Zitat von Anker17:Was mir noch nicht ganz klar ist ist, wie es zu diesem Ungleichgewicht in der Liebe kommt. Muss dafür etwas vorgefallen sein?
So, wie sich Liebesgefühle entwickeln, verändern sie sich auch im Laufe der Zeit. Gefühle sind ja nicht konstant. Also zum Beispiel: ich liebe Dich zu 100%. Dann machst Du was, das ich total doof finde, und das nimmt mir 10% meiner Gefühle. Etwas später sagst Du was Gemeines zu mir - wieder 10% weg. Dann stelle ich fest, dass Du irgendwas an Dir hast, was ich nicht mag und was mir vorher wegen meiner Verklärtheit nicht aufgefallen ist. Noch mal 10% weniger. Dann machst Du irgendwas ganz Tolles, und meine Gefühle für Dich wachsen wieder um 10%.
Und immer so weiter.
In einer Beziehung sind ja nie beide permanent auf 100% mit ihren Gefühlen. Das schwankt natürlicherweise immer mal ein wenig, und zwar bei beiden. Nun gibt es Konstellationen, wo der eine den anderen SO "liebt", dass er abhängig von ihm ist. Bei demjenigen schwanken die Gefühle zum Beispiel so gut wie gar nicht. Bei dem anderen dafür umso stärker, und zwar nach unten, weil Abhängigkeit unattraktiv macht.
Es kann passieren, dass etwas "Großes" passiert, das so gewichtig erscheint, dass es dem einen sofort all seine Gefühle raubt. Fremdgehen zum Beispiel, oder ein anderer Betrug. Oder, jemand hat durch viele Kleinigkeiten im Laufe der Zeit schon eine Menge Gefühle eingebüßt, sagen wir 50-60%. Wenn dann ein großer Streit kommt oder irgendein Vorfall, der auf einen Schlag auch noch die restlichen 40% der Gefühle kassiert, ist halt Ende.
Es geht in dem Buch darum, dass man die Mechanik versteht und lernt, auf die Anzeichen zu achten. Wenn ich spüre, dass mein Gegenüber weniger Gefühle für mich hat (oder im Kennenlernen weniger interessiert an mir ist als ich an ihm), sollte ich in der Lage sein, mich richtig zu benehmen. Heißt in dem Fall - nicht noch mehr Gefühle investieren/noch mehr Interesse zeigen, sondern das Gegenteil davon tun, um möglichst wieder auf Augenhöhe zu kommen mit dem Partner.
Zitat von Anker17: Ich könnte bei mir und meiner Ex leider keine wirklichen Beziehungsprobleme nennen. Oder geht es dabei einfach nur darum, dass Partner B einfach mehr investiert hat als Partner A und Partner B für Partner A deshalb emotional sicher an seiner Seite hatte? Dies würde ja, laut buch, die Leidenschaft vernichten, wenn einem jemand zu sicher an seiner Seite erscheint.
Sicherheit ist tatsächlich der Gegenspieler von Leidenschaft. Je unsicherer eine Beziehung ist, desto größer ist die Leidenschaft. Zum Beispiel am Anfang, wenn noch keiner sich des anderen sicher sein kann. Da finden ja auch die größten Reibereien und der wildeste 6 statt

beides nimmt im Laufe der Zeit, je sicherer die Beziehung wird, ab.
Zu viel Sicherheit ist in den meisten Fällen tödlich für die Leidenschaft, es kann aber gut sein, dass eine Beziehung dann trotzdem/gerade deshalb gut funktioniert, wenn beiden die Sicherheit wichtiger ist als Leidenschaft.
Blöd wird es immer dann, wenn einer von beiden sich des anderen total / zu sicher ist. Dann ist ein Schiefstand drin, der sich auch meistens darin äußert, dass der Unterlegene anfängt zu klammern oder zu kontrollieren. Und der Überlegene verliert dann noch mehr seiner Gefühle.