traurig, wieder von so einer BA-Geschichte lesen zu müssen. Sie hätte glatt auf meinen Ex und mich zutreffen können. Die Trennung ist nun drei Monate her und die Aufarbeitung der Beziehung ist für mich immer noch nicht ganz abgeschlossen. In meinem Fall war er der Bindungsängstler und letztendlich konnte ich der emotionalen Achterbahnfahrt nicht mehr standhalten.
Ich habe den Kontakt zu ihm komplett abgebrochen und jede Kontaktmöglichkeit unterbunden. Auch wenn ich ihn in Distanzphasen gesperrt hatte (ich hatte schon einige Male versucht, den Absprung zu schaffen), kam er über einen anderen Kanal wieder rein und ich bin wieder umgekippt. So ging das on/off-Spielchen viel zu lange. Er konnte nicht mit mir, aber auch nicht ohne mich, bekam vor Treffen sogar richtige Panikattacken (von denen viele BA'ler berichten). Wobei er sich nichts sehnlicheres gewunschen hat, als eine beständige Beziehung mit mir zu führen. Er beteuerte mir bis zuletzt, dass ich "die" Frau wäre, mit der er gerne zusammen alt werden wollte.
Ich empfand ebenso ehrlich und aufrichtig für ihn und es hat mich so zermürbt, dass auch ich körperliche Beschwerden bekam. Also alles sehr ungesund!
Er war sich seiner Bindungsangst zu 100% bewusst, ging zum Psychologen, der ihm bestätigte, dass eine BA (plus bei ihm noch eine Depression) vorliegt, was eine sehr schlechte Kombi ist und hat eine Überweisung zum Therapeuten für eine Verhaltenstherapie bekommen. Bei diesem wurde er auf eine Warteliste gesetzt. D.h. kann schnell gehen, aber auch nicht. Für uns leider zu spät.
Ich kann Dir nur aus der Sicht der betroffenen Partnerin sagen, dass es bisher die schlimmste Beziehungserfahrung in meinem Leben war und mich über meine Grenzen gebracht hat. Ich würde auf keinen erneuten Versuch mehr eingehen, auch nicht nach der Therapie. Denn die ist auch kein Garantieschein. Außerdem ist durch die BA zuviel kaputt gegangen.
Ich wünsche Dir viel Glück und drücke die Daumen, dass Du künftig eine erfüllte, glückliche und beständige Beziehung führen kannst, wenn das auch Dein Wunsch ist. LG
Zitat von Tin:Kleiner Tipp: es gibt keine Bindungsangst. Wenn, dann eine Bindungsstörung. Das andere ist umgangssprachlich und in meinen Augen eine neumodische Bezeichnung für Menschen, die sich nicht festlegen wollen. Dann wird einfach mal ein hippes Wort erfunden, was nach medizinischer Diagnose klingt, damit man die Verantwortung für sein Handeln auf eine obskure Krankheit abschieben kann.
das kann ich leider so nicht stehen lassen und Du tust damit den Menschen unrecht, die enorm unter ihren Ängsten leiden. Der Leidensdruck kann hier sehr groß sein, nicht umsonst begeben sich die Betroffenen in Therapie.
Zitat von Tin:Wer eine Bindungsstörung hat, wird auch in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen Probleme haben. Das fällt aber dann zumeist schon sehr stark auf.
Da hast Du teils recht. Mein Ex pflegte kaum Freundschaften und war auch im Job ambivalent. Ob das nun "stark" auffällt, sei mal dahingestellt. Es ist zumindest auffällig und nicht von der Hand zu weisen.
Zitat von Tin:In meinen Augen bist du einfach nur faul gewesen, da sie dein Ego immer gestreichelt hat und du glaubtest, dass du nichts investieren musst, damit es ewig so weiter geht.
Ja, Beziehungsarbeit gehört immer mit dazu. Nur kann der eine es zeigen und leben und der andere eben nicht. Es hat nichts mit Ego-Streicheln zu tun, wenn man dem anderen zeigt, was man für ihn empfindet!
Zitat von Tin:Diese Bücher, die hier so gerne angepriesen werden... Von denen halte ich sowas von nichts. Die sind so pauschale Westentaschenpathologie die eben auch so pauschal sein muss, sonst läuft es keiner
warum sollten Therapeuten nicht aus ihren Praxiserfahrungen berichten? Natürlich kann das nur pauschal gehalten werden, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass diese Leidensgeschichten stattfinden und das wohl nicht zu selten