WittLowry
Gast
Nach einer schlaflosen Nacht wende ich mich an euch, da ich gerne mal eine neutrale Meinung auf die Dinge haben möchte.
Ich zweifle zur Zeit wieder sehr an meiner Selbstwahrnehmung.
Letzte Nacht habe ich mich mit einem Mädel in die Haare bekommen, das ich seit ca einem 3/4 Jahr kenne.
Ich leide unter einer leichten bis mittelschweren Depression, welche nach der toxischen Beziehung und Trennung von meiner Ex - Freundin richtig ans Tageslicht gekommen ist, aber auch schon vorher in leichter Form vorhanden war.
Diesbezüglich bin ich seit 2 Jahren in Gesprächstherapie.
Ich kämpfe im Alltag mal mehr und mal weniger mit den depressiven Phase und zur Zeit stecke ich wieder in einem tiefen Loch.
Zum Thema "Mädchen": Meine Ex war meine erste große Liebe und Freundin - sie hat mich sehr asozial abserviert und für einen anderen sitzen gelassen. Ich war eine Art Ego-Push-Mann für sie.
Das schmerzt nach Jahren teilweise immer noch.
Zumal ich generell dazu neige, mich von Frauen in dem Sinne ausnutzen zu lassen, als dass ich von ihnen in die "bester Freund" - Schiene gepackt werde und dann als emotionaler Mülleimer herhalten darf.
Mir wird dann brühwarm erzählt, welch gut Sex man doch mit anderen Kerlen hätte, wie einer besten Freundin. Das ist für mich blanker Hohn und eine wahnsinnige Degradierung und es tut so weh.
Ich selbst erlebe bei Frauen, die mich interessieren, nur Abweisung oder die Friendzone.
Das spielt natürlich negativ in meine Erkrankung hinein.
So war es jetzt auch bei besagtem Mädel. Vor 'ner Woche war sie schlecht drauf, hat mich angezickt. Ich Depp biete ihr Gespräche und Lösungen an, will sie sogar spontan zum Eis essen holen - nix zu machen (selbst Schuld, ich weiß.) Dann erzählte sie mir, dass sie sich einen aufgerissen hat und deswegen wieder gute Laune hat.
Man muss dazu sagen, dass sie zum Typ Frau gehört, der ständig rumheult, dass sie keiner will und sie nie wieder in ihrem Leben Sex haben würde - trotz der Tatsache, dass sie ständig von Typen angegraben wird, nach ihrer Nummer gefragt wird und auf Dates geht.
Bei ihren gefriendzoned Jungs geiert sie dann allerdings nach Aufmerksamkeit.
Die Tatsache, dass sie am Samstag so freimütig über ihren tollen Sex geredet hat, hat mein Fass zum Überlaufen gebracht.
Seitdem befinde ich mich wieder in einem unglaublichen Tief und fühle mich so einsam.
Außerdem habe ich eine wahnsinnige Wut auf sie und sie stößt mich wahnsinnig ab.
Wie gesagt, ich empfinde es als blanken Hohn, sich über sein angeblich so "trostloses" Liebesleben zu echauffieren - gegenüber einem Kerl, der *wirklich* mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat und den keine Frau mit dem Ar. anschaut.
Seit dem Vorfall habe ich mich sehr distanziert von ihr, weil ich merke, dass es mir absolut nicht gut tut, mit ihr so engen Kontakt zu haben.
Sie schreibt allerdings oft und will mich immer treffen - ich will das aber nicht!
Ich habe ihr öfter gesagt, dass ich keine Gesellschaft will und auch erklärt warum: Ich habe schlechte Laune und will kein miesgelauntes Treffen mit Wut und Aggression haben.
Locker hat sie nicht gelassen .
Und jetzt kommt der springende Punkt: Genau das warf sie mir gestern Abend vor.
Sie reagierte beleidigt darauf, dass ich Treffen mit ihr ablehne und warf mir vor, dass man es mir ja eh nicht recht machen könne.
Ich versuchte daraufhin, ihr meine Situation und die in meiner Vergangenheit liegenden Hintergründe zu erklären - ganz sachlich, aber direkt.
Sie ging gar nicht darauf ein, sondern fühlte sich direkt angegriffen und warf mir vor, dass ich die Leute (sie), die sich Mühe mit mir geben würden, niedermache und nur meinen Frust an anderen auslassen würde - weil ja bei mir generell immer die anderen Schuld wären.
Mein Trigger: Ich äußere mich bezüglich *meiner* Gefühlswelt und *meiner* Gedanken und sage auch mal, was *mir* nicht passt - und dann habe ich lustigerweise oft Gesprächspartner (wie auch meine Ex), die sofort versuchen den Spieß umzudrehen und *mich* dann als den Bösen hinstellen, der ja nur übertreibt und Frust an anderen auslässt.
Das alles hat in mir eine wahnsinnige Wut und Frustration ausgelöst - ich wusste gar nicht mehr, was ich darauf sagen sollte.
Ich bin ein introvertierter Mensch - ich rede über meine Probleme hauptsächlich mit meiner Therapeutin, da ich eben *nicht* der Typ in meinem Freundeskreis sein will, der als frustrierter Depp gilt und alle dumm anmacht.
Viele meiner Freunde wissen nämlich überhaupt nichts von meinem Kampf gegen Depression.
Ich habe in der Vergangenheit viel geschluckt um des Friedens Willen, ich bin diplomatisch eingestellt und besitze viel Empathie.
Jetzt melde ich mich zur Wort, haue auch mal auf den Tisch und sage, was mir nicht passt - und das kostet mich noch extrem große Überwindung!
Und dann werde ich sofort so hingestellt, als übertreibe ich und es wäre nicht gerechtfertigt - und letztendlich bin ich ja der Buhmann, da ich jetzt an anderen meinen Frust ablasse und anderen die Schuld gebe - weil ich sage, dass mich Worte und Taten anderer verletzen/verletzt haben.
Zusammenfassend hab ich den Eindruck, als geht es nie um mich; ich habe kein Recht dazu, andere auch mal zu kritisieren, sondern muss mich immer kritisieren lassen .
Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Ich zweifle dann immer so krass an meiner Selbstwahrnehmung.
Grade habe ich so eine Wut im Bauch, fühle mich unverstanden, ungerecht behandelt. Ich könnte heulen und schreien.
Könnte mir jemand was dazu sagen?
Gruß, Witt