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Irgendwie verlieren wir uns - wie aufhalten?

Fridalina

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So, hier bin ich also gelandet. Irgendwie ist es passiert und ich habe mich registriert. denn ich weiß nicht so recht wohin mit meinen Gefühlen, meinen Gedanken und hoffe doch irgendwo ein wenig Input von Außen zu bekommen.

Mein Mann und ich sind seit vielen Jahren zusammen und seit gut 7 Jahre verheiratet. Wir haben Kinder zwischen Kindergartenalter und Pubertät, was eine echte Herausforderung ist. Beruflich sind wir gut ausgelastet, aber nicht überlastet, finanziell geht es uns gut. Wir haben Projekte an denen wir zusammen arbeiten, aber auch vieles was jeder für sich tut. Freunde haben wir kaum, die sind im Laufe unseres Lebens weniger geworden / weggezogen. Oma und Opa als Kinderbetreuung fehlt uns ebenso wie ein Babysitter. Wir sind seit vielen Jahren nicht mehr alleine ausgegangen.

Im Grunde kann ich nicht klagen. Unser Leben hat viele gute Zeiten aber auch schwierige Phasen hinter sich gebracht. Wobei die schwierige Phasen in gesundheitliche Extremsituationen lagen, nicht daran, dass wir als Paar gescheitert wären oder ins Schlittern geraten wären. Wir lieben uns sehr, das sagen wir uns oft einander.

Aber trotzallem fühle ich mich mehr und mehr einsam in unserer Ehe. Nichteinmal allein, sondern einsam. Nicht im Haushalt, nicht mit den Kindern, auch nicht im Bett, aber irgendwo dazwischen. Natürlich ist nach dieser langen Zeit das Aufregende verloren gegangen aber das ist schon in Ordnung so. Mir bedeutet unsere tiefe beständige Liebe viel.

Und doch fehlt mir was. Mir fehlt es, dass er mich im Alltag "sieht" und nicht erst wenn die Kinder schlafen. Es fehlt mir kleine liebevolle Momente, vielleicht neckende Herausforderungen. Es fehlt mir das "Paar" sein. Denn uns als Liebespaar gibt es nur Nachts wenn die Kinder schlafen und das ist mir nicht genug. Ich kann es gar nicht wirklich erklären.

Wir haben viele Gespräche darüber geführt, aber es bringt uns nicht voran. Er ist dann einen Tag lang besonders aufmerksam, wir sind dann beide sichtlich zufriedener, aber er fällt am folgenden Tag wieder in alte Muster zurück. Dann bin ich wieder Mama, Kumpeline, Organisationstalent, Meinberufsfachmensch. aber nicht. ja was? Ist das vielleicht einfach das Dasein als Ehefrau? Ist man als Ehefrau eben "nur" noch das? Und im Schatten der Nacht die Geliebte? Es geht mir nichtmal wirklich ums körperliche, denn im Bett läuft es gut. es fehlt mir das. dazwischen.

Hinzu kommt, dass wir durch Corona sehr aufeinandersitzen. Ich habe das Gefühl, wir entwickeln uns politisch in verschiedene Richtungen, wir sehen die Welt aus verschiedenen Augen. Irgendwo haben wir unseren gemeinsamen Weg verlassen, das sehe ich erst jetzt, da wir so viel Zeit miteinander verbringen.

Ich weiß nicht so recht was ich tun soll. Gesprochen habe ich mit ihm so oft. Wenn ich von mir aus ihn "anflirte", ihn necke, Späße mache, wenn ich eine Umarmung suche, oder auch einfach mal ihn besonders anlächle, kommt von ihm keine Reaktion. Oder er schaut mich kurz an, reagiert aber nicht darauf. Ich habe das Gefühl neben ihm zu verkümmern. Dass wir uns in vielen Interessen nie geglichen haben, hatte mich nie gestört, weil wir es auf andere Weise wett machen konnten. Aber nun merke ich doch, dass er sich weder für Kultur, noch für Kunst begeistern kann. Jetzt spüre ich doch, dass mir gewisse Gespräche fehlen. Aber ich denke, das ist nur eine Folge dessen, dass alles andere eingeschlafen ist.

Ich habe wirklich vieles versucht, wirklich. Aber ich weiß nicht was ich noch tun soll. Kennt das jemand? Ist es das berüchtigte "eingeschlafen sein in der Ehe"? Wie bekomm ich ihn wieder wach?

Achso, gehen lassen habe ich mich in der Ehe nie. Ich schminke mich, kleide mich gerne feminin, ich trage unheimlich gerne Absatzschuhe (natürlich nicht Zuhause, aber sobald wir das Haus verlassen, auch mit den Kindern). Dennoch bin ich kein Püppchen, sondern liebe es handwerklich tätig zu sein und scheue mich nicht davor unrollentypische Aufgaben an mich zu nehmen. Er sagt auch, er findet mich immernoch sehr anziehend und attraktiv. Er liebe mich sehr. Und ich merke es auch, wenn wir Nachts "unsere Zeit" haben. Aber es reicht mir einfach nicht.

Oder stimmt etwas mit mir nicht?

09.04.2020 20:02 • x 2 #1


Angi2


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Ich sage in solchen Momenten gerne: "Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis."

Lerne zu schätzen, was du hast und schau nicht ständig nach dem, was du nicht hast. Das könnte man die Unzufriedenheit eines Menschen nennen, der alles hat.

09.04.2020 20:06 • x 7 #2



Irgendwie verlieren wir uns - wie aufhalten?

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Selbstliebe

Selbstliebe


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Zitat von Fridalina:
Und doch fehlt mir was. Mir fehlt es, dass er mich im Alltag "sieht" und nicht erst wenn die Kinder schlafen. Es fehlt mir kleine liebevolle Momente, vielleicht neckende Herausforderungen. Es fehlt mir das "Paar" sein. Denn uns als Liebespaar gibt es nur Nachts wenn die Kinder schlafen und das ist mir nicht genug. Ich kann es gar nicht wirklich erklären.


Womit hängt es denn zusammen, dass ihr zu wenig Paarzeit habt? Habt ihr keine gemeinsamen Interessen, Sport oder Freizeitthemen? Dann könntet ihr vielleicht etwas zusammen entwickeln. Oder daran anknüpfen, was ihr vor den Kindern gerne zusammen gemacht habt, Theater, Kino, Lesungen, Museen, Kajakfahren, Klettern whatever, Hauptsache raus aus dem Alltag, oder?

09.04.2020 20:36 • #3


darkenrahl

darkenrahl


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Ihr habt euch einfach verloren.
Die Familie und die Arbeit nehmen euch für ein Miteinander viel Zeit und auch den Mut weg. Dazu kommt, dass ihr für die Kinderbetreuung fast keine familiäre Hilfe habt, damit ihr mal wirlich nur ihr zwei etwas unternehmen könnt.
Schaut euch mal zusammen Fotos aus der schönen Vergangenheit an, dann seht ihr ev., was verloren gegangen ist. Unterhaltet euch über diese schönen Zeiten, wie ihr euch kennen- und lieben gelernt habt. Dann merkt ihr wahrscheinlich was ihr verloren habt und könnt das angehen. Holt euch auch externe Hilfe wenn ihr den Weg nicht findet.
Ganz einfach, lernt euch neu kennen.

09.04.2020 20:47 • x 1 #4


Lilli70

Lilli70


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Hallo, ich kann alles nachvollziehen, was ihr gerade erlebt. Jetzt wird es erst spannend:wieviel Gemeinsamkeiten habt ihr wirklich? Bei mir war es auch so: Total verliebt, gleich schwanger, und was kommt jetzt? Das hört sich jetzt schlimm an: die ersten Jahre viel geredet, die Anfangsphase wird heraufbeschworen, denn man will ja alles Wippen. Nach 18 Jahren dann , habe ich meinen Mann betrogen, weil ich dachte, da fehlt etwas. Ich muss jetzt etwas sagen: So wie es mir ergangen ist, geht es einer unter Tausend, das ist nicht die Norm. Das man eine Ehe führt, sich unausgefüllt fühlt, einen anderen Mann liebt, und dann, wenn man Müll erlebt hat , zurückkehren kann, gibt es kaum.
ich habe den besten Mann der Welt, seit 23 Jahren, und ich habe zwischendurch stark gezweifelt, er nie. Gott sei dank! Aber die Verbundenheit ist sehr stark! Schade, dass es bei den meisten nicht so ist . Jeden Morgen wache ich auf und sage: Danke! Gebt bitte nicht so schnell auf . Denn das ist das, worum es geht. Können viele anders sehen: Aber in Frieden einschlafen, und in Frieden aufwachen, ist den wenigsten vergönnt. Rede mit ihm, sei bei ihm. Wenn er das nicht will, okay, dann gibt es Probleme, klar! Aber, das glaube ich bei euch nicht. Es hat sich nur eingefahren. Zeig ihm was, Männer sind da nicht so hinterher. Sag, was du willst, sonst machst du es alleine. Bring Spannung rein, liegt auch an dir ! Liebe Grüße!

10.04.2020 00:12 • #5


Lebensfreude

Lebensfreude


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mindestens 1x pro Monat 8besser öfter) zusammen als Paar ausgehen, und nicht über Familienprobleme reden. Babysitter besorgen, wenn Corona vorbei ist.

Und auf das schauen, was euch verbindet, nicht was euch trennt.

10.04.2020 00:27 • x 1 #6


Nela-Mary

Nela-Mary


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Für mich klingt es auch so, als müsstet ihr eure Alltagsroutine mal wieder ein bisschen aufrütteln - und zwar nicht nur durch Worte, sondern durch gemeinsame Aktivitäten. Ihr solltet euch bewusst Zeit für "Dates" nehmen, bei denen ihr zum Beispiel Essen oder ins Kino gehen könnt. Außerdem finde ich es auch hilfreich, wenn man sich ein gemeinsames Hobby sucht, das ihr dann 1 x die Woche zusammen ausübt. Das kann ein Koch- oder Tanzkurs sein, eine große Joggingrunde im Wald oder vielleicht sogar ein Malkurs. Ihr könntet auch Bouldern gehen oder Tennis spielen. Falls ihr noch nicht wisst, was euch beiden Spaß macht, probiert verschiedene Sachen aus. Laut Profil bist du 32 - da steht euch doch alles offen.

Im Moment während Corona ist das natürlich schwierig. Aber selbst das könnte in einem kleineren Rahmen klappen, wenn ihr eure älteren Kinder beauftragt, mal eine Stunde auf die jüngeren Geschwister aufzupassen (davon ausgehend, dass du mit Pubertät ungefähr +/- 14 Jahre meinst). Die Zeit könntet ihr dann für einen Spaziergang nutzen. Das ist nicht direkt die Welt, aber im Moment zumindest ein Anfang.

10.04.2020 00:52 • #7


Merilin


Das ist normal. Alltag.

10.04.2020 08:26 • #8


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Zitat von Fridalina:
fehlt uns ebenso wie ein Babysitter.


Warum das denn?


Zitat von Fridalina:
Ar. wir uns in vielen Interessen nie geglichen haben, hatte mich nie gestört, weil wir es auf andere Weise wett machen konnten. Aber nun merke ich doch, dass er sich weder für Kultur, noch für Kunst begeistern kann.


Das dumme Sprichwort "Gegensätze ziehen sich an" zeigt im Laufe der Zeit fast immer auf, dass es nicht so ist.

Wohnt Ihr so abgelegen, dass es überhaupt nicht möglich ist, einen eigenen Freundeskreis aufzubauen?

10.04.2020 08:31 • #9


Irrlicht

Irrlicht


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Zum einen ... es ist ganz normaler Alltag was ihr da lebt. Es geht euch doch gut ?
Alles ist abgesichert und ihr liebt euch? Es kann nicht immer nur Glücksgefühle regnen, so ist das Leben nicht.

Zum anderen ... du sagst, dass dir etwas elementares fehlt. Die Aufmerksamkeit, der Austausch.
Liegt es vielleicht daran, dass ihr schon seit langem nur auf euch fixiert seid? Keine Freunde zu haben kann eine Zeitlang gut gehen. Solange die Kinder noch Mittelpunkt sind und man eher Sehnsucht nach Ruhe als nach Austausch hat. Aber bei dir ist der Punkt gekommen wo du dich fragst 'ist das schon alles?' ...

Vielleicht ist es an der Zeit einen Freundeskreis aufzubauen. Gemeinsame Freunde sind gut um euch wieder als Paar zu fühlen und eigene Freunde , jeder für sich, um sich auch als Individuum wahrgenommen zu fühlen mit allen besonderen Interessen.

Wenn du dich für Kunst oder eine politische Richtung interessierst, schaue doch mal nach speziellen Vereinen oder Organisationen.
Da kann man auch Freunde finden.

10.04.2020 08:52 • x 1 #10


berliner1962

berliner1962


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Zitat von Fridalina:
Oder stimmt etwas mit mir nicht?


Herzlich willkommen hier!

Du beschreibst Euch im Grunde als perfektes Paar. Deine als Einsamkeit empfundene Stimmung hat sicher mehr mit Dir selbst zu tun als mit Eurer Ehe.

Vielleicht erwartest Du, das sich aus der rosaroten Anfangsphase jener Kick der Anfangsphase herüber retten ließe in eine lange Beziehung?
Dann würde ich sagen, erwartest Du etwas Unmögliches.

Oft fehlt eine ordentliche Portion Dankbarkeit für den Status, den man hat. Stell Dir vor, Du pflegst die jetzt aufkeimende Unzufriedenheit weiter und der Fokus verschiebt sich von Eurem Alltagsleben auf Deine Befindlichkeiten. Dann gerät vielleicht alles aus dem Gleichgewicht.
Spinne es weiter, und Du landest vielleicht in einer Affaire.

Die völlig ungeteilte Aufmerksamkeit und Bewunderung ist typisch für das erste Verliebt-Sein.
Alles geht leicht und ist erquicklich. Dann kommt die Arbeit.
Eine Routine stellt sich dann mit allen Vor- und Nachteilen in einer langjährigen Beziehung ein.

Ja, vielleicht wäre es gut für Euch die Kinder ab und zu betreuen zu lassen und Euch wieder mehr Zeit füreinander zu nehmen. Die Voraussetzungen dafür, das ihr beide die Liebe zueinander dann wieder mehr wahr (!) nehmt scheinen nach Deiner Darstellung günstig zu sein.

Zitat von Fridalina:
Wir lieben uns sehr, das sagen wir uns oft einander.



In diesem Sinne
Viel Glück!

10.04.2020 08:52 • x 2 #11


n-ever

n-ever


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Zitat:
Freunde haben wir kaum, die sind im Laufe unseres Lebens weniger geworden / weggezogen. Oma und Opa als Kinderbetreuung fehlt uns ebenso wie ein Babysitter. Wir sind seit vielen Jahren nicht mehr alleine ausgegangen.


Ich würde sagen; diesen Punkt solltet ihr unbedingt angehen!
Es klingt ansonsten nach einer wirklich schönen und guten Ehe!

28.04.2020 00:18 • #12


ttttt

ttttt


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Ich würde anraten die Interessen für Kunst und Kultur mit Freunden auszuleben.

28.04.2020 05:49 • #13


Isely

Isely


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Ich kann dir aus Erfahrung sagen, das ist die viel zitierte Gewohnheit und Routine, im Gegensatz zu dir, habe ich das damals so nicht wahr genommen, aber mein Mann.
Auch dein Mann wird, wie ich damals, dass alles halb so wild sehen oder er weiss nicht wirklich was du meinst.

Man liebt sich, sagt sich das auch oft , auch das man kein anderes Leben möchte als mit diesem Partner, man ist ein super Team, funktioniert im Alltag , allerdings dominiert genau das zu sehr.
Auch mein Mann hat keine greifbaren Freunde gehabt, wir hatten damals all unsere Freunde zurück lassen müssen, da wir ausgewandert sind.
Mit neuen Freundschaften tat sich mein Mann schwer, er war da auch schon weit über 40, vielleicht lag es daran.


Es ist wirklich wichtig das ihr als Paar wieder etwas gemeinsam macht, evt können die Kinder mal ein Wochenende zu Freunden , nach Corona?
Sucht euch ein gemeinsames Hobby. Kocht zusammen.


Ich sehe die Gefahr auch, dass da plötzlich mal ein anderer Mann da herkommt , der dir die Aufmerksamkeit gibt, die du im Alltag so schmerzlich vermisst.
So was passiert relativ schnell und du könntest für Anwerbung empfänglich werden.

So war es bei uns eben auch, ich habe viel zu spät realisiert und reagiert.
Rede mit deinem Mann , zieh ihn raus aus dem Alltagstrott.

Viel Glück

28.04.2020 06:18 • #14



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