Zitat von mkhw71: Spätestens nach einer möglichen Trennung von der TE würde er zu denken beginnen. Nicht aus Liebe aber aus Vernunft und nach ein paar Wochen sind die Hormone auch wieder im Normalbereich.
Kurz vorweg: So biologistisch sehe ich diese Dinge nicht. Und die hormonelle Entgleisung wird wohl ein sekundärer Effekt einer ganz anderen Entgleisung sein.
Natürlich neigt nicht jeder zum Rausch - aber im Fall eines Verliebtheitsrausches kommt es zu einer Radikalidealisierung samt Projektionssturm (bei einem Begehrensrausch beschränken sich Idealisierung und Projektionen auf die sexuellen Aspekte). Allerdings bauen sich durch die Konfrontation mit der Realität Idealisierungen und Projektionen nach und nach, fallweise auch schlagartig, unweigerlich wieder ab, und es kommt zur Ernüchterung (eben weil man es, entgegen aller Wünschträume in den leuchtenden Augen, mit einem Menschen und nicht etwa mit einem Gemälde oder einem flexiblen Wunscherfüllungsautomaten zu tun hat).
Wie lange dieser berauschte Zustand anhält (mehr als ein paar Wochen werden es in den meisten Fällen schon sein), hängt natürlich davon ab, wie intensiv die Konfrontation mit der Realität ist. (Gerade deshalb sind in dieser Hinsicht sogenannte Affären deutlich begünstigt; denn sich alle paar Wochen für ein bisschen Spazierengehen, Händchenhalten und Sex zu treffen, ist etwas ganz anderes als Tag und Nacht zusammenzukleben). Anfangs leuchtet alles in den hellsten Farben, aber sobald es sich da und dort zu spießen beginnt und die Idealisierungen fragwürdig und unhaltbar werden, verblassen sie mehr oder weniger rasch auch wieder. Auch wenn es Ausnahmen gibt mit allerlei glücklichen Fügungen, so scheint es doch so zu sein, dass die Liebe (diese Art Liebe) im wesentlichen von Täuschungen und Selbsttäuschungen lebt. Aber das ist nicht auf Dauer aufrechtzuerhalten.
Was die TE und ihren Mann betrifft: Wenn ich mir vorstelle, Dinania hätte das Rückgrat, aus dem Türrahmen zu treten, den Weg frei zu machen und ihrem EM auch noch viel Spaß zu wünschen, EM und FBF also zusammenlebten, mit allem Alltag, mit allen Persönlichkeitswirklichkeiten des anderen, usw., so halte ich die Wahrscheinlichkeit für ziemlich hoch, dass nach einer gewissen Zeit die Fahnen auf Halbmast absacken würden, eine um die andere. Umso mehr, als ich den EM als lechzenden Begehrenden und weniger als hingegeben Liebenden sehe (wie ich in dieser Geschichte übrigens gar keine Liebenden sehe, nicht da, nicht dort).
D. h., er würde wohl bald einmal merken, dass auch die FBF nur mit Wasser kocht und nicht mit Champagner und der Himmel, der ja immer nur ein Eigenprodukt sein kann, trotz FBF noch immer höher hängt als im ersten Rausch mit absoluter Bestimmtheit von der Beziehung mit der neuen Flamme erwartet. Man besteigt ein edles Pferd, und reitet schließlich immer unverdrängbarer auf einem Esel. Das ernüchtert.
So lange aber die Sehnsucht mit ihren überschäumenden Träumen die Welt macht, weil eben kaum etwas an Realität sie daran hindert, bleiben die hochfliegenden Gefühle am Dampfen.
Ich glaube, diese Dinge sind im Grunde recht einfach, und jeder kennt das ja auch nur zu gut, sofern ihm Gefühle nicht ganz fremd sind. Faszination, Ergriffenheit, große Träume, heftiges Begehren, was auch immer, Illusionen, Idealisierungen - und dann die Ernüchterungen und Enttäuschungen.
Zitat von mkhw71: Wenn es dennoch anders kommen sollte und die sich wirklich gefunden haben, dann sollte es ihnen vergönnt sein.
Ja, so sehe ich das auch.
Glück, insbesondere tiefes, echtes Liebesglück, gibt es ohnehin viel zu wenig. Daher sollte man dem nicht im Wege stehen, um sich dadurch zugleich auch selbst nicht im Wege zu stehen.