Shum
Mentorin
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Wie siehst du das Szenario, dass Menschen manchmal einen Raum betreten, nicht, um sich zu verteidigen, sondern weil sie innerlich brennen und irgendwo hin müssen mit dem, was in ihnen tobt. Und manchmal sehen wir nur, dass sie keinen Dank sagen, keine Antworten liefern, dass sie sich scheinbar widersprüchlich verhalten, gar absolut in ihren Aussagen widersprechen, aber was sehen wir dabei vordergründig gerade nicht? Den inneren Ausnahmezustand, in dem sie das alles tun. Aus welchen unausgesprochenen Gründen auch immer.
Ein Mensch in Schock, Verdrängung oder tiefer Ambivalenz agiert oft nicht kohärent. Das ist kein Zeichen für Kalkül, sondern ein psychologischer Schutzpanzer, der überhaupt erst ermöglicht, in einer toxischen Dynamik (und sei sie selbst ein aktiver Teil davon) handlungsfähig zu bleiben. Wenn auch auf Kosten der eigenen Klarheit.
Wer Verletzung nicht sichtbar macht, leidet nicht weniger. Oft nur stiller. Komplexer. Verdeckter. Und auch das hat seine Berechtigung. Vielleicht ist es gerade diese leise, ungreifbare Form des Schmerzes, die uns so provoziert, weil wir sie nicht greifen, nicht einordnen, nicht kontrollieren können. Selbst dann und vielleicht gerade genau dann, wenn ihr Verhalten uns irritiert. Denn auch Irritation kann ein Spiegel sein, nicht nur über sie, sondern auch über uns.