Zitat von sadness35:ist bei dir denn damals etwas passiert was für dich der schlüssel war, oder kommt das einfach?
Jupp. Achtung, das wird etwas länger. Unsere damalige Nachbarin wurde mit Ende 40 tot aufgefunden. Eine enge Freundin hatte mit 32 einen Herzinfarkt. Das führte mich zu der Frage: wenn ich wüßte, ich hab nur noch eine Woche zu leben - würde ich sie mit ihm verbringen wollen?
und falls die Antwort "um Gotteshimmelswillenbloßnicht" lautet - warum sollte ich es mir antun, "nur" weil ich noch "lange" Zeit habe? Ich habe nur dieses eine Leben, möchte ich es an jemanden verschenken, der ständig meine Gefühle verletzt und mich nicht respektiert? Das hat bei mir einen Denkprozess in Gang gesetzt.
Zu der Zeit habe ich, zunächst auch aus Trotz, begonnen, einem alten Hobby mit mehr Zeit nachzugehen. Sprich: ich spiele sehr gerne Computer, schon seit ich so ein Ding in die Finger bekommen habe. Er hat das nie gut geheißen, daher hab ich wenig gespielt. Nachdem er aber konsequent seinen Hobbys nachging und stundenlang unterwegs war, habe ich die gleiche Freiheit für mich beansprucht. Warum sollte er andere Rechte und Freiheiten haben als ich? Dann habe ich angefangen, mit befreundeten Kollegen zusammen online loszulaufen. Und gleichzeitig über Teamspeak zu reden, um sich untereinander abzusprechen. Die Tiraden über die düstere, persönlichkeitsverändernde Wirkung von Computerspielen erspare ich Dir an dieser Stelle. Der Umgang tat mir gut. Ich saß dann irgendwann abends lieber mit denen am Rechner als mit ihm vorm Fernseher. So blöd es klingt: weil sie nett zu mir waren. Weil das ein Geben und Nehmen war. Mit Scherzen. Auch übereinander. Locker. Ohne Vorwürfe. Das war erholsam. Und entspannend. Er wollte mich mehr und mehr formen, und hat mich entweder mit Vorwürfen überschüttet, oder über "die Politiker", oder "die Programmierer" oder wen auch immer ausführlichst gemeckert. Das hat mich irgendwann einfach nur noch Kraft gekostet. Und führte dazu, dass ich mehr und lieber vorm Rechner saß als neben ihm auf der Couch - denn das Fernsehprogramm war natürlich auch seine Wahl. Alle konnten nichts, nur er hat den Durchblick. Irgendwann wollte er dann, dass ich mir in der Stadt ein eigenes Zimmer nehme, weil er es nicht ertragen könne, dass ich Computerspielabhängig sei. Das eskalierte dann irgendwann, als ich ihm sagte, wenn dann werde ich mit Ü30 sicher kein Zimmer nehmen, sondern gleich eine eigene Wohnung. Antwot: "na dann mach das doch endlich". Das war der letzte berühmte Tropfen. Ich war so wütend über die Frechheiten. Wütend über die Kränkungen. Den mangelnden Respekt mir gegenüber. Dieses Scheinheilige Getue in Gegenwart anderer Leute. Dieses ewige Genöle. Die völlig fehlende Kompromissbereitschaft. Ich war wütend, dass er es schaffte, dasss ich mich schlecht und unattraktiv gefühlt habe - obwohl ich das beides nicht wirklich bin.
Als ich ihm irgendwann schrieb, ich komme später von Arbeit, rief er an, das ginge nicht, er wolle noch weg zu seinem Hobby. Ich hab gesagt, ich habe einen Besichtigungstermin für eine Wohnung. Da hat er langsam realisiert, dass ich wirklich gehe. Und hat auch hier und da noch halbherzig versucht, mich aufzuhalten. Aber eher mit Vorwürfen überschüttet. Aber das war ich ja schon gewohnt, war halt nur mehr als vorher.
Auch wenn es mich in dem Moment Nerven gekostet hat - irgendwann wäre ich dort seelisch zugrunde gegangen. Man möchte doch um seiner selbst willen geliebt werden. Wenn Du das nicht wirst fragst Du Dich ständig - warum? Warum bin ich nicht genug? Du stellst Dich selbst in Frage. Du kommst irgendwann nicht mehr gern nach Hause. Gehst dem Typen aus dem Weg, wo Du nur kannst. In Deinem eigenen Zuhause. Und Du erhälst es nur aufrecht, weil Du gerne Harmonie hättest, eine intakte Partnerschaft. Du möchtest -so blöd es vielleicht klingt- lieb gehabt werden. Akzeptiert. Respektiert. Das machen solche Typen nicht - zumindest wenn er ist, wie mein Exmann. Er wird Dich nie um Deiner selbst willen lieben. Er wird nie seine Interessen Deinen unterordnen. Er wird keine Kompromisse akzeptieren. Er wird seinen Willen durchsetzen wollen, egal wie es Dir dabei geht.
Und ja, auch ich habe geredet, oft genug. Und wurde nicht ernst genommen. Er war sich denke ich meiner zu sicher, und hätte nie gedacht, dass ich ihn irgendwann verlasse. Er ist, soweit ich weiß, heute noch der Meinung, ich käme zu ihm zurück, wenn das mit meinem Freund in die Brüche geht. Ehrlich? Und wenn es der letzte Mann auf Erden wäre und der Fortbestand der menschlichen Rasse davon abhinge, dass ich zu dem zurückginge: die Menschheit wäre so was von geliefert...