Pinky81
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Schon die Anrede an dich fällt mir schwer. Dabei waren wir immer Meister darin, uns skurile Kosenamen zu geben. Doch fast ein Jahr nach unserer Trennung bist du mir fremd geworden.
Manchmal blitzen Erinnerungen an dein Lächeln vor meinem geistigen Auge auf, oder dein Geruch kitzelt in meiner Nase. Ich hoffe, dass ich diese Erinnerungsfetzen irgendwann nicht mehr vehement zur Seite schieben muss.
Dass die glücklichen Momente nicht vor dem Ungetüm deines Verrats vollends aufgefressen werden. Doch so fühlt es sich an und ob dies noch mal vergeht, kann ich nicht sagen.
Es hat Zeit der Heilung gebraucht und komplett zu erfassen, was du mir da eigentlich angetan hast. Zu klein, verletzt und schäbig habe ich mich am Anfang gefühlt. Nicht mal sprechen konnte ich über deinen Betrug, weil es sich anfühlte als hätte ich versagt. Als stimme etwas nicht mit mir, wenn schon "Mister Nice Guy" es schafft, mich über Monate zu betrügen. Und auch das noch mit einer gemeinsamen Freundin. Auch so eine, die immer lieb und harmlos daher kam. Die nie dein Typ Frau war.
Was sagte das über mich aus? Lange Zeit kam zu dem Liebenskummer die tiefsitzende Überzeugung, dass ich nicht liebenswert genug bin, nicht schön genug. Zu kompliziert, zu verkopft, zu selbstverständlich. Hätte ich noch mehr geben können, um dich glücklich zu machen? War ich zu nachlässig?
Ich braucht Monate um mich von diesem vernichtenden Schlag zu erholen. Mit dem jetztigen Abstand wird mir klar, dass nicht ich es war, die versagt hat. Natürlich habe auch ich in unserer Beziehung Fehler gemacht. Und jeder hat das Recht, sich zu trennen.
Wozu du aber kein Recht hattest, war mich über Monate zu belügen und zu betrügen. Es ist gar nicht so sehr der körperliche Akt mit einer anderen Person, der so verletzt. Es sind die vielen Lügen. Jede Nachricht, dass du später von der Arbeit kommst, noch eine Runde joggen gehst, dich mit Freunden triffst und dann zu ihr gehst. Es ist dass wissen, dass wir alle zusammen im Urlaub waren und wer-weiß-was-lief, während ich geschalfen habe. Es sind die Geheimisse, die ihr miteinander hattet und ich war die naive Dritte. Es waren deine Leugnungs-Versuche, als ich dich mehr als einmal darauf angesprochen habe, ob da zwischen euch was läuft. Das ich deshalb anfing meinem Bauchgefühl nicht mehr zu vertrauen.
So hast du mich, vor einem Jahr zurück gelassen: völlig unsicher, was die eigene Warnehmung angeht, gedemütig, verletzt, verwirrt, und entwurzelt. In wahrsten Sinne des Wortes bis in meine Grundfesten erschüttert. Der Liebeskummer kam noch dazu. Weil ich dich trotzdem noch liebte ( und der Selbstverachtung, weil ich es noch tat), weil ich unser Leben wie es vor deinem Betrug war, wieder haben wollte.
Es hat unfassbar viel Kraft gekostet, aus diesem Loch wieder herauszukommen. Die Scherben meines Selbst zusammen zu klauben und mich neu wieder zusammen zu setzten. Fast ein Jahr später, bin ich nicht mehr der selbe Mensch, der ich war. Ein Teil von mir ist sicher unwiederbringlich gestorben. Aber ich bin eine Andere geworden, die stärker ist. Die weiß, dass sie alleine klar kommt und die genug ist. Liebenswert genug und schön genug und klug genug. Vielleicht wird es irgendwann jemanden geben, dem das nicht nur genug ist, sondern die Welt bedeutet.
Dich habe ich losgelassen. Nach 25 Jahren Freundschaft, davon fast 10 Jahre als Liebespaar. Du hast keinen Platz mehr in meinem Herzen und in meinem Leben. Ich werde dir niemals verzeihen. Deine Absolution musst du dir woanders holen. Wenn du dir vergeben kannst, tu es. Ich kann es nicht. Wenn ihr beide denkt, dass war es Wert, dann bitte. Du hast mich für dein Verlangen über die Klippe springen lassen. Leb damit.
Ich bin jetzt weitergezogen und blicke nach vorne. Und weißt du was? Da scheint die Sonne.
I.
