La_joie
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Hatte heute mal wieder das Bedürfnis, meine Gedanken loszuwerden. Ich merke, wie sehr es mich erleichtert, das zu tun.
Die letzten Tage waren, na ja, eigentlich gut. Ich sage das immer sehr vorsichtig, weil es unter der Oberfläche bei mir eigentlich immer brodelt.
Es lag u.a. wohl auch daran, dass ich sehr viel unterwegs war und auch oft in Gesellschaft. Ich habe viel an ihn und an sie gedacht, klar, wie immer. Dennoch war es nicht ganz so präsent wie es die Wochen davor war. Die Ablenkung hat wirklich sehr gut getan.
Ich hatte gestern dann aber doch wieder einen ziemlichen Durchhänger, die Sehnsucht riss mich förmlich aus den Söckchen, als ich ein Video von ihm fand, das ich dummerweise noch nicht gelöscht hatte. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, die Tatsache, dass diese tolle Mann mich nicht will, mich nie wirklich wollte und auch nie wollen wird. Ich war fix und fertig.
Zum Glück hatte ich mittags dann wieder meine Therapiesitzung. Ich freue mich immer darauf, weil meine Therapeutin mir neue Erkenntnisse bringt, auch wenn ich danach immer ein wenig geschlaucht und auch traurig bin. Sie hat mir gestern noch mal sehr deutlich gemacht, wie sich das gestörte Verhältnis meiner Eltern bei mir bemerkbar gemacht hat. Und ich habe doch wieder gemerkt, dass auch ich viel zu viel zugelassen habe in diesen 3 Jahren, Dinge, die wirklich nicht in Ordnung waren, die ich nicht verdient habe, für die ich mir zu schade hätte sein müssen. Ich merke immer viel zu spät, dass gewisse Verhaltensweisen auch mit einer Entschuldigung nicht zu entschuldigen sind. Ich habe meine Bedürfnisse vollkommen beiseite gelassen, mich nur darauf konzentriert, nicht von ihm abgelehnt zu werden. Denn das ist es, womit ich so schlecht umgehen kann: Ablehnung. Wahrscheinlich, weil es das ist, was mein Papa mir von Kind auf entgegen gebracht hat. Aber das hieße doch eigentlich, dass ich daran gewöhnt sein sollte, oder?
Es tut mir immer noch sehr, sehr weh, dass er ihr gerade all das gibt, was er mir nie geben wollte. Er kann wundervoll sein, wenn er will. Und vor allem zu der Frau, die er will, die er liebt. Und das bin nun mal nicht ich.
Meine Kraft, meine Zuneigung war völlig umsonst, ist auf unfruchtbaren Boden gestoßen. Er hat alles Gute mitgenommen, ohne mich, die Frau, die ich bin, zu wollen. Und dass sie jetzt all seine Liebe ohne diese Anstrengung bekommt, lässt mich glauben, dass ich es bin, mit der etwas nicht stimmt. Wenn ich in Ordnung wäre, wäre ich ihm jetzt nicht so egal, hätte er sich mehr Mühe gegeben. So denke ich, habe ich immer gedacht, und so wird es wahrscheinlich noch ein Weilchen bleiben.
Aber meine Therapeutin hat gestern versucht, mich in eine Denkrichtung zu bewegen, die ich unbewusst, vielleicht sogar auch bewusst, vermieden habe, obwohl mir alle schon geraten haben, in diese Richtung zu denken: Habe ich in meiner ganzen Mühe, ihm zu gefallen, nicht von ihm abgewiesen zu werden, überhaupt mal darüber nachgedacht, ob er überhaupt der richtige Mann für mich ist? Hat jemand, der mich teilweise so behandelt hat, überhaupt verdient? Passt er zu mir? Was ist, wenn nicht ich versagt habe, sondern er es war, der es nicht geschafft hat, mich glücklich zu machen, obwohl er mich nicht gehen lassen wollte?
Ja, es fällt mir schwer, so zu denken. Vielleicht müsste ich dafür mal meinen Wert erkennen, denn sonst könnte ich niemals glauben, dass mich jemand nicht verdient hat, dass mich jemand entweder ganz oder gar nicht haben sollte. Aber trotzdem ist es ja schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung, wenn ich diesen Gedanken zumindest nicht völlig ablehne, nicht gleich anfange, meine Defizite aufzuzählen, um mir selbst noch mal unter die Nase zu reiben, warum man mich nicht lieben kann. Ja, ich werde versuchen, mir das öfter in Erinnerung zu rufen.
Vielleicht schaffe ich es, mich damit in den schlechten Tagen, die bestimmt noch mal kommen werden, dessen bin ich mir gewiss, ein wenig aus diesem Loch zu holen, in das ich dann immer zu fallen drohe. Aber für heute habe ich ein wenig Zuversicht.