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Ich fühle mich wie in Watte gepackt

doria

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Hallo zusammen,
ich muss meinen Kummer einfach loswerden, ich hoffe es wird nicht zu wirr..

Ich lebe seit 6 jahren in zweiter Ehe. Die Beziehung war von Anfang an chaotisch.
Wir streiten bis die fetzen fliegen, wir reiben uns an Kleinigkeiten auf, wir sind subtil, wir tun uns weh.
Anderseits lieben wir uns, krieschen uns gegenseitig in den Allerwertesten und sagen uns 100 mal das wir uns lieben.

Nun bin ich aber an einem Punkt angelangt wo ich nicht mehr kann. Mich haben die letzten Jahre psychisch an meine Grenzen gebracht, nur um das zu erzählen, das würde den Rahmen sprengen.

Ich habe Angst, ich habe angst vor einer Zukunft alleine.
ich bin damals zu meinem Mann gezogen, ich arbeite in der Firma meines Mannes, ich habe nichts, gar nichts.

Ich habe noch nie alleine gewohnt, ich weiss nicht ob ich von meinem Gehalt leben kann, ich habe eine schei..

Ich habe so oft gedroht das ich ausziehe das er mich schon gar nicht mehr ernst nimmt.
Ich war früher eine Powerfrau, aber jetzt ist mein Akku dermaßen leer, das ich angst habe das alles nicht zu schaffen.
Ich habe nicht ein mal mehr eigene Freunde, oder jemandem den ich mich anvertrauen kann. Zu meinen früheren Freunden habe ich den Kontakt einschlafen lassen, mir war es peinlich was die alles mitbekommen haben.
Ich war eben so verzweifelt das ich bei der Telefonseelsorge angerufen habe, aber dort lief nur ein Band

Ich weiss das ich nach her wieder zu Kreuze kriechen werde, weil ich nicht den Mut habe diesen schritt zu gehen. Dabei habe ich mir heute sogar eine Wohnung angeschaut.
Die Bemerkung von meinem Mann war einfach nur verletzend. Überhaupt wie er sich hier gibt. Fröhlich, gutgelaunt, lachend. ich sitze in meinem Büro und versuche nicht in tränen auszubrechen.

ich bin ein emotionales Wrack, ich kann und will so nicht mehr.
Ich weiss nicht was ich machen soll.

Danke fürs lesen

Doria

05.01.2015 15:31 • #1


Grace_99


Liebe Doria,

ich möchte dir von meinen erfahrungen berichten.

ich war bis 2009 mit einem mann zusammen, wo es wohl ähnlich wie bei euch lief. Sehr destruktiv, sehr verletzend, ja es kam auch zu handgreiflichkeiten seinerseits gegen mich.

ich habe seinerzeit nur auf € 400 Basis gearbeitet, meine Kinder waren noch recht klein (nicht von ihm).

ich war finanziell abhängig, emotional abhängig und hätte er gesagt "spring" - glaube mir, ich wäre gesprungen.

wir waren in london, er hat sich dort von mir getrennt, ist vor mir abgereist, als ich wieder kam, war alles weg - es lag nur ein schreiben mit der kündigung der wohnung da; welches ich noch unterschreiben musste.

ich bin so zusammen gebrochen, dass ich in einer akutstation war, danach in einer tagesklinik und danach ambulant therapie gemacht habe.

"nebenher" musste ich noch den kompletten umzug machen, habe aufgrund der erkrankung den € 400 job verloren, musste zum job-center für mich und die kinder hartz IV beantragen, eine neue wohnung suchen. ich stand also wirklich auf total verlorenem boden.

ich weiß daher genau wie es dir geht.

aber weißt du was? ich habe es überlebt. ja, es war schei.sse mit Hartz IV. es war alles schei., aber langsam ging es aufwärts. hab einen TZ job in einer werbeagentur gefunden. habe neue leute kennengelernt usw.

ca. 1 jahr nach dem ganzen wollte mein damaliger ex wieder zu mir zurück. obwohl ich ihn wirklich noch liebte, habe ich "dankend" abgelehnt. ich hatte mich aufgrund der therapie so verändert, bin wieder bei mir angekommen, so dass ich nicht mehr wollte, es hätte auch nicht funktioniert.

daher rate ich dir; such dir einen neuen job. wenn du keinen findest (erstmal), dann ist es so. such dir eine wohnung. und ganz wichtig (!) nimm therapeutische hilfe in anspruch und wenn du jetzt krank bist und in eine klinik/tagesklinik gehst.

ich wünsche dir ganz viel kraft!

05.01.2015 15:45 • x 3 #2



Ich fühle mich wie in Watte gepackt

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doria


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Danke das du dir die Zeit genommen hast mir zu antworten.
Die Wartezeit bei einem Therapeuten liegt hier bei ca. 6 Monaten, vor einen Klinik habe ich Angst.
Angst, Angst und wieder Angst.

Ich habe auch zwei Kinder, die Größtenteils bei meinem Ex-Mann leben, wir kümmern uns aber gemeinsam um alles.

Ich habe meinen Ex-Mann und meine Kinder für meinen Mann verlassen, eine Tat die ich mir bis heute nicht verzeihe.
Ich liebe meine Kinder über alles, und komme mit den Umständen, das sie nicht bei mir leben nicht wirklich klar.
Eigentlich müsste ich mit fliegenden Fahnen mein leben ändern, wenn sich meine Schockstarre nur lösen würde. Ich fühle mich wie gelähmt.

ich weiß das es Menschen gibt denen es schlechter geht, auch deine Situation war schlimmer, und ich will hier auch nicht auf hohem Niveau jammern, ich will einfach nur "wach" werden.
Es ist so schwer Worte für das zu finden was ich empfinde.

05.01.2015 15:57 • #3


Grace_99


warum hast du angst vor einer klinik? was kann dir denn da passieren? gar nichts. eher im gegenteil. dort bist du in einem geschützten rahmen, man ist dort für dich zuständig.

ich wurde damals auf der akutstation auf antidepressiva eingestellt, hatte damals echt respekt davor, aber es war für mich damals das beste was ich machen konnte.

auf der akutstation gibt es sozialarbeiter, die mit dir dinge planen, wie z. b. wohnungssuche, job-center etc. dort hat man mir auch geholfen einen tagesklinikplatz zu bekommen, das ging dann recht reibungslos. therapeuten kann man über die krankenkasse finden, auch da kann dir eine klinik helfen, so dass die zeit bis zu therapiebeginn nicht zu lang ist (überbrückung mit tagesklinik).

man ist nicht "verrückt" wenn man in eine klinik geht. man ist krank. hat man ein bein gebrochen, geht man ja auch ins krankenhaus.

wirklich, ich war damals genauso wenig in der lage wie du irgend eine entscheidung zu treffen umso dankbar bin ich, dass mein HA mir eine einweisung für die akutstation gegeben hat und man sich da erstmal um mich gekümmert hat.

05.01.2015 16:01 • #4


Tiefes Meer

Tiefes Meer


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Schau doch mal nach dem Stichwort sozialpsychiatrischer Dienst. Das sind Stellen bei den Kommunen und dort arbeiten auch Therapeuten. Meine Erfahrung ist, daß man dort relativ schnell ein Termin für erste Gespräche bekommt und man sich dort auch sehr gut mit den ggf. weitergehenden Hilfsangeboten in der Region auskennt.

Beim Thema Therapie ist es so, daß man nicht unbedingt zu einem Kassenzugelassenen Therapeuten gehen muss. Wenn man der Kasse nachweist (z.B. anhand Liste), daß man bei 10 zugelassenen angerufen hat und dort überall lange Wartezeiten sind, kann man auch eine Therapie bei einem nicht-kassenzugelassenen Therapeuten anfangen. Vorausgesetzt, der hat alle nötigen Qualifikationen. So klappt es mit dem Therapieplatz deutlich schneller.

Ich weiß nicht genau ob alle Kassen das so machen, aber ich weiß es von verschiedenen daß es dort so läuft. Sprich doch mal mit Deiner Kasse darüber, wie die das handhaben.

05.01.2015 17:06 • #5


doria


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ich würde gerne ersteinmal meine Wohnsituation in den Griff bekommen.
Aber dazu fehlt mir die Kraft.
Die Ratte beißt sich in den *beep*, irgendwie.
Ich mag nicht mehr.

05.01.2015 17:18 • #6


Grace_99


du kannst nicht das pferd von hinten satteln.

du musst mit dem anfangen was dir hilft stabil zu werden. eine eigene wohnung ist erst am ende der genesung dran.

05.01.2015 17:52 • #7


Tiefes Meer

Tiefes Meer


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Och Mensch. Würde Dich ja gerne in den Arm nehmen.

Ich kann verstehen, daß Du vor allem gerne das mit der Wohnsituation geklärt haben möchtest, aber um das zu stemmen brauchst Du doch auch ein bißchen Energie. Also wo könnte die im Moment herkommen ?

Ich kann da leider nur meinen Tipp mit dem psychosozialen Dienst der Kommunen wiederholen. Ich habe mit diesem Dienst schon zweimal in unterschiedlichen Städten gute Erfahrungen gemacht und beide Male sehr kurzfristig gute, sehr aufbauende und kompetente Gesprächspartner gefunden. Die sind übrigens qua Gesetz auch zur Verschwiegenheit verpflichtet und werden nichts machen, was Du nicht willst.

05.01.2015 17:57 • #8


Hey

Hey


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Doria, du sagst, du warst früher eine Powerfrau. Und rate mal, wer die Energie jetzt hat, anstatt du? Richtig, ER.

STOPP DAS, KOSTE ES, WAS ES WOLLE!

Was du jetzt in deiner Situation nicht sehen kannst, ist, dass du genau von dem, was du dir unbewusst oder bewusst von deinem Verbleiben in der Situation "versprichst" NOCH WENIGER UND IMMER IMMER WENIGER haben wirst, je länger du daran festhältst.

Es ist leider ein (eher selten erkanntes) Naturgesetz, dass man von dem, was man sich kompensatorisch durch einen Partner "generieren" will (sei es Jugend, Status, Sorgenfreiheit, etc. pp) am Ende NOCH WENIGER hat, als zu Beginn.

Daher ist es eine Selbsttäuschung, dass du noch irgendwas gewinnen kannst, wenn du bei ihm bleibst. Es geht stattdessen noch weiter bergab. Während ER immer stärker wird. Siehst du ja jetzt schon.

Rede vielleicht mit einer Frauenberatungsstelle, die können dir helfen, einen Ausweg zu finden. Und in nicht allzu langer Zeit wirst du deine Kräfte wieder erlangen und alles sieht gleich viel besser aus.

Warte nicht mehr ab! Gönne IHM vor allem nicht DEINE Kraft. Hol sie dir zurück!

05.01.2015 18:21 • x 1 #9


Sorgild


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Mensch, Doria.
Ich musst ordentlich schlucken, als ich deinen Eingangstext las und mir kamen die Tränen, der der hätte auch genauso gut aus meiner Tastatur stammen können. Alle Antworten hier sprechen die Wahrheit! Solange du in seiner Nähe bleibst, wirst du den Absprung nicht schaffen! Ich habe es 7 Jahre lang versucht. Nur, weil er jetzt eine Neue hat und mich so schnell wie möglich los werden wollte, bekam ich endlich das, was ich so vermisst habe: Ruhe!

Ich bin seit zwei Monaten getrennt und es ist hart, aber so langsam, Stück für Stück kommt meine Lebenskraft zurück. Ich bekommen tatsächlich wieder etwas auf die Reihe. Jeden Tag einen Funken mehr.

Ich plane momentan eine Langzeitkur. Hoffe noch vor Weihnachten hier weg zu sein.

13.11.2018 13:33 • x 1 #10


Uta


Zitat von Sorgild:
Mensch, Doria.
Ich musst ordentlich schlucken, als ich deinen Eingangstext las und mir kamen die Tränen, der der hätte auch genauso gut aus meiner Tastatur stammen können. Alle Antworten hier sprechen die Wahrheit! Solange du in seiner Nähe bleibst, wirst du den Absprung nicht schaffen! Ich habe es 7 Jahre lang versucht. Nur, weil er jetzt eine Neue hat und mich so schnell wie möglich los werden wollte, bekam ich endlich das, was ich so vermisst habe: Ruhe!

Ich bin seit zwei Monaten getrennt und es ist hart, aber so langsam, Stück für Stück kommt meine Lebenskraft zurück. Ich bekommen tatsächlich wieder etwas auf die Reihe. Jeden Tag einen Funken mehr.

Ich plane momentan eine Langzeitkur. Hoffe noch vor Weihnachten hier weg zu sein.


Du hast aber schon gesehen, dass der Strang von 2015 und somit uralt ist?

13.11.2018 13:51 • #11


Sorgild


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Grrr. wurde mir hier als neu angezeigt.

Danke Uta

13.11.2018 13:59 • x 1 #12



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