Hallo Leute, hallo Ysabell!
Ich hab mich eine Weile nicht gemeldet. Abgesehen davon, dass es schwierig ist, gerade freie Zeit zum schreiben zu finden, versuche ich mich meistens auch mit anderen Verarbeitungs- oder wahlweise Ablenkungsmanövern. Klappt nicht so gut, ich schlittere schon wieder in so eine leichte Apathie, aber na gut. Für ein Weilchen ist wenig fühlen auch besser als zu viel fühlen, man muss sich schließlich mal erholen.
Mein Freund ist jetzt seit gut drei Wochen hier und es ist, tja, ganz gut.Ich merke, wie ich mir selbst im Weg stehe, weiß aber noch immer nicht, ob ich das nur aus Trotz tue, oder weil hier wirklich gewaltig was schief geht.
Ich bin davor, dem Verflossenen zu schreiben und ihn zu fragen. Auf der anderen Seite schreie ich auf, denn - ich will kein schlechter Mensch sein, daran hat sich nichts geändert. Ich wüßte auch nicht, ob eine Antwort von wegen "jajaja, ich will" bedeten würde, dass ich mich für ihn entscheide. Ich weiß nur, dass ein "nein" mir helfen würde. Das ist natürlich ein gefährliches Spiel. Um meinen Freund nicht zu hintergehen, bzw das Gefühl etwas abzuschwächen, dachte ich, in meine Heimat zu fahren, alleine, inklusive der Ansage, dass ich das tue, um nachzudenken. Aber vielleicht ist das nur einfach dämlich. Ich möchte mit diesem Emoji unterstreichen, wie lächerlich ich mir zuweilen vorkomme:
Mein Freund merkt natürlich, dass nicht alles im Reinen ist. Nicht zuletzt deshalb ist er unheimlich lieb. Er ist natürlich auch neu hier, er ist fokussiert auf mich.
Ich dachte eine ganze Weile, dass es hier um Stabilität geht, und ich mich vielleicht mit meinem Freund eher sicher wähne, weil ich weiß, er liebt mich und will eine Zukunft mit mir. Aber vielleicht ist das gar nicht so. Ich meine. So ein Visum hält nicht ewig und wir stehen wieder vor der Frage: Was sollen wir jetzt tun, wohin, wie sollen wir das finanziell machen, etc. Mit dem Verflossenen - und ich spinne nur rum, schließlich weiß ich nicht, was der will - wäre alles viel gesetzter. Ich wüßte, wohin es geht.
Das ist nur ein Gedanke - vielleicht hat mein Problem im Grunde nichts mit Stabilität zu tun.
Ach so, ja, es kam keine Nachricht des Verflossenen mehr. Das ist natürlich einerseits gut, andererseits traurig, klar. Ich würde mich freuen, zu wissen, dass es ihm gut geht und er sich anders orientiert, glaube ich. Ernsthaft. Natürlich tut das auch weh. Ysabell, das bringt mich zu deiner Nachricht, die du zuletzt verfasst hast:
Zitat von ysabell: Aber er weiß, dass Du ihm zugeneigt bist und ein Mann, der einen will, der macht
wenigstens schon mal eine Ansage. Die meisten Männer erobern gern und lassen sich auch nicht durch ein zaghaftes "Wir haben aber kein Date, sondern reden nur" zurück schrecken
Und das Norden-Argument zieht auch nicht

Wenn er sprechen wollte, würde er es tun. Muss ja nicht gleich ein Kniefall sein. Du versuchst das ganze mMn zu viel zu lenken, glaubst vllt., Du müsstest mehr tun, verstehen oder anderes, damit er mal in die Pötte kommt. Es sollte aber einfach mal laufen ohne Dein Zutun....
Ich gebe dir natürlich Recht. Aber meine ganze Rede bei unserem Treffen lief darauf hinaus, ihm zu sagen, wie unheimlich doof das für mich war, dass er mir das Jahr davor ständig geschrieben hat. Und dass er das unbedingt unterlassen muss, weil mich dieser Regelbruch (Regel: wir haben keinen Kontakt) nicht nur irritiert, sondern im gewissen Maße auch verletzt.
Insofern ist es natürlich gut, dass er sich mit seinen Ansagen zurückhält. Aber damit, ihm das quasi als respektvolle Geste anzurechnen, könnte ich natürlich auch falsch liegen. Aber gut, das sind eben auch alles nur Spekulationen, mit denen man nichts rauskriegt, außer noch mehr Gedankenbrei.
Ich bin sehr dankbar für deine Worte, Ysabell. Es ist wirklich gut zu hören, dass man mit solchen Wirrungen nicht allein ist. Es fühlt sich nicht schön an. Ich stecke irgendwie immernoch in meinem romantischen Traumbild, und dass in der Liebe doch einfach alles reibungslos und hübsch ablaufen muss, straight besonders, und ehrlich. Aber ne. C'est la vie, vielleicht.
Danke auch für deine Ausführungen zu deinen Geschichten. Es ist auch sehr erbaulich zu hören, dass verschiedene Beziehungsenden dir auch eine andere Sichtweise auf neue Beziehungen gegeben haben, und das nicht zwingend im negativen Sinne.
Ich weiß nicht. Vielleicht werde ich versuchen, ein neues Gespräch mit meinem Freund zu führen. Über Pläne, wie es weitergehen soll. Es ist schwierig. Er hat noch nicht mal sein Visum komplett durch und wir sind noch nicht mal richtig angekommen. Aber in zwei Wochen müssen wir einen neuen Mietvertrag unterschreiben, der uns hier ein halbes Jahr bindet. Wahrscheinlich ganz normal, dass ich das Gefühl habe, eine Entscheidung treffen zu müssen, bevor das passiert.
Ich habe manchmal auch Angst davor, dass ich "einfach" Schluss mache, um diesen quälenden Gedanken endlich ein Ende zu machen. Angst, weil ich mir eben vorstellen kann, dass das ein großer Fehler ist. Ich sollte auch endlich mal lernen, dass ich im vornherein nie wissen werde, wie eine Sache ausgeht. Warum hab ich mich nur so unheimlich schwer? Grrr.
Danke Ysabell, danke für alle, die mitlesen, danke kleines Forum.