Dass Du zum Kümmern erzogen wurdest, dafür kannst Du ja nichts. Es ist auch keine Fehlprägung, sondern eher ein Problem mangelnder Abgrenzung.
Gerade Mädchen werden in uinserer Gesellschaft so erzogen, dass sie hilfsbereit, zugewandt und fürsorglich agieren. Das wird also oft schon in der Kindheit angelegt. Kleine Kinder,die auf die Fürsorge der Eltern ja zwigend angewiesen werden, erfahren oft sehr früh, wenn ich mich so und so verhalte, dann werde ich belohnt. Die Belohnung erfolgt n Form von Liebe, Zuspruch und Bestätigung. Das Kind erfährt also, wenn ich mich z.B. um kleinere Geschwister besonders intensiv kümmere, mich mit ihnen beschäftige (und damit die Eltern entlaste), werde ich gelobt, weil ich für gut befunden werde. Anders herum genauso. Wenn ich aggressiv werde, mich widersetze, dann werde ich bestraft. Die Belohnung bleibt aus, stattdessen heißt es: das darfst Du nicht tun, das tut man nicht.. Man ist so und so. Evt. gbit es sogar Bestrafung in Form von Nichtbeachtung oder Schimpfen.
Diese Ausprägung ist bei Menschen natürlich ganz unterschiedlich. Manche werden so erzogen, dass sie sich in besonders hohem Maße kümmern sollen, andere weniger.
Wenn die Anforderungen an Dich in dieser Hinsicht recht hoch waren, dann verinnerlichst Du im Erwachsenenleben, dass Du gegenüber engen Freunden oder Familienmitgliedern sehr fürsorglich und hilfsbereit bist. Du übernimmst damit Muster aus der Kindheit, die Dir anerzogen wurden oder die Du z.B. bei der Mutter abgeschaut und unbewusst übernommem hast, ins Erwachsenenleben.
Der Nachteil an dieser zweifellos guten Eigenschaft ist allerdings dann oft, dass Du Dich zu wenig abgrenzen kannst. Denn das, also eine gesunde Selbstfürsorge für Dich, wurde Dir leider nicht anerzogen. Du läufst daher Gefahr, dass hilfsbedürftige Personen dies unter Umständen gnadenlos ausnützen, Dich aber damit beeinträchtigen. Denn Dir stösst irgendwann sauer auf, dass die Freundin nimmt und nimmt und Dich damit auch belastet und Energie von Dir abzieht, Du aber immer nur in der Position der Gebenden bist, der das irgendwann zu viel wird.
Ablehnen oder Grenzen aufzeigen ist nicht einfach, wenn man anders gepolt wurde. Denn oft fragt man sich dann auch: Ja, darf ich das überhaupt, dass ich ihr mal nicht zuhöre oder mal etwas für sie nicht erledige?
Ja, das darfst Du, denn andere Personen dürfen zwar Deine Hilfe in gewissen Rahmen in Anspruch nehmen, aber sie dürfen Dich mit ihren Ansprüchen nicht überlasten.
Wenn Du Dich benützt, ausgenützt fühlst, dann ist Deine Grenze überschritten. Und dann musst Du Dich abgrenzen und nicht ständig zur Verfügung stehen, damit Du Deine Energieressourcen schonst. Ein Missverhältnis von Geben und Nehmen ist schädlich und da musst Du auch mal Einhalt gebieten.
Gerade Frauen neigen oft dazu, viel zu viel zu ertragen und hinzunehmen. Da schlägt der Ehepartner Kapriolen und nimmst sich zu viel heraus und die Frau schluckt es und nimmt es hin, weil sie nie gelernt hat, eigene Ansprüche auszusprechen und eine eigene Postion zu beziehen. Denn dann könnte der Mann ja ärgerlich, unbequem, aggressiv reagieren oder sich gar trennen. Und so schluckt die Frau viel zu viel, merkt aber, dass ihr das längst nicht mehr gut tut. Der Mut zu einem gesunden Egoismus ist nicht vorhanden, weil er gar nicht in der Frau angelegt ist.
Nicht anders verhält es sich mit Deiner Freundin. Sie labert Dich voll, lädt also ihren seelischen Ballast bei Dir ab und fühlt sich vlelleicht dann selbst entlastet. Du aber empfindest Dich als seelischer Mülleimer, den sie benützt. Deckel auf, reinkotzen und Deckel zu. Der Ballast geht von ihr zu Dir und Du fühlst Dich damit nicht wohl, weil es Dir zu viel wird.
Wenn Du merkst und fühlst, dass Nehmen und Geben im Ungleichgewicht sind, darfst Du durchaus, weil Du Dich schließlich auch schützen musst (und darfst), Grenzen setzen und eine Verhaltenskorrektur einleiten.
Das kann einer Freundschaft sogar ganz gut tun, wenn klare Grenzen gezogen werden, weil das gegenseitige Konto wieder ausgeglichener wird.
Der Gebende schützt sich selbst, grenzt sich auch mal ab und fühlt sich dadurch besser und manchem, der immer nur nimmt, tut es oft auch ganz gut, wenn man ihm mal Stopp sagt. So wie es bisher war, geht es nicht weiter. Entweder Du richtest Dich danach oder aber wir sind getrennte Menschen.
Gesunder Egoismus, ein Achtgeben auf sich selbst, ist sogar eine Pflicht, denn damit übernimmt man auch Verantwortung für sich selbst. Das musste ich auch erst mühsam lernen, dass ich mir nicht alles gefallen lassen und alles hinnehmen muss. Wenn man es dann gelernt hat, fühlt man sich wesentlich besser und auch mutiger, weil man für sich einsteht. Die Außenwelt nimmt das dann auch wahr, weil man andere Signale aussendet. Dazu braucht es auch keiner großen Worte, denn das meiste teilt sich ohnehin nonverbal mit.
Ich hatte vor Jahren ein schlechtes Verhältnis zu meiner Schwester. Wie sie ihr Leben führte, was sie machte und tat und womit sie sich letztlich auch selbst schädigte, wurde von mir verurteilt. Ich die Gute, die Tüchtige und sie die Versagerin, die nichts auf die Reihe bringt. Es machte mich wütend, wie sie vorging. Sie spürte das und zog sich zurück und ich dachte mir, gut so. Dann eben kein Kontakt mehr, geht mir eh auf die Nerven, belastet mich, Die soll machen was sie will, aber ich will meine Ruhe. Auf die Idee, dass sie vielleicht Unterstüztung oder gar Hilfe gebraucht hatte, kam ich nicht.
So einfach war die Sache dann doch nicht, denn immer wieder bohrte es in mir, dass wir uns nicht mehr sahen, keinen Austausch mehr hatten. Irgendwie fühlte ich mich sogar schuldig, weil ich so selbstgerecht gewesen war. Kurz, nun belastete mich das schlechte Verhältnis zu ihr.
Irgendwann mal ging mir ein Kronleuchter auf, dass es doch eigentich nicht an mir ist, über sie zu urteilen und mich über sie zu erheben. Denn damit dränge ich sie auch in die Rolle einer Minderwertigen, die ihr Leben nicht so auf die Reihe bringt, wie ich es für richtig hielt.
Mit der Zeit dachte ich um und urteilte weniger hart und egoistisch. Und es geschah etwas Seltsames. Ohne dass wir jemals darüber gesprochen hatten, kam es wieder zu einer Annäherung. Sie spürte, dass ich miene Position verlassen hatte und suchte wieder mehr Kontakt. Und ich verhielt mich fairer gegenüber ihr. Wir haben heute wieder ein gutes Verhältnis und sehen uns trotz verschiedener Wohnorte öfters. Worte waren niemals nötig, die Verhaltens- und Einstellungsveränderung wurde irgendwie erspürt und unbewusst wahrgenommen und der Weg zu mehr Miteinander war wieder offen.
Es ist wirklich eigenartig, wie sich Dinge verändern, wenn sich Menschen verändern.
Begonie