Menschen lernen sehr früh lösungsorientiertes und lösungsvermeidendes Verhalten. Es gibt Elternhäusern, die fordern von den Kindern sehr viel Selbstständigkeit. Das kann bis zu dem Punkt gehen, an dem Kinder in manchen Situation die Rolle der Erwachsenen für die Eltern übernehmen. Da trösten Kinder, geben Rat oder übernehmen Alltagsaufgaben, weil die Eltern körperlich oder emotional zu ihnen eine zeitlang nicht in der Lage sind.
Dabei passieren für das Kind zwei Dinge:
Zum einen erlebt es durch die Hilfsbedürftigkeit der Eltern oder eines Elternteils eine unstabile Lebenssituation. Die Eltern oder das Elternteil werden vom Podest des sogenannten Caretakers gehoben und sind nicht mehr der Fels in der Brandung. Springen jetzt keine anderen Erwachsenen dauerhaft und zuverlässig zur Seite, z.B. Großeltern oder Freunde der Familie, bleibt das Kind in dieser unsicheren Situation mit dem geschwächten Elternteil allein. Das Grundgefühl von Sicherheit und Geborgenheit ändert sich in ein Gefühl der tiefen Verunsicherung und der Gewissheit "Ich muss selbst Wege finden, um das her erträglich zu machen, um letztlich auch physisch und psychisch weiterleben zu können".
Der zweite Aspekt ist das Lob, das das Kind für sein selbstständiges, selbstloses und effektives Handeln erfährt. "Wenn Mutti dich nicht hätte!", "Ohne dich wäre Papa immer traurig!", "Gut, dass wenigstens du mir hilfst, Papa ist ja weg!" etc. Durch das Lob erfährt das Kind das Gefühl, das das eigene, oft eigene Grenzen überschreitende Handeln wirksam ist und das eigene Denken zu richtigen Lösungen führt. Dazu wird es von Menschen gelobt, die als Erwachsene in der Hierarchie über ihm stehen. Es wird quasi in die Welt der Erwachsenen gehoben. Das Gefühl der Größe und auch Macht entsteht.
Wird das Kind erwachsen bleiben oft folgende Glaubenssätze:
- Ich kann mich (nur) auf mich verlassen
- Ich krieg das hin - oft besser als andere, schließlich habe ich ja Übung
- Egal wie entwickelt und reif andere in ihren Lebensphasen sein sollten, ich verlange ihnen nichts ab. Ich weiß ja,
dass auch Erwachsene, die eigentlich fest im Leben stehen sollten, das manchmal nicht können oder tun
- Wenn ich denen helfe, stellt sich bei mir wieder das Hochgefühl des Helfen und es So-gut-machens ein. Deshalb
helfe ich einfach gerne
Unterschwellig spielt mit:
- Ich erlebe Schwierigkeiten, auch bei anderen, oft als persönlich existenzbedrohend. Sie versetzen mich
gefühlsmäßig (leicht) in eine Schieflage
- Ich ertrage problematische Situationen schlecht ohne etwas zu tun. Der Grund kann darin liegen, dass ich nie weiß
wie sich etwas entwickeln kann und wie lange die (quälende) Situation anhält. Da ersticke ich sie lieber gleich im
Keim.
Erwartet wird von anderen:
- Ich habe eine Lösung vorgeschlagen. Jetzt tu deinen Teil dazu!
Dann:
- Ich habe doch schon mehrfach gesagt was zu tun ist, mach das endlich und hör auf immer und immer den
Ausgangszustand zu beschreiben. Ich ertrag diese Beschreibung nicht mehr!
- Siehst du den nicht, dass mich deine Qual auch mitnimmt? Was bist du denn für ein Mensch? Ich helfe und ertrage
für dich und du siehst meine Hilfe und das Ertragen gar nicht. Verdammt, ich leide!
- Jetzt langt's! Ich bin keine Schallplatte und auch kein seelischer Mülleimer! Bleib weg!
Es stellt sich zu diesem Zeitpunkt oft seelische und manchmal auch körperliche Symptomatik ein. Bei dir war es Herzrasen als du AB Nachricht erhalten hast.
Was du tun kannst:
Such dir 3 Fotos; ens, dass dich als Kind in deiner "Macher" Zeit zeigt. Dann ein möglichst neues aus einer fröhlichen und zutiefst glücklichen Situation. Und zuletzt eins von Lola. Lege alle Fotos nebeneinander. Dann nimm das alte und versetze dich noch einmal gefühlsmäßig in die Zeit damals. Was fühlst du? Was denkst du? Was gibt dir ein gutes, was ein schlechtes Gefühl? -Schreib das alles auf. Danach nimm dir Lolas Foto und frage dich das Gleiche und notiere es. Wenn du fertig bist, vergleiche deine Notizen. Gibt es gleiche/ähnliche Antworten? Was is anders?
Dann stell dir diese Fragen:
- Konnte ich meiner Mutter damals so helfen, dass sie ein anderes Lebensgefühl erlangt hat? Hat meine Hilfe bewirkt,
dass sie (schnell) wieder der Fels in der Brandung wurde? Was hat meine Mutter unterlassen, um trotz meiner Hilfe
zum Fels in der Brandung zu werden?
- Hättest du tatsächlich etwas tun können, damit deine Mutter zur früheren Lebensfreude oder Tüchtigkeit
zurückfinden konnte?
- Stelle diese Fragen in Bezug auf Lola
Was sind deine Antworten?
Dann mache eine Pause.
Nach der Pause nimmst du das neue Bild von dir. Betrachte es wohlwollend und fühle dich ganz in die Situation, in der es aufgenommen wurde. Frage dich, ob dein ich heute, dein helfendes Kindheit-ich noch braucht. Kann Helfen und Unterstützen anders aussehen? Wie könnte das aussehen?
Vielleicht hast du ja Lust das hier alles auszuprobieren
