Zitat von nothing1982:
Ich habe mal eine Therapie beim psychologen angefangen aber wieder abgebrochen weil ich das Gefühl habe fremde Menschen können mir nicht 'helfen'. Ich habe mich total unwohl damit gefühlt. Und Tabletten habe ich nie genommen und möchte ich auch nicht..
Ich kann das nicht mehr hören. Von meinen Chefs bekomme ich dauernd seitenhiebe, wie schlecht ich mittlerweile aussehe und antriebslos ich bin. Eben wieder..unsere Putzhilfe war hier, die er seit über 30 Jahren kennt. Mitten im Gespräch sagte er sowas wie ich soll mir einen beiespiel an ihr nehmen wie gut sie sich in all den Jahren gehalten hat und voller elan ist.
Das tut schon irgendwie weh..
Liebe Nothing 1982
Deine Geschichte hört sich wirklich dramatisch an!
Nun das du deine Therapie abgebrochen hast weil du das Gefühl hast, dass dir fremde Menschen nicht helfen können - der Gedanke ist nicht so ganz Falsch. Grundsätzlich können einen andere Menschen nicht helfen glücklich zu sein, sie können einem aber Helfen die Sichtweise und damit den "Filter" den man sich aufsetzt zu verändern.
Das worin du dich gerade befindest ist eine Negativ-Spirale. Sprich du denkst Negativ, verhältst dich dadurch anders als früher und bekommst dadurch das dementsprechende Feedback von aussen (Feedback: du bist nicht mehr so wie früher) was dir noch mehr Kummer bereitet. Das ist ein sich selbst beschleunigender Prozess der immer tiefer geht und auch bis in eine Depression führen kann.
Was für dich wichtig wäre ist diese Spirale, sowie deine mittlerweile gut ausgebauten "Negativ-Gedankenautobahnen" (ein Gedanke/Verhalten/Gefühl fällt immer leichter je öfter man ihn Denkt/Tut/Fühlt) zu verlassen und deine alten bzw. neue Gedankenautobahnen zu bauen.
Um dir das neurologisch einfach zu erklären.
Stell dir dein Gehirn vor als eine gigantische Wiese/Feld dort gibt es einige Pfade die immer und immer wieder gegangen werden, deshalb sind diese sehr gut ausgetreten und wenn dieser Gedanke noch trainiert wird werden diese Pfade befestigt. Diese Wege werden dann mit Vorliebe immer wieder benutzt und dadurch auch erhalten. Sind diese wie in deinem Fall negativ bleiben deine Gedanken & Gefühle auch negativ.
Da du die positiven Wege welche du früher hattest schon seit langem nicht mehr benutzt hast, sind diese wieder verwildert und zugewachsen wie es in der Natur auch der Fall ist.
Dieses Vorgehen beschreibt unter anderem die sogenannte Neuroplastizität (Adaptive Anpassungsfähigkeit des zentralen Nervensystems)
Was du jetzt tun musst um aus dem Negativkreis auszubrechen ist die Negativpfade zu verlassen und dir wieder neue Positiv Pfade zuzulegen.
Wie im realen Leben funktioniert das auch im Gehirn nicht von heute auf morgen, sondern es ist ein Prozess!
Ein guter Weg hierfür (wenn du dies nur mit dir selbst ausmachen willst) ist die Selbstreflexion.
Das bedeutet: Stelle fest wo du automatisch negativ denkst und finde für dich heraus ob dieser negative Gedanke wirklich einer Grundlage entspricht.
Tut es dies nicht - ändere bewusst deine Denkweise darüber.
Tut es dies doch - finde eine Möglichkeit diese Rahmenbedingung zu ändern!
Was die meisten Menschen nicht wissen, aber essentiell ist - Emotionen sind etwas das wir selbst in uns erzeugen!
Das heisst wir sind ihnen (ausgenommen in Extremsituationen) nicht komplett willenlos ausgeliefert. Wir können diese Steuern.
Du hast geschrieben das du nach der Arbeit alleine vor dem TV sitzt.
Möchtest du mal versuchen nach der Arbeit nicht direkt nach Hause zu gehen, sondern stattdessen mindestens für den Anfang 30 Minuten an der frischen Luft zu gehen? (Wenn es irgendetwas grünes um dich herum gibt noch besser - und keine Stöpsel in den Ohren oder Handy in der Hand)
Ich kann mir gut vorstellen wie du dich fühlst, ich wurde von einem Narz verlassen und war dann alleine und isoliert in einer fremden Stadt.
Seit dem versuche ich mich immer ein Stück glücklicher zu machen und trotz aller Fortschritte gibt es auch bei mir ab und an Rückschläge/Rückfälle.
Wenn du möchtest bin ich gerne für dich da.
Liebe Grüsse
Strassenkatze