verliebt hatte. Nach ein paar Monaten zog er dann auch wieder zu mir und den 2 Kindern. Das war vor etwa 7 Jahren. Eine Zeit lang lief es richtig gut, dann wurde er wieder langsam so wie früher. Er schrie mich zwar nicht mehr so häufig an, aber er machte oft abfällige Bemerkungen. Insgeheim dachte ich wieder an eine Trennung, wurde dann aber überraschend mit meinem kleinen Sohn schwanger. Wir mussten dann wieder umsiedeln und es lief mal so mal so. Ich fing dann noch ein Studium an und wir stritten oft deswegen, unter anderem weil er oft meinte, dass die Betreuung unserer Kinder hauptsächlich meine Sache sei und ich war irgendwann so überfordert, dass ich vor etwa zwei Jahren einen schweren psychischen Zusammenbruch (Burnout/Depression) inklusive suizidaler Gedanken hatte.
Dadurch vollzog mein Partner einen Wandel und merkte endlich, dass es so nicht weitergehen kann. In der ersten Zeit hat mein Partner die gesamte Last getragen: Er hat sich um mich, die Kinder, den Haushalt und seinen Fulltime-Job gekümmert. Es wurde mit der Zeit bei mir wieder besser und ich übernahm auch wieder einige Sachen, aber meine Energie kam nie ganz zurück. Ich habe mich seit dieser Zeit immer mehr zurückgezogen und war öfter stundenlang im Schlafzimmer, während er sich um alles kümmerte. Er war über lange Zeit der „Fels in der Brandung“, während ich nicht funktionsfähig war. Was ich nicht bemerkte, war, dass sich mein Partner in den letzten Monaten emotional immer mehr zurückgezogen hatte.
Vor drei Wochen war es dann soweit. Er wollte ein Gespräch mit mir und sagte, dass er gemerkt hat, dass es ihm so nicht mehr gut geht und eine Art Beziehungspause einlegen möchte. Er wollte, dass ich wieder lebe und mich aufrapple und auch meine Sozialkontakte wieder wahrnehme. Er selber möchte jetzt auch auf sich schauen und herausfinden, wer er eigentlich ist und ob das mit uns noch eine Zukunft hat. Er liebe mich immer noch, aber er sei sich nicht sicher, ob das noch reicht.
Daraufhin vollzog ich einen Wandel, ich bin wieder da, treffe mich regelmäßig mit Freunden, habe Arzttermine ausgemacht und will nicht nur für ihn, sondern für mich und meine Kinder wieder der Mensch werden, der ich früher war. Mein Partner wurde in der Zwischenzeit immer distanzierter, berührte mich nicht mehr und hat schließlich vor 5 Tagen die Trennung ausgesprochen. Seine Begründung: Er fühle „nichts mehr“, die Gefühle seien weg, er könne nicht mehr kämpfen und wolle nur noch weg. Diese Nachricht hat bei mir einen massiven Schock ausgelöst.
Ich dachte, er wolle mich verarschen, das waren gerade mal 2 Wochen, er hat ihm und mir nicht einmal die Chance gegeben, etwas zu ändern.
Nach intensiver Reflexion und Austausch mit Vertrauten ist mir klar geworden: Seine Tränen, sein Fluchtinstinkt und die beschriebene „Gefühlsleere“ deuten darauf hin, dass er emotional ausgebrannt ist. Er kann keine Liebe fühlen, weil sein System im Überlebensmodus abgeschaltet hat.
Ich habe ihm dann gesagt, dass ich seine Erschöpfung sehe und es mir unendlich leid tut, dass ich das erst jetzt sehe. Ich habe den Druck komplett rausgenommen. Er musste keine Rollen mehr erfüllen (Haushalt, Kinder-Logistik) und bekommt den Freiraum, den er braucht.
Vor 2 Tagen am Abend ist er dann gekommen und wollte mit mir besprechen, wie wir das organisatorische regeln.
Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass ich anbiete, dass wir, bevor wir die Wohnung oder so kündigen, wir eine Auszeit von 3 Monaten machen. Er kann in dieser Zeit auch gerne, wenn er das möchte, woanders wohnen. In dieser Zeit schauen wir beide, dass es uns wieder besser geht. Das war ja auch das, das er eigentlich auch ursprünglich wollte. Nach diesen 3 Monaten wollte ich, dass wir uns dann zusammensetzen und darüber sprechen. Dass er es hier gerade nicht aushält, war mir völlig klar und verstehe ich auch. Aber es hängt viel mehr davon ab, als er es zurzeit wahrnimmt. Es stehen unsere Familie, die Kinder, 19 Jahre auf dem Spiel. Das wirft man nicht einfach so von heute auf morgen einfach weg, ohne dass man vorher zumindest versucht hat, zu schauen, ob es eine Lösung gibt. Das sei er sich selbst, mir und den Kindern schuldig.
Schließlich sagte er, dass wenn ich es nicht kapieren möchte, er fühlt sich, seit er die Trennung ausgesprochen hat so frei wie schon lange nicht mehr und er ist sich zu 100% sicher, dass keine Gefühle mehr da sind und auch nicht wiederkommen werden. Und er möchte, dass wir in den nächsten 3 Monaten beide eine neue Wohnung finden. In diesem Streit wurden dann von beiden Seiten sehr verletzende Sachen gesagt, bis ich das Gespräch beendete, weil ich einfach nicht mehr konnte und wie ein Häufchen Elend dagewesen bin und nur noch geweint habe.
Ich habe so gut wie alle Hoffnung verloren. Eigentlich alle Freunde und Bekannten, mit denen ich darüber gesprochen habe, sind sich fast sicher, dass er nur eine Zeit braucht, in der er wirklich alleine ist und tun und lassen kann, was er möchte und dann irgendwann bemerken wird, dass es doch nicht das ist, was er will und es bereut. Aber ich möchte nicht an einer Hoffnung festhalten, die sich nie bewahrheiten wird.
Da wir weiterhin in einem gemeinsamen Haushalt leben, sehe ich ihn fast täglich. Ich kann ihm zurzeit nicht einmal in die Augen schauen. Jede noch so kleine subtile abweisende Geste oder Wort sticht direkt in mein Herz, gleichzeitig muss ich aber in seiner und in der Gegenwart der Kinder eine Maske tragen und das fällt mir unheimlich schwer. Ich vermeide so gut es geht jede Art von persönlichem Kontakt, weil es einfach so verdammt weh tut.
So kann auch keine Kontaktsperre entstehen, in der seine Gefühle wieder wachsen können.
Auch der Gedanke, dass wenn er mich ansieht, nichts fühlt oder vielleicht sogar Abneigung.
Was soll ich tun? Gibt es überhaupt noch Hoffnung?
