Santosha1951
Gast
ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich seit zwei Wochen nicht mehr weiß, wie mein Leben weitergehen soll. Ich bin verzweifelt, einsam und sehne mich nach meinem Freund in einer unglaublichen Intensität.
Ich habe wieder reaktive Depressionen, Verlustängste und somatische Beschwerden, wie Herzrhythmusstörungen bekommen.
Ich war 14 Monate eine AF. Unsere Beziehung ist dann aber eine Liebesbeziehung geworden, was zum Problem wurde. Wir haben uns in einer SHG f. Depressionen kennengelernt.
Mein eigener Mann, der 7 Jahre jünger ist als ich, hatte vor 10 Jahren mehrere Schlaganfälle und wurde zum Schwerstpflegefall. Ich pflegte ihn 4 Jahre alleine zu Hause, gab meinen Beruf auf und erkrankte an Depressionen und bekam Herzprobleme.
Jetzt lebt mein Mann gezwungenermaßen in einem Pflegeheim und ich bin seine Betreuerin und kümmere mich um alles. Ich stehe ihm sehr nahe, nur kann er wegen seiner eigenen Schuldgefühle keine emotionale Nähe mir gegenüber mehr zulassen.
6 Jahren habe ich alleine gelebt, finanziell sehr eingeschränkt durch die hohen Eigenanteilskosten im Heim und völlig vereinsamt. Gefühle konnte ich gar nicht mehr zulassen. Eine Ärztin im KH sagte mir mal, ich hätte ein "gebrochenen Herz", was es angeblich wirklich geben soll.
Dann lernte ich in der SHG einen Mann kennen, der eine zwangserkrankte Frau zu Hause hatte, die auch keine körperliche und emotionale Nähe mehr zuließ und die Wohnung nur in Notfällen verließ. Sie lehnte jede Therapie ab, wurde nie einem Arzt oder sozialpsychiatrischen Dienst vorgestellt, weil sie es einfach ablehnte. Das wurde so hingenommen.
Mein Freund war zu dem Zeitpunkt auch depressiv, einsam und verzweifelt, sodass wir uns wie zwei Ertrinkende aneinander klammerten.
Das Problem war, dass mein Freund in einer kleinen Eigentumswohnung mit seiner Frau lebte. Er sagte, das sei eine Art WG. Jeder in getrennten Zimmern. Die Frau machte seit Jahren keinen Haushalt mehr, trank viel Alk., lag nur auf dem Sofa rum und mein Freund war total überfordert.
Er war damals auch kaum noch in der Lage seine eigenen Belange zu regeln. Er war schon Jahre vor mir in dieser Selbsthilfegruppe.
Wir beide blühten nach kurzer Zeit auf. Jeder in der Gruppe sprach uns auf unsere Veränderung an. Die Depressionen hatten sich erheblich gebessert. Unser gegenseitiges Vertrauen wuchs immer mehr und wir waren miteinander, als ob wir uns schon immer kannten.
Wir waren glücklich. Unternahmen viele Ausflüge, gingen zusammen essen, wir waren wie Kinder, fröhlich und lachten viel. Teilten unsere Sorgen.
Wir kauften zusammen ein, was er gar nicht mehr kannte, weil er alles alleine machen musste. Und das war toll, wie in einer normalen, harmonischen Ehe.
Während ich meinem Mann nicht erzählte, das ich eine s.uelle Beziehung habe, hat mein Freund seiner Frau jede Kleinigkeit von uns erzählt. Ich habe das allerdings nie richtig verstanden, warum er das machte. Sie kannte sogar meine Telefonnummer.
Wir trafen uns ja sehr oft, er schlief zu der Zeit auch einmal in der Woche bei mir. Eine Affäre hätte seine Frau, nach ihren eigenen Aussagen, akzeptiert, nur keine Liebe.
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Während ich alleine lebte, konnte er, wenn er von mir kam, nicht einfach entspannen, sondern musste lange Diskussionen führen. Die Frau beschimpfte mich ständig und manipulierte ihn ganz enorm.
Aufgrund seiner eigenen Erkrankung konnte er schlecht damit umgehen.
Trotzdem hatten wir im ersten Jahr eine wunderschöne Zeit. Er stellte mich seinen Kindern aus erster Ehe vor, die mich sofort mochten und zu denen er seit Jahren selten und wenn, dann allein, Kontakt hatte, weil seine Frau ja keinen in die Wohnung ließ.
Wir verbrachten Feiertage zusammen, ich lernte die Schwester meines Freundes und die Stiefmutter kennen, zu denen er auch seit Jahren kaum Kontakt hatte. Für den Besuch mussten wir 2 Stunden fahren und trotzdem war es ihm wichtig, mich dort vorzustellen. Auch die mochten mich sofort.
Das, was mich sicher von seiner Liebe zu mir überzeugte, war, dass er mich bei seiner KfZ-Versicherung für seinen über alles geliebten BMW als Lebensgefährtin eintragen ließ, die den Wagen jetzt mit fahren würde.
Dieses Auto bedeutet ihm alles. Er identifiziert sich mit diesem Auto.
Später redeten wir von einem gemeinsamen Zusammenleben. Während mein Mann ja in vollstationärer Pflege ist und für mich das nicht so ein großes Problem geworden wäre, hatte er die Vorstellung, seiner Frau weiterhin den Einkauf zu machen, im Notfall zu helfen und alles weitere würde sich schon ergeben. Ich hatte da meine Zweifel, dass das klappt und sagte das auch.
Für mich stand fest, dass er erstmal dafür sorgen müsste, dass die Ehefrau therapiert würde, um dann evtl. in einem betreuten Wohnen zu leben. Er machte sich keine weiteren Gedanken und meinte, sie könnte auch alleine in der ehelichen Wohnung bleiben.
Ich hatte mich dann nach ca. 12 Monaten in einem anderen Forum angemeldet, weil sich das Verhältnis zwischen den beiden , also meinem Freund und seiner Frau, plötzlich wieder verbesserte. Die lebten nicht mehr wie in einer WG, sondern aßen zusammen, schauten gemeinsam fern usw.....Nur war keine Sexualität zwischen ihnen, weil sie es ablehnt.
Er war nicht mehr so cholerisch wie früher, hatte ja ein ausgefülltes Sexualleben mit mir, was für ihn sehr wichtig war und unsere Treffen reduzierten sich etwas.
Ich merke auch, dass er eine krankhafte Angst hat vor Veränderungen im Leben und er das "Vertraute" zu Hause vorzog, vor dem unbekannten neuen Leben mit mir.
Plötzlich sagte er, dass man 25 Jahre Ehe nicht einfach vergessen kann und er müsste mal sehen, für wen er sich entscheidet. Aber ohne mich könnte er auf gar keinen Fall leben. Er würde mich lieben und seine Frau auch.
Das war natürlich erstmal der Hammer, dass jemand über mein Leben bestimmen wollte. Im Laufe der nächsten Wochen trennte ich mich in regelmäßigen Abständen, weil ich immer nervöser wurde und kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte. Aber jedesmal nach einigen Tagen kamen wir wieder zusammen.
Dann kam der Tag, ich fragte ja immer nach seiner Entscheidung, was ihn furchtbar nervte, an dem er mir sagte, dass er sich entschieden hätte und nie ausziehen würde und bei seiner Frau bliebe. Er wollte uns beide.
Ich habe das dann noch wenige Wochen mitgemacht, wir hatten an den 1 1/2 Tagen, die uns noch geblieben waren, viel Streit, ich konnte mich nicht mehr entspannen und ich konnte das nicht verstehen, dass er wieder in das Leben geht, aus dem er geflüchtet ist. Einen Schritt vorwärts, zwei zurück!
Am Samstag vor einer Woche habe ich dann abends gesagt, dass es für mich vorbei ist. Ich habe seine Entscheidung umgesetzt, weil er es nicht konnte.
Er war genauso geschockt, wie ich.
Es war ganz spontan, aber dieses Leben hätte ich so nicht weiter mitmachen können. Ich stellte mir manchmal vor, dass die beiden in trauter Zweisamkeit dort auf ihren Sofas liegen und sich was vom Chinesen bestellen, nachdem er von mir kommt.
Dort in diesem anderen Forum wurde mir ganz deutlich klargemacht, dass ich völlig naiv sei und gar nicht mitbekomme, das die beiden auf meine Kosten ihre eigene Ehe wieder kitten und mich brauchen, damit mein Freund seine s.uellen Fantasien ausleben kann.
Ich sehe das zwar etwas anders, aber jetzt ist nach der ersten Woche kein Kontakt mehr da. Anfangs hat er mir und ich ihm smsen geschickt.
Wir haben uns nochmal gesehen, er hat mir Wasserflaschen gebracht.
Er schrieb mir, dass es durchaus sein kann, das er die falsche Entscheidung getroffen hat, aber das würde er ja erst später merken. Wenn ich dann noch nicht vergeben wäre, könnten wir es ja nochmal versuchen. Unglaublich!
Mein Mann hat natürlich gemerkt, wie traurig ich wieder bin, oft weine. Er glaubte, dass es sich um eine reine Freundschaft handelte, und sagt mir jetzt jeden Tag, ich soll froh sein, dass ich so einen egoistischen Mann, der nur in seinem Interesse handelt, los wäre.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr im Forum mal Eure Meinung zu so einer Geschichte schreibt. Das würde mir sehr helfen.
LG
Santosha