booksmart
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Zitat von Heloise:Für mich ist das auch die einzige Erklärung - jedenfalls fällt mir keine andere ein - warum er bleibt und sie gleichzeitig schlecht behandelt. Ich denke nicht, dass das ein Mann gerne macht. Bequemlichkeit hin oder her. Er hat etwas stärkeres als „Bequemlichkeit“ was als Fußfessel dient.
Ich glaube, dass es weder "normale" Bequemlichkeit ist noch die Angst vor dieser Androhung. Es ist wahrscheinlich so banal, dass es schon traurig ist.
Die beiden sind zusammen im Verein tätig, haben die Kinder, er kümmert sich um alle möglichen Verwandten. Noch dazu treten sie bei anderen gesellschaftlichen und sozialen Veranstaltungen und Interaktionen als Ehepaar auf. Bei einer Trennung müsste er sich nicht nur von Dinania trennen, sondern auch alle sozialen Kontakte irgendwie aufdröseln, zusätzlich zu dem Haus und den Finanzen. Er müsste es den Freunden, Nachbarn und der Familie erzählen und deren Reaktionen aushalten. Selbst wenn die nicht negativ sind, sondern er ganz normal darauf angesprochen wird, hat er keine Lust darauf, weil er für diese Art von Gesprächen einfach keine Nerven hat. Gerade deshalb schleppt er D. auch immer noch mit zu Nachbarn und Freunden. Da könnte er ja auch alleine hingehen oder selbst Zuhause bleiben. Aber er will sich der massenhaften Konfrontation nicht stellen UND auch noch eine Scheidung abwickeln müssen. Natürlich spielt da auch noch die Manipulation mit den Kindern rein, das würde ich auch so sehen. Das ist meine Theorie.
Es wird immer wieder vorgeschlagen, D. sollte es akzeptieren. Aber das kann sie nicht, weil es für sie unlogisch ist und diese Option in ihrer Welt einfach nicht existiert. Es ist eine Idee die so radikal, dass sie außerhalb ihres Horizonts liegt. Er ist ja noch da, sitzt morgens mit ihr am Frühstückstisch und nach außen wird suggeriert: Wir sind eine Familie. Ob die nur noch auf dem Papier besteht, ist egal. Er ist physisch anwesend.
Man kann sie nur da abholen, wo sie steht. Sie wird keinen Staatsstreich planen und die Scheidung einreichen. Man müsste mit ihr kleine Schritte des zivilen Ungehorsams planen und sie bei der Emanzipation aus der emotionalen Abhängigkeit unterstützen.
Bei ihm ist es komischerweise ähnlich: er steht vor einem Berg von organisatorischen Aufgaben und ist gleichzeitig in ein enges Beziehungsgeflecht geschnürt, was weit über familiäre Bindung hinausgeht. Er weiß gar nicht, wo er anfangen soll und lässt es dann lieber. (Wer schon mal seinen Keller entrümpeln wollte, kennt das Gefühl.) Das überfordert ihn massiv und er macht sich dadurch selbst zum Gefangenen. Dinania ist seine Gefängniswärterin, deshalb steigert sich sein Groll immer weiter. Er projiziert seine eigene Handlungsunfähigkeit auf sie und verachtet sie nur noch.