Zitat von AjnosXX: Meine Eltern waren kein Liebespaar. Mein Vater war sicher in meine Mutter verliebt. Beide wollten sich aber nie Scheiden lassen. Meine Mutter war eine liebevolle aber direkte Person. Mein Vater eher kühl. Dennoch bin ich Ihnen Dankbar dass sie zusammen geblieben sind. Ihr Verhalten war nicht anders als bei Ehepaar die sich geliebt haben. Das was ich allerdings gelernt habe ist alle Sachen inklusive der Liebe, nicht nur nach Gefühl sondern auch rational zu betrachten. Ich denke das hat mich vor so manchem unüberlegten Handeln bewahrt. Ich hatte in Sachen Beziehung/Liebe aber nie das Gefühl etwas verpasst zu haben. Aber so empfind es jeder anders. ,
Da hast Du vollkommen recht. Jeder empfindet und (er)lebt Beziehung aufgrund seiner Prägung unterschiedlich. Aus meiner Trennung letztes Jahr (auf die hin sich mir viele Menschen geöffnet haben) habe ich unter anderem auch das gelernt: es gibt die unterschiedlichsten Beziehungsmodelle und Konstellationen, und eine alleinseligmachende ist darunter schwer auszumachen. Wichtig ist m.E., dass beide Partner dieselbe Vorstellung von einem Beziehungsmodell haben. Es gibt nicht wenige, die irgendwann nur noch als Zweckgemeinschaft, als WG funktionieren - und damit durchaus zufrieden sind. Die Vor- scheinen die Nachteile zu überwiegen. Was soll dagegen einzuwenden sein?
Mir hat es nicht genügt. Meine Eltern haben sich sehr geliebt, ihre Zuneigung und Leidenschaft zueinander war für Außenstehende und auch für uns Kinder deutlich sicht- und spürbar. Ich bin also in der Gewissheit aufgewachsen, dass eine solche Beziehung möglich ist, in der auch nach Jahrzehnten, nach gemeinsamem Kindergroßziehen, Hausbau, Stress mit pflegebedürftigen Eltern und teilweise auch harten Konflikten noch Glück, Erfüllung und tiefe Liebe vorhanden sind.
Mein Ex hingegen ist mit Eltern aufgewachsen, die einander nie die große Liebe waren. Die von Anfang an eine gewisse Zweckgemeinschaft gebildet haben - mit einer sich aufopfernden Mutter und einem sich selbst verwirklichenden Vater. Konflikte wurden anders als in meinem Zuhause nie offen ausgetragen sondern weggeschwiegen, Konventionen waren wichtiger, es gab und gibt immer noch Denkverbote. Diese Zweckgemeinschaft funktioniert ebenfalls nach Jahrzehnten noch, bis ins hohe Alter hinein, beide sind damit zufrieden, und mein Ex war es mit einer solchen Konstellation auch und wäre es wohl auch weiterhin noch gewesen.
Nur ich eben nicht, und das war eben die Crux, hier offenbarte sich, dass wir bei allen Gemeinsamkeiten, die wir hatten und aufgrund derer wir 15 bis 20 Jahre gut zusammenleben konnten, doch sehr unterschiedlich sind.
Da gibt es kein richtig und kein falsch.
Ich verurteile niemanden, der sich in einer solchen Zweckgemeinschaft gemütlich eingerichtet hat und sich warm und sicher fühlt, und das nicht aufzugeben bereit ist - solange es für beide so passt. Ich habe lange Zeit auch versucht, mich in so einer Konstellation einzurichten, jedoch hatte das irgendwann sogar physische und auch psychische Auswirkungen. Mein AM hatte sich in soetwas eingerichtet und darüber ein Alk. entwickelt, gleichwohl ist er wieder in diese Konstellation zurückgegangen. Mein Ex hätte, denke ich, ganz gut wie seine Eltern in so einer Konstellation leben können. @Dinania scheint ein solcher Mensch zu sein, der sich darin einrichtet hat und das auch weiter will - ob es auch ihr Mann kann? Sie scheint darauf zu hoffen, sie kennt ihn besser als wir. Aber momentan sieht es nicht so aus, als ginge es ihm gut damit.
Es wird sich zeigen. Es kann sich noch ziehen. Kann sein, dass es eine oder mehrere weitere Affären braucht, bis er oder sie Konsequenzen zieht, kann auch sein, dass diese Konsequenzen nie gezogen werden und alle sich mit ihrem Leiden arrangieren. Alles erwachsene Menschen, jeder hat sein Leben selbst in der Hand und kann Entscheidungen treffen, zu jeder Zeit.