Ehemaliger User
Gast
In diesen drei Wochen habe ich festgestellt wie schnell Gefühle wechseln können, von himmelhochjauchzend bis zuTodebetrübt, von einem Extrem in das Andere, Lachen und Weinen liegen nah beeinander, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit auch. Wut, Trauer, Tränen, Rückzug und gleich darauf wieder das Gefühl es doch schaffen zu müssen, zu können, zu wollen, für mich und für meine Tochter.
Meine erste Anlaufstelle in meinem Schmerz war eine ganz liebe Chatfreundin die leider weit weg wohnt. SIE hat mir zugehört und ich konnte loswerden, was erst mal aus mir raus musste. SIE hat auch 3 Wochen davor schon ihrer besten Freundin zugehört, die nach 30 Jahren Ehe von ihrem Mann wegen einer Jüngeren verlassen wurde. Und seit gestern höre ich nun IHR zu, weil auch SIE von ihrer langjährigen Beziehung plötzlich verlassen wurde. Ihrer besten Freundin kann sie das nicht mehr erzählen, denn diese hat sich eine Woche nach dem Auszug ihres Mannes dafür entschieden ihr Leben nicht mehr weiterleben zu wollen.
Es ist eine Art Hoffnungslosigkeit in mir, denn wo ich auch hinsehe
scheint alles zu zerbrechen, nichts hat Bestand. War das schon immer so, oder habe ich bisher nicht darauf geachtet, weil ich mich in meinem Leben sicher fühlte, oder sicher fühlen wollte? Worauf soll man noch hoffen, noch bauen, wenn um einen herum alles wackelt und früher oder später einstürzt? Draussen scheint die Sonne und ich sollte besser hinausgehen, anstatt hier im abgedunkelten Zimmer vor dem Bildschirm zu sitzen und trübe Gedanken einzutippen. Aber wohin gehen? Osterspaziergang? Alleine? Inmitten all dieser Familien, die so glücklich miteinander scheinen? Wieviel davon ist Wahrheit, wieviel nur Schein? Wieviele dieser Familien funktionieren nur noch alibimässig nach aussen und sind vielleicht schon morgen keine mehr?
In meinem Garten, der schon bald nicht mehr mein Garten sein wird, treibt der Flieder seine Knospen. Gemeinsam mit anderen Sträuchern habe ich ihn vor 9 Jahren eingepflanzt und meine Hoffnungen und Wünsche in die Zukunft gerichtet. Mein Flieder wird blühen, wie jedes Jahr. Aus seinen vor kurzem noch kahlen Ästen sprießen grüne Blätter, und was während des Winters wie tot erschien, wird nun wieder lebendig. Vielleicht ist es das was Hoffnung gibt, nach draussen zu schaun und zu sehen dass alles immer wieder von neuem zu Leben erwacht. Egal was mit uns passiert, die Erde dreht sich weiter, die Sonne geht jeden Tag aufs neue auf und die Natur lebt ihr Leben ..... und wir sind mittendrin
lilac