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Kummer-Tagebuch Wie geht es mir?

Heffalump

Heffalump


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Zitat von Joanna2020:


Ich denke, dass man solche Dinge, auch, wenn sie auf den ersten Blick unsinnig erscheinen, tun muss, man muss durchgehen, die Dinge durchkauen, sich selbst damit sogar weh tun, damit man irgendwann wirklich damit abschliessen kann.

Wie du auch immer damit lernst umzugehen, dein Weg hilft dir am besten. Du kannst nicht in anderen Schuhen laufen

05.01.2021 08:49 • x 3 #196


Pondo-Sinatra

Pondo-Sinatra


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ich denke schon, dass es hin und wieder schon wichtig ist, auch mal einen Blick über die Schulter zu werfen. Gewiss sieht man hier und da auch Dinge, die man toll und nicht so toll findet. Im Endeffekt wollen wir uns ja doch weiterentwickeln und auch verstehen. Rückblickend sehen wir viele Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel, was natürlich auch mit Schmerz verbunden ist.

05.01.2021 14:43 • x 2 #197



Kummer-Tagebuch Wie geht es mir?

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La_joie

La_joie


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Danke, ihr Lieben. Ich hab mich das im Nachhinein oft gefragt, warum mir so wenig gereicht hat. Ich hab in den Momenten nur nicht richtig gemerkt, dass das so wenig war, ich wusste nur, dass ich mich oft schlecht fühlte wegen ihm. Ich hab ein paar Wochen nach der Trennung jemanden kennengelernt, der wirkliches Interesse hatte, der sich Zeit genommen hat, Dates geplant hat, für mich gekocht hat, nach ein paar Wochen sogar für mich da sein wollte, als meine Oma starb. Erst dann fiel mir auf, dass ich mich damit noch unwohler gefühlt habe, dass ich diese Art von Aufmerksamkeit und Zuneigung nicht gewohnt bin. Sobald mir jemand "mehr" geben will, wobei es oft nicht mal mehr ist, sondern nur selbstverständliche Dinge, fühle ich mich unfassbar schlecht, kriege ein schlechtes Gewissen. Dann kommt bei mir sofort die Frage auf: "Warum tun sie das für mich? Ich hab das doch gar nicht verdient." Ich sehe andere Menschen immer als besonders an, die es verdienen, viel zu bekommen. Deshalb tue ich auch viel für sie. Mich selbst sehe ich als nicht so wertvoll an, besser ich gebe, als dass andere sich meinetwegen Umstände machen müssen. Das nervt meine Freunde auch oft, aber es fällt mir schwer, dieses schlechte Gewissen auszuhalten und nicht andauernd alles wieder kompensieren und zurückgeben zu wollen.

Das kam ihm natürlich gelegen, weil er so wenig tun musste und ich trotzdem blieb. Ich hab auch gar nicht viel von ihm verlangt, weiß ich im Nachhinein. Erst als ich gesehen habe, wie viel er bereit ist für sie zu tun, hab ich gemerkt, dass er mir so viel nie geben wollte. Und dann bestätigte sich das, was ich schon immer dachte: Du bist all das gar nicht wert. Klingt ein wenig wie self-fulfilling prophecy, aber so schließt sich dann der Kreis.

05.01.2021 14:50 • #198


Heffalump

Heffalump


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Zitat von La_joie:
Und dann bestätigte sich das, was ich schon immer dachte: Du bist all das gar nicht wert.

hehe

Aber du bist es wert. Wie jeder andere auch. Nur weil dir Form Y bekannter und vertrauter ist, heißt es nicht das dir Form Z nicht zusteht und forderbar / lieferbar ist

05.01.2021 16:24 • x 2 #199


Tee-Freundin

Tee-Freundin


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Warum sollte denn nicht jemand etwas für Dich tun?
Du bist genau so wertvoll wie andere.

Bei der nächsten Beziehung bist Du dann klüger und achtest mehr auf dich.
Und Du hast schon damals gemerkt, dass Du auch sehr gut alleine kannst ohne Mann.
Das wird wieder so sein.
Probier' jeden Tag deinem Spiegelbild Komplimente zu machen.
Stärkt das Selbstvertrauen und lässt Dich vielleicht auch Gutes leichter annehmen.
Du packst das schon.

05.01.2021 17:13 • x 1 #200


Pondo-Sinatra

Pondo-Sinatra


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Hin und wieder kann man seinen partner auch mal auf händen tragen, da bricht niemanden einen zacken aus der krone. Aber der punkt an dem man nur noch gibt und der andere nur noch nimmt kann auch schnell erreicht werden. Einmal ist keinmal aber iwann wird es zur Gewohnheit und man kann sich nur noch schwer daraus lösen

05.01.2021 22:28 • x 1 #201


La_joie

La_joie


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Montag

Schon etwas mehr als 2 Monate, seit ich hier das letzte Mal reingeschrieben habe. Ich dachte, es wäre mal wieder Zeit dafür, meine Gedanken ein wenig zu sortieren und niederzuschreiben.

Die letzten paar Wochen waren sehr durchwachsen, ein Auf und Ab der Gefühle. Ich merke die Veränderung, ich glaube, dass ich den Punkt erreicht habe, an dem ich merke, dass nach vorne schauen gerade am wichtigsten ist. Die nächsten paar Monate werden auf jeden Fall entscheidend für mich und mein Leben, meine Entwicklung. Momentan mache ich nichts außer arbeiten und Hausarbeiten/Bachelorarbeit schreiben, bin fest motiviert, das alles in den nächsten Wochen fertig zu bekommen. Auf der Arbeit läuft es sehr gut, und wie es aussieht, werde ich übernommen, werde auch schon langsam eingearbeitet. Ich mache das alles mit dem Ziel, endlich das Leben leben zu können, das ICH möchte, mit meiner eigenen Wohnung, meinem Traumjob, einfach mir selbst sagen und zeigen zu können, was ich erreichen kann, wenn ich es wirklich will. Dass ich doch einiges leisten und schaffen kann. Dass ich doch noch Bereiche in meinem Leben gibt, in denen ich glänzen kann. Bereiche in meinem Leben, in denen ich genüge. In solchen Momenten, in denen ich mein Ziel vor Augen habe, geht es mir wirklich gut. Ich weiß, worauf es hinauslaufen soll. Und vor allem bin ich, und nur ich, in solchen Momenten das allerwichtigste.

Dann gibt es aber trotzdem noch dieses Gefühl in mir, das mich schon seit Monaten von innen auffrisst und noch immer präsent ist. Dieses Gefühl, abgelehnt worden zu sein, nicht geliebt worden zu sein, ausgetauscht und schnell vergessen worden zu sein. Der Gedanke an ihn und auch sie begleitet mich immer noch durch den Tag. Ich kann sehr viel besser damit umgehen, als ich es noch vor ein paar Monaten konnte. Aber weh tut es immer noch. Ich merke auch, wie ich mich emotional verändert habe. Habe mich sehr von meinen Freunden zurückgezogen, spreche nur noch vereinzelt mit einigen von ihnen, treffe mich mit keinem, nicht mal mehr mit meiner Schwester. Es fällt mir schwer, Menschen um mich herum zu haben. Und komischerweise sind es die Menschen, die mich lieb haben und für mich da sein wollen. Aber es fällt mir schwer, mich ihnen anzuvertrauen. Am liebsten möchte ich die meiste Zeit alleine sein.

Es gibt sie auf jeden Fall, die Fortschritte, die Momente, in denen ich sehen kann, was andere Menschen in mir sehen. Das ist schön und tut auch immer wieder gut, es gesagt zu bekommen. Es gibt auch die Momente, in denen ich klar erkennen kann, dass wir und unsere Vorstellungen vom Leben gar nicht zusammengepasst haben. Und auch die Momente, in denen ich sehe, dass ich sehr wohl eine Menge zu bieten habe und zu keinem Zeitpunkt unter ihm oder seiner Freundin stand oder stehe. Ich tue momentan sehr viel durch Arbeit mit mir selbst, die Therapie hilft auch ungemein, um all das zu erkennen. Ich komme voran. Aber ein bisschen ist das alles auch Fassade und Überdeckung, denn wenn ich ehrlich bin, bin ich seit Monaten nur tieftraurig und fühle mich klein, mehr als klein innerlich. Weil es insgeheim einfach noch sehr weh tut, dass er das alles nicht in mir gesehen hat oder nicht sehen wollte. Aber dass er es nicht gesehen hat, heißt doch nicht, dass es nicht wahr ist, oder? Es ist okay, nicht jeder kann und muss mich toll finden oder lieben. Es wäre nur schön gewesen, wenn es so gewesen wäre. Ich denke, insgeheim war es genau das, was ich mir die ganze Zeit von ihm gewünscht habe: Dass er all das in mir sieht, was ich langsam in mir erkenne. Ich wäre gerne sein Mensch gewesen, nicht sie. Aber letztendlich, und das ist wichtiger, war er nicht MEIN Mensch.

Es ist schön zu sehen, dass der Schmerz sich verändert, dass er zumindest nicht mehr so brüllend laut ist, dass ich mir die Ohren zuhalten muss, sondern leise und summend, sodass ich besser raushören kann, was er mir sagen möchte. Ich merke langsam, wie sehr es sich lohnt, nach vorne und auf mich zu schauen, auch wenn er immer noch mein täglicher Begleiter ist. Momentan schaffe ich es noch nicht, ihn ganz zurückzulassen. Aber das ist nicht schlimm, dann nehme ich ihn halt einfach mit auf meinem Weg zu mir selbst, ich weiß, dass er mir nicht dabei im Weg stehen wird, mich weiter zu verwirklichen. Und irgendwann werde ich so stark und gewachsen sein, dass ich ihn einfach abschütteln kann. Darauf freue ich mich schon so sehr.

08.03.2021 23:06 • x 5 #202


Tee-Freundin

Tee-Freundin


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Liebe La_Joie,

das ist super.
Du liest Dich ganz anders als vor 6 Monaten.
Und die Aussichten haben sich ja auch erheblich verändert. Zu deinen Gunsten.
In der Arbeit aufzugehen tut einfach gut.
Du packst das mit dem Bachelor. Da bin ich sicher.
Sich vollkommen auf eine einzige Sache zu konzentrieren kann sehr entspannen.
Du bist jung und wirst feststellen, was Du alles schaffen kannst und drauf hast.

Was sagt deine Therapeutin zu diesem Gefühl des Auffressens?
Das klingt jetzt bestimmt verrückt, aber was passiert, wenn Du versuchst die 2 durch andere / s zu ersetzen?
Ich denke dabei konkret an Zootiere, deren Tun online gestellt wird.
Ja, dann fragst Du dich halt ganz bewusst, was Sippo das kleine Flusspferd heute gefressen hat und ob er sich traute im Freigehege ohne seine Mutter zu laufen.
Was passiert, wenn Du davon ausgehst, dass deine Ex und Freundin tot sind? Wortwörtlich?
Ich glaube nicht, dass man so leicht einen Menschen vergisst. Vieles erinnert einen noch an ehemalige Partner.
Wichtig ist nicht, dass Ex Dich liebt..., sondern dass Du dich selbst liebst und mit Achtung und Wertschätzung behandelst.
Dass Du für dich sagen kannst, dass Du mit Dir zufrieden bist und dein Leben einen Sinn hat.

Ein Stück weit würde ich Freunde informieren, warum ihr euch wenig seht und dass sie nichts falsch gemacht haben, dass es keine böse Absicht ist oder so.
Kannst Du dir vorstellen mit einem von ihnen Sport zu machen, bei dem wenig bis nicht gesprochen wird?
Auch über dieses Bedürfnis würde ich mit der Therapeutin reden und mir ihre Meinung anhören.

Nicht jeder hat die Fähigkeit einen anderen Menschen zu sehen, wie dieser ist, noch dessen Vorzüge und Talente wert zu schätzen.
Dadurch wirst Du nicht weniger wert. Ein Edelstein ist immer ein Edelstein, auch wenn nicht jeder seine Kostbarkeit erkennt.
Du machst deinen Ex schon wieder besser als er war. Halte Dir wieder seine Fehler und Schwächen vor Augen.
War er deiner tatsächlich würdig bei genauer Betrachtung?
Schau' Dir mal an wie viele Menschen Du hast, die Dich lieben und deine Gesellschaft genießen.
Dass der eine Honk es nicht wollte oder konnte was soll's?
Zitat von La_joie:
Aber das ist nicht schlimm, dann nehme ich ihn halt einfach mit auf meinem Weg zu mir selbst, ich weiß, dass er mir nicht dabei im Weg stehen wird, mich weiter zu verwirklichen. Und irgendwann werde ich so stark und gewachsen sein, dass ich ihn einfach abschütteln kann.

Richtig. Das wirst Du auch.

12.03.2021 21:43 • x 3 #203


La_joie

La_joie


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Samstag

Ich versuche gerade was für meine Bachelorarbeit zu tun, aber ich kann mich kaum konzentrieren. Mir geht so viel durch den Kopf und irgendwie muss ich diese Gedanken loswerden.

Ich weiß nicht, wieso, aber momentan stecke ich wieder in einem ziemlichen Sumpf. Ich wollte nicht mehr weinen, nicht wegen ihm. Aber die letzte Zeit passiert es wieder zu oft. Mein Geburtstag, die Ostertage, jetzt ist wieder Wochenende. Irgendwie tut es momentan wieder besonders weh und ich fühle mich in die Anfangszeit meines Liebeskummers zurückversetzt. Der Gedanke daran, dass die 2 gerade vielleicht zusammen sind, wie innig ihre Beziehung jetzt sein muss, dass er mich längst vergessen hat, ich ihn nie interessiert habe... Es tut einfach wieder unfassbar weh. Nein, es hat schon die ganze Zeit weh getan. Heute kann ich es nur nicht so gut ausblenden. Es gibt kurze Momente, da ist es unerträglich. Als würde ich keine Luft mehr bekommen.

Ich schaue mir mein Leben an und merke, wie viel ich gerade leiste und wie viel sich in den nächsten Monaten für mich verändern wird. Ich versuche den Spagat zu schaffen zwischen Arbeit und Bachelorarbeit, aber mich trotzdem weiter um mich und meine Probleme zu kümmern. Zu schauen, dass es mir gut geht. Es fällt mir schwer, weiterzumachen, aber ich möchte das schaffen. Ich muss das alles schaffen, für mich. Ich weiß, dass ich geschätzt und geliebt werde, von Freunden, von meiner Familie, von Kollegen. Ich weiß das und ich spüre das auch.

Aber dann schaue ich um mich herum, wo beinahe alle meine Freundinnen in Beziehungen sind, mit ihren Partnern zusammenwohnen, sich verloben und heiraten, sogar Kinder bekommen und planen, Häuser zu kaufen. Ich weiß, ich bin erst 25. Ich weiß, dass ihr Weg nicht meiner ist. Ich weiß, dass ich gerade alleine sein muss, um mich selbst lieben zu lernen. Und doch komme ich nicht drumherum zu fühlen, was ich fühle. Ich bin gut genug als Freundin, als Kollegin, als Tochter. Aber ich bin nicht gut genug als Partnerin. Dafür, dass man sich für mich entscheidet, weil man MICH will, niemand anderen. Dass man mich mit nach Hause nimmt, sein Leben mit mir teilen will, mir seine Liebe, seine Zeit, seine Aufmerksamkeit schenken will. Was für andere zu reichen scheint, reicht für mich nie. Und ich wache jeden Tag auf und frage mich immer nur: Was fehlt mir? Warum reiche ich in der Hinsicht nicht? Warum bin ich nicht genug?
Ich fühle mich falsch an, nicht richtig. Ich stelle mir sie vor und merke, dass ich nicht sie bin, also muss ich falsch sein. Denn wenn ich richtig gewesen wäre, wäre er auch zu mir anders gewesen. Wenn ich richtig gewesen wäre, hätte er mich lieben können.

Ich weiß, dass das nicht richtig ist. Ich weiß, er oder sie sind nicht der Maßstab. Aber so fühle ich mich. Und ich habe langsam Angst, dass ich mich immer so fühlen werde. Egal, was ich tue.

10.04.2021 17:37 • x 1 #204


La_joie

La_joie


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Sonntag

Heute ist mal wieder einer dieser Tage. Es werden immer weniger, aber ich hab teilweise immer noch heftige Tiefpunkte, für meinen Geschmack noch zu oft. Manchmal bin ich von mir selbst genervt. Aber dann ermahne ich mich, nicht zu gemein zu mir zu sein. Ich von allen Menschen sollte der sein, der mich am besten behandelt, gerade jetzt.

Wie wird man dieses Kopfkino los? Manchmal hab ich das Gefühl, in meinem Kopf bleibt einfach nicht ruhig. Sogar auf der Arbeit kann ich mich schlecht konzentrieren, der Ort, der für mich eigentlich immer die Flucht war.

Seit ich vor ein paar Tagen erfahren habe, dass seine Freundin hierhergezogen ist, fährt mein Kopf Karussell. Es hat mich wirklich umgehauen und zurückgeschmissen. In dem Moment wusste ich nicht mal mehr, wie ich den Tag rumkriegen soll. Ich saß bestimmt eine geschlagene Stunde im Bett und hab in die Leere gestart. Mit Herzrasen, Kloß im Hals, nicht geweint, aber ich dachte, ich vergesse das Atmen. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, nicht so schnell. Dass sie nach 10 Monaten Beziehung ihre Sachen packt und 700 km für ihn hierhin zieht. Warum kümmert es mich noch? Für mich ändert sich ja nichts. Aber es tut einfach weh, das zu wissen. Zu wissen, dass diese Beziehung in 10 Monaten schon so innig ist, dass sie alles zurücklässt und herzieht. Wie viel Liebe auf beiden Seiten dahinterstecken muss. Wie integriert sie in sein Leben ist. Was ist, wenn ich den beiden glücklich und verliebt und knutschend begegne und sie mich dann auslachen? Vielleicht heiraten sie ja und kriegen Kinder? Was ist, wenn ich umziehe, und ausgerechnet sie meine Nachbarn werden? Ja, meine Gedanken spielen momentan mehr als verrückt.

Jetzt drehe ich mich jedes Mal auf dem Weg zur Arbeit um, habe schon fast das Gefühl, ich werde ein wenig paranoid, aus Angst, den beiden irgendwie, irgendwann mal zu begegnen, so unwahrscheinlich es auch ist. Ich werd mir vielem fertig, aber damit noch nicht, nicht jetzt. Heute ist es superschön, die Sonne scheint, und alles, woran ich denken kann, ist, wie sie den Tag gemeinsam verbringen. Heute nach der Frühschicht hab ich mich eine Stunde schlafen gelegt und prompt geträumt, sie wäre schwanger und sie würden gerade ein Haus bauen. Ich dachte wirklich, ich spinne.

Auf der anderen Seite versuche ich weiterhin, mein Leben zu leben, MICH zu leben. Die Thesis wird nächste Woche abgegeben. Am 01.07. fange ich unbefristet bei uns auf der Arbeit an. Ich wusste gar nicht, wie ich meiner Chefin dafür danken sollte, dass sie mir diesen tollen Übergang ermöglicht hat. Ihre Antwort war: "Wenn das einer verdient hat, dann du." Das zu hören, hat mir so unglaublich viel bedeutet. Festangestellt bei einem der größten Sender Europas. 4 Hausarbeiten und die Bachelorthesis in 5 Monaten. Wie habe ich das alles nur geschafft? Ich bin wirklich stolz auf mich.
Parallel suche ich nach einer Wohnung. Es ist wirklich schwierig und wird auch sehr teuer, aber ich weiß, dass ich das stemmen kann. Ich möchte das alleine schaffen.

Ich habe die letzten Tage überlegt, mir dieses Jahr ein Tattoo stechen zu lassen. Momentan ist es nur eine vage Idee, aber wenn es einen Satz gibt, der mir alles bedeutet, dann ist es: "I am enough."
Wer weiß, vielleicht ist nach dem Tattoo der Weg zum Verinnerlichen ja nicht mehr weit. Ja, ich bin genug. Auch wenn er mich nicht wollte. Auch wenn sie gerade das bekommt, was ich mir gewünscht habe mit ihm. Ich bin genug. Jetzt muss ich das nur noch glauben.

Es tut so gut, meine Gedanken aufzuschreiben, so absurd sie teilweise auch sind. Nächste Woche habe ich ein Shooting, auf das ich mich sehr freue. Ich hoffe, das Wetter spielt mit.

Worauf lege ich nun meinen Fokus? Auf deren Glück oder auf das, was ich erreicht habe und noch erreichen werde? Heute erlaube ich mir, einen schlechten Tag zu haben. In der Hoffnung, dass es morgen wieder ein wenig anders in mir aussieht.

09.05.2021 21:08 • x 1 #205


La_joie

La_joie


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Freitag

Ich kann nicht schlafen, obwohl ich so müde von der Spätschicht bin. Mein Kopf platzt mal wieder vor Gedanken, ich kann sie kaum sortieren. Bald ist es 1 Jahr her. Vor 4 Jahren haben wir uns das 1. Mal persönlich getroffen. Und vor einem Jahr hat er mir gesagt, dass er eine andere liebt. Wie geht das, dass es auch nach einem Jahr noch so weh tut zu wissen, dass er sie liebt? Ich weiß, es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, um so etwas zu verarbeiten. Aber warum tut es noch so weh, an ihn zu denken?

Ich habe meine Social-Media-Accounts mal deaktiviert, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Denn ich erwische mich gerade jetzt immer öfter, wie ich in alte Muster verfalle. Und dann fange ich an, mich mit ihr zu vergleichen, und ziehe, wie könnte es auch anders sein, immer den Kürzeren. Dann denke ich mir: Schau sie dir doch mal an, und dann schau dir dich an. Kein Wunder, dass er dich nicht wollte. Dann sehe ich sein strahlendes Lächeln, und mir wird bewusst, wie glücklich er sein muss. Und es trifft mich, schon wieder, wie eine kalte Faust in den Magen, dass sie die Frau ist, die er liebt, und das zeigt er der ganzen Welt, seiner Familie, seinen Freunden. Sie ist für ihn hierhin gezogen. Für diese Art von Behandlung hat es bei mir nie gereicht. Und da schleichen sich wieder die üblichen Gedanken ein: Du bist es, die nicht gereicht hat. Du bist es nicht wert, auf diese Weise geliebt zu werden. In meiner Therapie lerne ich, mir bewusst zu machen, dass das, was ich mir im Kopf zusammendenke, nichts weiteres sind als Gedanken. Keine Tatsachen. Ich weiß nicht, wie die Realität aussieht. Und es sollte auch keine Rolle spielen, wie die Realität bei den beiden aussieht. Meine Realität sollte wichtiger sein. Fakt ist aber, dass 90% meiner Gedanken jeden Tag mit Gedanken an ihn und sie gefüllt sind. Warum tue ich mir das selbst an? Warum ist mein 1. Impuls immer, mich selbst zu verletzen? Warum nimmt dieser Mensch immer noch so einen unfassbar großen Raum in meinem Leben, meinem Kopf ein, während ich für ihn schon lange nichts weiteres mehr bin als eine bloße Erinnerung?

Ich hab endlich eine Wohnung gefunden, meine Wohnung. Ich freue mich so darauf, endlich mein toxisches Elternhaus verlassen zu können, endlich in voller Selbstbestimmtheit leben zu können. Ich freue mich so sehr auf den Umzug. Am 01.07. geht es mit der Arbeit so richtig los. Nun fehlt mir nur noch die Note meiner abgegebenen Bachelorarbeit. Es ist Wahnsinn, wie sehr das letzte halbe Jahr mein Leben verändert hat. Ich bin auf dem Weg, endlich wirklich frei zu sein. Nur innerlich bin ich noch so gefangen. Ich dachte, ich mache Fortschritte. Oft merke ich das auch. An anderen Tagen fühlt es sich aber so an, als wäre ich noch am Anfang. Wie lässt man los? Ich dachte, ich hätte einen Weg gefunden. Aber die ehrliche Antwort ist, ich hab keine Ahnung, wie man wirklich loslässt. Ich sage, ich möchte loslassen. Ich möchte vor allem, dass es mir besser geht. Aber möchte ich wirklich loslassen? Ist dieses innerliche, krampfhafte Klammern, dieses ständige mir selbst unter die Nase reiben, wie glücklich sie sind, dieses ständige mich selbst fertigmachen, das Verharren in der Ich-bin-nicht-genug-Spirale nicht eher dazu gedacht, um nicht loslassen zu müssen? Denn wenn ich es täte, wirklich loslassen, wer er weg. Vielleicht ist es eine Art, ihn, uns am Leben zu halten. Ein uns, das schon lange verschwunden ist, wenn es ein solches denn jemals gegeben hat.

Vor 1 Stunde • x 1 #206


Pondo-Sinatra

Pondo-Sinatra


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1745
Liebe la joie
Es geht voran .Langsam ,in ganz kleinen Schritten.Rückschläge gehören nin leider halt auch dazu .nimm sie jedoch als Herausforderung an. Du bist auf dem richtigrn Weg, ganz bestimmt.fühl dich gedrückt

Vor 51 Minuten • #207



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