Zitat von 6rama9:Wenn der Deckel perfekt auf den Topf passt, muss man auch keine Beziehungsdynamiken verstehen.
Ich denke das gibt es insgesamt nicht.
Zitat von Nachtlicht:Ich glaube, dieser Vorstellung liegt eine unrealistisch überhöhte Anspruchshaltung an das, was eine Beziehung über Jahrzehnte hinaus zu leisten vermögen soll, zugrunde.
Wobei eine gemeinsame Entwicklung, mit Kompromissen (!) bestimmt zu einem gemeinsamen und auch für beide zufriedenen Leben führen können.
Leider möchte aber heute kaum jemand Kompromisse machen und schon gar nicht auf etwas verzichten.
Gleichzeitig wird aber Verständnis für die eigenen Bedürfnisse gefordert, wobei die des Gegenübers offensichtlich in dem Augenblick keine Rolle oder zumindest nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheinen.
Beziehung ist viel zu sehr zum Konsumgut mutiert und an eine Stelle als Prestigeobjekt gerutscht.
Eigentlich eine seltsame Rückentwicklung oder zumindest keine Weiterentwicklung, da wir immernoch in der Gesellschaft der "Was sollen denn die Nachbarn sagen" leben, wobei wir uns paralell als unglaublich weltoffen darstellen.
Eigentlich ist sogar eine Art Entmenschlichung eingetreten, da ja alles als Perfekt dargestellt werden muss.
Alles Oberfläche und da wundert man sich, dass die Menschen emotional auf der Strecke bleiben.
Entwicklung ist so natürlich auch nicht möglich, da Innenleben und perfekte Darstellung nach außen, im Wiederspruch liegen.
Zitat von Nachtlicht:Natürlich funktioniert eine offene Beziehung (oder eine polyamore Beziehung) auch dann, wenn es sich um Kompensation handelt. Im Grunde ist das doch sogar der Sinn der ganzen Übung. Wenn es nix zu kompensieren gäbe, würde der Blick über den Tellerrand doch gar nicht interessieren.
Wenn sie denn überhaupt funktionieren sollte, da wir bei uns gesellschaftlich so geprägt sind, dass wir vermutlich immer mit uns im Wiederspruch stehen werden.
Wir sind ja keine Übermenschen, die sich emotional plötzlich komplett lenken können. Kognitiv mag das gehen, aber emotional sind unsere Prägungen vermutlich so tiefe verankert, dass es schwer werden wird auf Dauer damit klar zu kommen.
Zitat von Nachtlicht:Ich würde dazu raten, den Freund behutsam über die Situation aufzuklären und falls der im Anschluss noch ansprechbar ist, gegebenenfalls gemeinsam mit ihm zu schauen, ob es einen weiteren gemeinsamen Weg geben kann.
Sehe ich auch als einzige Möglichkeit.
Ob man da dann tatsächlich komplett reinen Tisch machen sollte, wäre ich mir nicht so sicher.
Stellt sich nämlich die Frage was egoistischer ist.
Sich sein Gewissen zu erleichtern oder selbst damit leben müssen und vielleicht nie darüber sprechen zu können.
Ich glaube es sind ca 80% die lieber nichts von dem Betrug ihres Partners gewusst hätten, nachdem sie es erfahren haben und versuchten die Beziehung zu retten...