Sorry wenn ich dir das so sagen muss, aber dein Brief ist alles andere als nur ein Geständnis, sondern ist voller unterschwelliger Anschuldigungen und trotz gegenteiliger Worte setzt er den Leser unter Druck. Damit du verstehst, was ich meine, nehme ich ihn dir auseinander:
Zitat:Zwischenzeitlich habe ich dich gehasst, verflucht dich kennengelernt zu haben und was weiss ich nicht noch alles. Doch mittlerweile ist es so, dass ich diese ätzenden Gefühle recht gut unter Kontrolle habe.
Aussage: Mir gehts eigentlich schei., ich will, dass du weisst, dass es mir wegen dir schei. geht, aber guck, ich ertrag das - auch alles nur wegen dir.
Kommt beim Leser an wie: Oh, ich bin schuld daran, dass es dir mies geht, weil ich dich nicht zurückliebe - fein. Und wieso schreibt er mir das überhaupt, wenn er es tatsächlich ertragen würde?
Zitat:Es gab eine Zeit, in der ich dich in meinem Leben brauchtel. Doch mein Glück ist nicht mehr von dir abhängig.
Aussage: Ich hab dich für meine Bedürfnisse gebraucht, du warst schuld daran, dass ich abhängig war, jetzt bin ich davon frei.
Kommt beim Leser an wie: Gibt mir die Schuld für seine Abhängigkeit von mir, obwohl ich daran keinen Anteil habe. Er sucht für sich selbst Absolution und ich bin das Instrument dafür. Der Brief selber ist Ausdruck dieses Bedürfnisses, daher ist die Aussage, dass du mich nicht mehr brauchst, eine Lüge.
Zitat:Ich erzähle dir das ganz ohne Hintergedanken. Ich möchte dich damit nicht unter Druck setzen
Das ist ein Alibisatz, der den ganzen anschuldigenden und druckmachenden Rest aushebeln soll - was bei einem Text, der davor nur so trieft, natürlich wenig Sinn macht. Wirkt gewollt, aber nicht gekonnt.
Reaktion: Kaufe ich dir nicht ab, denn der ganze Rest des Textes spricht ne deutlich andere Sprache, angefangen von der Idee, diesen Text überhaupt verfassen und abgeben zu wollen.
Zitat:Ich erzähle dir das, weil ich es dir einfach schuldig bin.
Nein, du erzählst es nicht, weil du es IHR schuldig bist, sondern weil du damit versuchst, ein Stückchen besser vor dir selbst geradezustehen. Du projizierst es auf sie, sie hat aber keinen Anteil daran.
Kommt beim Leser an wie: Schuld unterjubeln.
Zitat:Das ist zwar jetzt übertrieben schnulzig, aber für mich bist du die tollste Frau, der ich je begegnet bin. Dein Humor ist unschlagbar, deine Persönlichkeit .. dein Wesen ist dermaßen liebenswert, dass ich es kaum glaube. Du hast ein Lächeln, was selbst das tote Meer zum Leben erwecken würde. Als Bonus bist du auch noch wunderschön. Du bist meine Traumfrau.
Kommt beim Leser an wie: Druckmittel. Erwartet eine Reaktion darauf. Mindestens, dass ich mich geschmeichelt fühle. Diese Worte setzen mich unter Zugzwang.
Zitat:Deswegen passt es auch, dass wir in meinem Kopf das perfekte Paar wären. Mit dir würde ich wohl wahres Glück erfahren. Und das ist das tolle daran. Wir werden nie ein gemeinsames Leben führen, und deswegen ist in meiner Vorstellung von uns kein Platz für die Realität
Aussage: Wegen dir darf ich meine Liebe nur in der Phantasie erleben (du bist schuld), weil du mich nicht willst. Du hast es in der Hand, es Wirklichkeit werden zu lassen, wenn du es nur wolltest.
Kommt beim Leser an wie: Druckmittel. Ich könnte alles zum Positiven verändern, wenn ich mich nur für dich entscheiden würde. Will ich es nicht, bin ich schuld, dass du nicht glücklich bist.
Zitat:Du bist der einzige Mensch, der von meinen Gefühlen weiss. Ich habe nichtmal meiner Therapeutin davon erzählt, weil ich es doof finde, jemandem hinterher zu schmachten und sämtlichen Menschen davon zu erzählen, bis auf denjenigen, den es betrifft.
Lüge. Das ganze Forum weiss es.
Zitat:Ich weiss, dass so eine ausgesprochene Sache eine Freundschaft erschweren kann. Aber all das musste ich dir einfach mal sagen. Wie du damit umgehst bleibt allein dir überlassen.
Aussage: Ich benutze dich, um mir selbst Absolution zu erteilen. Dafür belaste ich die Freundschaft und beschönige diese vollkommen egoistische Belastung mit dem Wort "Liebesgeständnis". Gnädigerweise räume ich dir, als Mülleimer meiner Seele sogar das Recht ein, dass du selbst entscheiden kannst, wie du damit umgehst.
Kommt beim Leser an wie: Du packst mich, wirfst mich in DEIN Säurefass, mit dem ich nichts zu tun habe und erlaubst mir dann noch, selbst zu entscheiden, wie ich damit umgehe? Was hat das alles mit mir zu tun?
Zitat:Und selbst, wenn dein Kontakt zu mir zukünftig nicht mehr so unbeschwert ist wie vorher, ist es in Ordnung.
Egoismus. Es ist für DICH in Ordnung - ist es für SIE in Ordnung?
Zitat:Ich will jetzt auch gar nicht, dass du etwas dazu sagst. Ich finde, du solltest das jetzt erstmal sacken lassen und später gegebenenfalls etwas dazu sagen. Doch bevor ich jetzt gehe, muss ich eine kleine Sache leider noch tun. Keine Angst, es ist keine große Sache. (Ich gebe ihr ein Ferrero Küsschen und gebe ihr einen Kuss auf die Wange.)
Unglaubwürdig. Du setzt sie unter Druck und in Zugzwang. Sie kann das gar nicht ignorieren, da alles in diesem Brief, und der Kuss auf die Wange und das Ferrero Küsschen nach einer Reaktion geradezu bettelt und sie zwingend verlangt.
Wenn du das abschickst, ist nichts mehr so wie vorher. Und davon ab - auch wenn du es noch so oft schreibst ("Du musst dazu nichts sagen"), im Grunde willst du genau das Gegenteil. Du wärst nicht zufrieden, wenn darauf keine Reaktion kommt. Und du wärst auch nicht zufrieden, wenn sie sagen würde "Geh mir nicht auf den Sack". Du erwartest eine Reaktion - und zwar eine Positive.
Auch wenn das jetzt hier alles sehr hart klingt, was ich schreibe. Ich will dir nix Böses, aber du lügst dir selber in die Tasche.