Lilith_
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Was ich hier tue, weiß ich so genau eigentlich gar nicht. Ein bisschen emotionalen Schrott deponieren, mich ein wenig in Selbstreflexion üben, ein bisschen jammern, ein bisschen weinen, ein bisschen schreien und vielleicht auch ein bisschen lachen.
Ich bin Lilith 30 Jahre alt und seit fast 9 Jahren verheiratet.
Ich habe meinen Mann in einem Nachtlokal kennengelernt, unsere Beziehung war von Beginn an -nennen wir es- stürmisch. Nach einer ganzen Nacht und einem weiteren Tag unterwegs hat er mich gefragt, ob ich ihn heirate.
Der aufmerksame Leser weiß hier nun bereits, dass die junge Lilith dies auch getan hat. 3 Monate nach dem ersten "Hallo" haben wir "Ja!" gesagt. Es war wie fliegen, wie ein Rausch ohne Kater am nächsten Morgen.
Wie das Leben so spielt, passieren Dinge auf die man keinen Einfluss hat und nach der Geburt unseres Kindes flogen uns die Probleme und Krisen nur so um die Ohren. Todesfälle, Sterbebegleitung, finanzielle Schwierigkeiten, familiäre Probleme (nicht unsere Kernfamilie betreffend). Mittendrin wir, frische Eltern, noch nicht mit der neuen Lebensrealität vertraut.
Immer öfter und heftiger Streit, man wirft sich Worte an den Kopf, die man ganz einfach nicht mehr zurückholen kann, sobald sie den Mund verlassen haben. Tränen, Verzweiflung, unfassbare Wut, Leidenschaft, Verlangen, Liebe gemixt zu einem Cocktail den keiner trinken mag, weil er weh tut.
Ich denke es war Silvester 2020 als mein Mann das erste Mal bei einem "After Streit" Spaziergang - um den Kopf wieder frei zu bekommen - davon gesprochen hat, sich scheiden lassen zu wollen.
Ich stand um Mitternacht weinend allein am Fenster und hab mir das Feuerwerk angeschaut. Der Schmerz war nahezu unerträglich.
Es folgt ein langes Auf und ab mit wieder heftigeren Auseinandersetzungen, Schimpfwort, Beleidigungen, Drohungen. Man bleibt sich absolut nichts mehr schuldig außer einer körperlichen Konfrontation und fragt sich, was da mit uns passiert.
Immer wieder wirft einer von beiden das Wort Scheidung in den Raum, man fordert sich gegenseitig auf doch einfach zu gehen.
Und dann ist sie doch da, sobald der Sturm sich gelegt hat, diese unmenschliche Anziehungskraft zwischen uns. Das unendliche Verlangen. Das geflüsterte "Ich liebe dich!" bei der Versöhnung.
Die letzten Monate waren sexuell sehr "fordernd", gestritten wurde und wird immer mal wieder, aber nicht so häufig.
Jetzt sind wir wieder an einem Punkt wo nix geht, außer Sex. Kleinigkeiten setzten eine Eskalationsspirale in Gang, die sich unerbittlich bis zu dem Wort Scheidung windet.
Und ich sitz hier jetzt, kann den Schmerz kaum aushalten, bekomme keine Luft und bin unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Ich liebe meinen Mann, ich habe Angst und kann nicht aufhören mich zu fragen, ob es das tatsächlich gewesen sein kann. Ich kann und will nicht loslassen. Ich spüre aber, dass ich hier das Ruder schon längst nicht mehr in der Hand habe.
Danke fürs "zuhören"!
Lil
?