@kata_smiles Ja, das will ich unbedingt.
Gestern war ich nach langem Zögern wieder tanzen und ein Tänzer zeigt stärkeres Interesse. Aber genau bei dem habe ich schon längere Zeit das Gefühl, dass ich erst mal vorsichtig austariere, welche Art von Kontakt mir mit dem gut tut. Ich habe vor 7/8 Jahren schon witzige und verrückte Sachen mit ihm getanzt, u.A. hat er mich an der Hüfte gepackt, komplett nach oben gestemmt und mich durch die Kirche getragen, wie so eine Figur bei Eiskunstlauf. Einfach der Hammer. Aber ich möchte nicht komplett ausflippen mit ihm, nur weil wir beide sehr musikalisch und feinfühlig reagieren und sich das hochpuscht, wenn man nicht gegensteuert.
Der Kontakt kann auch im Rahmen der Veranstaltungen jeweils unterschiedlich gestaltet werden. Z.b., gehe ich zu jemandem hin und begrüße persönlich, kurzer Schnack, oder bleibe ich für mich etc. Oder nach einem schönen Tanz, verabschiede ich mich oder "entwische" rechtzeitig, um Distanz und Unverbindlichkeit zu wahren. Kann man im Detail Nuancen vermitteln.
Der Tänzer ist ein sehr bekannter Musiker hier aus der Stadt, der sich wenn - dann - richtig reinhängt, aber auch sehr schnell mal die Lust verliert und dann ist man ganz schnell unsichtbar und abgemeldet.
Also den Tänzer von gestern habe ich in den letzten Wochen hinter mir herlaufen lassen, aber sehr schöne Tandas getanzt. Ein anderer Mann, der extra in unsere Stadt gefahren ist um mit mir zu tanzen ist vorzeitig von der Veranstaltung geflüchtet, als er uns tanzen gesehen hat und ein weiterer Tänzer hat den Kontakt zu mir ganz abgebrochen, obwohl wir sogar gemeinsamen Unterricht genommen hatten und eine Tangoreise geplant hatten.
Alles extrem heiße Eisen, was man mit wem zeigt, wen man wem vorzieht, wer stattdessen zurückgewiesen wird, welche persönliche Ebene man glaubt mit reinnehmen zu können etc. Das geht schneller in Flammen auf als man gucken kann.
Verrückterweise hat man als Tänzerin sehr sehr selten die Situation, dass man gleich mehrere Tänzer warten lassen muss. Es ist extrem andersherum, dass man sehr große weibliche Konkurrenz von mindestens 20 Schönheitsköniginnen, die auch sehr gut tanzen können, hat und ewig warten muss, manchmal vergeblich, egal wie gut man ist. Kann man ja nicht zeigen, wenn man nicht aufgefordert wird. Und sehr viele Männer sind wirklich ganz grauenhafte Tänzer, aber sie fühlen sich grandios, denken, sie müssten belehrend und dominant auftreten. Diese Schieflagen im Tango sind echt bescheuert. Allein diese Ungleichheit in den Rollen tendiert in Richtung selbschädigende Situationen.
Wenn Frau dann mal die Wahl hat zwischen verschiedenen Tänzern bricht danach das gesamte Beziehungsgerüst zusammen, das Frau mit den zurückgewiesenen Tänzern hatte. Das ist echt nur krass. Das wirkt wie eine Bestrafung, egal was die Frau macht.
Die Frau riskiert stundenlang komplett ignoriert zu werden, sehr demütigend. Für die verschiedenen Outfits kosten z.t. sehr viel Geld, das Ankleiden und vorbereiten dauert lang.
Die Männer kommen mit eklig aufgeblasenen Egos und ungebügelten, z.t. fleckigen Hemden. Das Problem: egal ob du als Frau alles hinnimmst, tolerant und unempfindlich bist ohne Ende, das auch immer beteuerst, dich weder bei Tritten vom Mann oder krass bescheuerten Führungsstil nicht beschwerst: du kannst als Frau nur verlieren. Du kriegst für dein massives Entgegenkommen bei all den Dödeln, Entspanntheit trotz Demütigung etc. einfach nichts. Frau kriegt immer nur die Fortsetzung desselben Ungleichgewichts, des massiven Machtgefälles.
Die meisten Leute leiden als Tangoschüler, haben Unsicherheiten und Ängste, müssen extrem viele Federn lassen und sind irgendwann entweder weg aus der Szene oder werden extrem arrogant. Als Rache für die ganzen bescheuerten Umstände in der Szene. Nach dem.Motto: ich habe so viel in dieses Hobby investiert, ich habe das Recht auf eine besondere Stellung, besondere Ansprüche, und wer mir Oberhengst nicht gerecht werden will, den behandele ich schlecht. Selber Schuld, wer glaubt, sich in die Sphäre meiner Großartigkeit zu begeben zu müssen, eigenes Risiko.
Ich als Psychologin will diese "Mechanismen" nicht als die alleinige "Realität" akzeptieren. Ich weiß, dass Menschen immer auch die Wahl haben, im Hier und Jetzt ein feinfühligeres, empathischeres Verhalten zu zeigen, auf Menschen zuzugehen, etwas Anderes daraus zu machen. Aus meiner Sicht geht hier nicht nur Egokampf. Wir haben jederzeit die Wahl.
Und ehrlich gesagt möchte ich mich nicht von dieser Position nicht vertreiben lassen. Dann wäre ich ganz schnell nur noch Opfer.