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Langjährige Beziehung ohne Schuldgefühle beenden

Tanja79
Ich (44) bin seit meinem 16. Lebensjahr mit meinem Mann (47) zusammen. Ich war immer sehr auf ihn und seine Gefühle bedacht. Heute bereue ich das.
Nur seine Meinungen gelten, ich muss seine Interessen mögen, er drängt mir ständig seine Ansichten auf und reagiert verbal aggressiv wenn ihm etwas nicht passt, er klammert und kann/will nichts alleine unternehmen, sieht mich als Lebensmittelpunkt und will, dass auch ich ihn so sehe. Wir haben keine gemeinsamen Interessen, nun auch kaum gemeinsamen Freunde.
Ich kann ihn (noch) nicht verlassen, da meine Schuldgefühle ihn mit den Schulden im Stich zu lassen, Überhand nehmen. Das Haus läuft auch auf mich. Trennung kommt für ihn nicht in Betracht, da er ja „sein“ Haus verlieren würde und er wäre dann alleine.

Meine Frage nun an euch: welche Möglichkeiten kennt ihr, damit ich mich von meinem Mann lösen und ihn weitgehend ohne Schuldgefühle verlassen kann? Psychologische Betreuung / Mental coaching hat mir nichts gebracht; ich versuche zu meditieren um wenigstens mehr Gelassenheit und Zuversicht im Alltag zu gewinnen; habe mich viel eingelesen und Podcasts zu diesen Themen gehört.
Momentan hebt das auch meine Stimmung, aber endeffektlich bin ich wieder nur frustriert und hoffnungslos, will nicht heim und hasse die Wochenende mit ihm alleine. Mittlerweile bin ich ihm gegenüber schon so aggressiv, so kenn ich mich selbst gar nicht.

Ich würde mich für sinnvolle Inputs sehr freuen.

LG Tanja

12.02.2024 15:25 • x 2 #1


Cagy
Hallo Tanja,
.. reagiert verbal aggressiv wenn ihm etwas nicht passt....
Du wirst mit ihm sprechen müssen und ihm in Ruhe erklären, dass du so nicht mehr mit ihm zusammenleben wirst.
Regel eure finanziellen Verhältnisse , wenn es DEIN Haus ist ,ist das eben so egal wie er das *sieht*.
Wenn du Angst vor einer Eskalation hast dann holle dir jemanden aus der Familie dazu.Alles besser als einfach nur abzuwarten,. nichts zu tun und das Leben an dir vorbeiziehen lassen.
Du wirst hinterher denken : ..das hätte ich viel eher machen sollen.
Alles Gute dir.

12.02.2024 15:35 • x 4 #2


A


Langjährige Beziehung ohne Schuldgefühle beenden

x 3


Ayaka
Zitat von Tanja79:
da meine Schuldgefühle ihn mit den Schulden im Stich zu lassen


Was unklar ist, sind diese Schuldgefühle jetzt angebracht oder nicht?

Wenn es wirklich gemeinsame Schulden sind, dann wäre es ja auch nur fair den eigenen Anteil der Schulden zu übernehmen auch wenn man rechtlich nicht dazu verpflichtet ist. Vor allem, wenn die z.B. durch Sanierung deines Hauses anfielen. Wenn es seine eigenen Konsumschulden sind hätte ich da auch keine Schuldgefühle an deiner Stelle. Ich denke hier kann man auch einen tatsächlich möglichst fairen Zustand herstellen.

zu den anderen Schuldgefühlen

bis zu einem gewissen Grad hat man immer ein schlechtes Gefühl als Trennender, man tut dem anderen nun mal weh, stellt ihn vor vollendete Tatsachen. Aber wo sind die Alternativen? Ich sehe da keine, wenn man die Beziehung nicht mehr weiter führen will. Für eine Beziehung braucht es 2, für eine Trennung reicht nun mal 1.

Kompromisse bei der Zeit die er für den Auszug hat, Klarheit in der Trennung und Vermeidung von grausamen Situationen in der Trennungszeit (nicht mit dem Next auftauchen, nicht für Daten aufbrezeln oder Nächte weg sein ...) können helfen es für ihn erträglicher zu machen und vielleicht mildern die deine Schuldgefühle, wenn du alles tust um es so wenig schlimm wie möglich zu machen.

Mit einer Restverantwortung, dass man der/die sich Trennende war, wird man leben müssen. Ganz wirst du da die Schuldgefühle nicht los und musst meiner Meinung nach damit leben lernen.

12.02.2024 15:37 • x 3 #3


Tanja79
Ich habe so oft mit ihm gesprochen und in Ruhe erklärt, dass ich nicht mehr als Freundschaft für ihn empfinde, er mich einengt weil ich ständig nur daheim bei ihm sitzen soll, der Haushalt immer an mir hängen bleibt und ich einfach überfordert bin mit Job und Haushalt. Ich habe eine Auszeit in den Raum gestellt, kann aber leider nirgends hin...
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er mit dem was ich kommuniziere einfach nichts anfangen kann, so nach dem Motto links rein und rechts wieder raus. Und ewig der Satz wir schaffen das schon. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich wie sagen soll, dass es bei ihm ankommt

12.02.2024 15:47 • #4


DieSeherin
erzähl mal mehr über euch. seid ihr beide berufstätig? habt ihr kinder? sind die schulden hoch? steht bei dir der entschluss schon fest, dass du dich tennst, du weißt nur noch nicht wie?

12.02.2024 15:48 • x 2 #5


Tanja79
Wir arbeiten beide Vollzeit, er ist Polizist und hat 2 Diensthunde (eine zusätzliche Belastung, da er mich ständig in seine Verantwortung einbindet). Keine Kinder, das Haus könnte er sich alleine nicht leisten - soviel steh fest.
Bei mir steht der Entschluss schon fest. Es gibt so viele Gründe nicht zu bleiben bzw. fühle ich mich daheim und in seiner Anwesenheit so unwohl wie nie zuvor. Ich fang mir mit ihm einfach nichts mehr an, er erzeugt hauptsächlich Wut in mir. Ich bleibe länger in der Arbeit und gehe nach der Arbeit auch öfters weg - einfach um nicht in seiner Nähe sein zu müssen.
Trotzdem schaffe ich es nicht, mir eine Wohnung zu suchen und ihn mit allem was anfällt alleine zu lassen.

Ich bin auch auf der Suche nach dem warum. Warum bin ich so, wie ich bin. Woran liegt das? In meiner Kindheit? Irgendwie drehe ich mich seit Jahren ständig im Kreis.

12.02.2024 16:13 • #6


B
Zitat von Tanja79:
Ich kann ihn (noch) nicht verlassen, da meine Schuldgefühle ihn mit den Schulden im Stich zu lassen, Überhand nehmen.

Welche Schulden sind das, Konsumschulden, die ihm allein gehören oder Kredite für gemeinsame Investitionen? Grundsächlich zwingt dich niemand, deinen Mann mit den Schulden allein zu lassen. Auch getrennt, kannst du deinen Anteil an den Schulden weiter tragen. Und damit deinem schlechten Gewissen die Nahrung entziehen.
Zitat von Tanja79:
Das Haus läuft auch auf mich.

Zitat von Tanja79:
Keine Kinder, das Haus könnte er sich alleine nicht leisten - soviel steh fest.

Was ist der Hintergrund, hast du geerbt, alleine finanziert?
Zitat von Tanja79:
Meine Frage nun an euch: welche Möglichkeiten kennt ihr, damit ich mich von meinem Mann lösen und ihn weitgehend ohne Schuldgefühle verlassen kann?

Alles unternehmen, um die Trennung sauber und fair zu vollziehen. Schuldgefühle haben nach einer 30-jährigen Partnerschaft eine Daseinsberechtigung, wie auch Trauer. Was hält dich ab, sie auszuhalten, ist das dein Erlauber, um konsequent in deinem unglücklichen status quo verharren zu dürfen?
Zitat von Tanja79:
Mittlerweile bin ich ihm gegenüber schon so aggressiv, so kenn ich mich selbst gar nicht.

Ja wow. Wo ist dein schlechtes Gewissen in diesen Momenten?
Zitat von Tanja79:
Ich habe so oft mit ihm gesprochen und in Ruhe erklärt, dass ich nicht mehr als Freundschaft für ihn empfinde, er mich einengt weil ich ständig nur daheim bei ihm sitzen soll, der Haushalt immer an mir hängen bleibt und ich einfach überfordert bin mit Job und Haushalt.

Wie alt ist dein Partner? Lebt ihr allein in eurem Haushalt, was überfordert dich daran?
Zitat von Tanja79:
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er mit dem was ich kommuniziere einfach nichts anfangen kann, so nach dem Motto links rein und rechts wieder raus. Und ewig der Satz wir schaffen das schon. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich wie sagen soll, dass es bei ihm ankommt

Immer das Gleiche tun, in der Hoffnung auf andere Ergebnisse ist meist nicht schlau. Was hindert dich, dein Köfferchen zu packen und ein Wochenende oder länger weg zu fahren?
Zitat von Tanja79:
Wir arbeiten beide Vollzeit, er ist Polizist und hat 2 Diensthunde (eine zusätzliche Belastung, da er mich ständig in seine Verantwortung einbindet).

Du lässt dich einbinden. Hast du einen Sprachfehler, kommt das Wort nein nicht über deine Lippen?

12.02.2024 16:21 • x 6 #7


I
Zitat von Tanja79:
Ich habe so oft mit ihm gesprochen und in Ruhe erklärt, dass ich nicht mehr als Freundschaft für ihn empfinde, er mich einengt weil ich ständig ...

Wenn du mit dem ganzen abgeschlossen hast, dann trenn dich endlich, der Worte sind genug gewechselt und du musst kein schlechtes Gewissen haben.
wie wäre es mit einer Paarberatung im Sinne einer Trennungsbegleitung? Das wäre mal eine Paarberatung die ich persönlich als sinnvoll erachten würde… Bei Caritas und Diakonie werden Lebens bzw Eheberatungen angeboten, gegen Spende, vielleicht könntest du dir da Unterstützung holen

12.02.2024 16:27 • x 4 #8


Teardrop_ine
Zitat von Iunderstand:
wie wäre es mit einer Paarberatung im Sinne einer Trennungsbegleitung? Das wäre mal eine Paarberatung die ich persönlich als sinnvoll erachten würde

Hallo Tanja, das sehe ich genauso.
Dann läuft das begleitet ab und nimmt dir etwas Verantwortung und Druck.

12.02.2024 19:22 • #9


M
Zitat von Tanja79:
Trotzdem schaffe ich es nicht, mir eine Wohnung zu suchen und ihn mit allem was anfällt alleine zu lassen.

Ich bin auch auf der Suche nach dem warum.



Schlechtes Gewissen, Verantwortungsgefühl, vielleicht auch ein bisschen Angst vor dem was danach kommt. Die Zukunft ist letztlich für jeden Menschen ungewiss.
Ganz normale Gefühle würde ich sagen! Du bist immerhin schon 26(!) Jahre mit ihm zusammen.
Und verheiratet!? Das kann man nicht so einfach abstreifen und zur Seite legen,
wie ein Unterhemd. Es ist wenn überhaupt eher ein langwieriger
(schmerzhafter) Prozess, den man wohl oder übel durchlaufen muss.

13.02.2024 02:47 • x 2 #10


L
Zitat von Tanja79:
Ich würde mich für sinnvolle Inputs sehr freuen.

Ich versteh Dich nicht, wenn ich ehrlich bin.

Du hast Schuldgefühle klar zu sein und Eure Dinge zu regeln, aber keine ihn zu belügen und ihm was vorzuspielen?!

Für mich liest Du Dich, sorry, sehr kindlich. Was erwartest Du? Dass das alles ohne Schmerzen über die Bühne geht? Einen Ausknopf, einen Beamer in die friedvolle Zukunft?

Wenn Du ein zufriedenes, ehrliches, selbstbestimmtes Leben haben möchtest, dann musst Du auch so handeln. Und ja, das tut weh. Und ja, es tut weh zu sehen, wenn das Gegenüber leidet. Aber das gehört eben meistens dazu.


Zitat von Tanja79:
Mittlerweile bin ich ihm gegenüber schon so aggressiv, so kenn ich mich selbst gar nicht.

Klar und das wird immer schlimmer werden, weil Du gegen die Klarheit lebst. Aber das hat er auch nicht verdient. Komm endlich ins Tun. Rede zumindest mit ihm, kläre die finanziellen Aspekte ab etc.

Denke an Lösungen, nicht an die Probleme.

13.02.2024 05:49 • x 1 #11


L
Zitat von Tanja79:
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er mit dem was ich kommuniziere einfach nichts anfangen kann, so nach dem Motto links rein und rechts wieder raus.

Gut, Du hast geredet. Dann handele jetzt auch entsprechend. Wenn Du immer nur redest, nimmt er Dich nicht ernst. Frei nach Vera Birkenbihl: Männer reagieren nur auf Taten.

Kannst Du hier im Forum überall nachlesen: Die fallen aus allen Wolken, dass die Frau weg ist. Das Gerede vorher kriegen die meistens gar nicht mit.

13.02.2024 05:51 • x 5 #12


B
@Tanja79 Magst du mal zurück melden, wo du stehst, ob du aus den bisherigen Antworten für dich etwas mitnehmen kannst, was du dir hier wünschst, vielleicht erhoffst?

13.02.2024 21:27 • x 1 #13


W
Mein erster Gedanke, als ich dieses Thema gelesen habe war, dass es für mich eher so klingt, als würdest du als Mutter über einen Sohn schreiben. Ihr habt da eine für ihn sehr bequeme Dynamik entwickelt.
Mir wäre mein Leben zu kostbar, um es mit einem Kind im Männerkörper zu verbringen. Gibt doch auch andere Rockzipfel an die er sich hängen kann oder er wird eben mal erwachsen,alles seine Verantwortung.

13.02.2024 21:58 • #14


K
Hallo Tanja,
für mich ist ziemlich klar, warum du dich nicht trennen kannst. Denn du kannst nicht mit der „Last der Schuld“ umgehen, die dadurch auf dir liegen würde. Da müsste man sich zunächst die Quellen für diese Last ansehen.

Zum einen wird dein Mann dir natürlich die Schuld an der Trennung geben. Das ist normal und er wird viele Verbündete finden, die es genauso sehen, wenn er die Trennung aus seiner Sicht schildert
Du hast also Angst vor den Schuldzuweisungen durch deinen Mann.

Dann folgt das Umfeld, das im Wesentlichen durch deinen Mann informiert würde. Denn Verlassene werden gehört, weil sie Opfer sind. Täter werden weniger gehört, ihre Schilderung wird als Rechtfertigungsversuch angesehen. Du hast also sicher auch Angst vor den Schuldzuweisungen durch das Umfeld.

Und drittens siehst du dich selber in der Rolle der Täterin, weil es ja nach außen schlecht erklärbar ist, warum du gehst. Du übernimmst also im „vorauseilenden Gehorsam“ das, was möglicherweise oder vermutlich an Schuldzuweisungen auf dich zu kommt. Und auch davor hast du Angst.

Der erste Schritt kann also sein, dieser Angst auf den Grund zu gehen und ihm die Grundlage so weit wie möglich zu entziehen, und zwar erst einmal subjektiv in DEINER Gedankenwelt. Das Ziel ist dann, mit dir selber IM REINEN zu sein. Dazu gehört auch, das zu entlarven, was da bei Schuldzuweisungen argumentiert wird. Da du das zunächst nicht mit anderen, sondern nur mit dir selber ausmachen kannst, ist das gar nicht so schwierig, es ist machbar.

Und wenn du mit dir und den Gründen für die Trennung wirklich im Reinen bist, wirst du auch stark genug sein, um dem ins Auge zu sehen, was dann von außen auf dich zukommen könnte. Und das sogar möglichst ohne dich öffentlich rechtfertigen und erklären zu müssen. Es ist machbar.

Du wirst diese Beziehung also nicht ohne SCHULD beenden können, denn die Form der Schuld, die dir von außen zugeteilt wird, kannst du kaum beeinflussen. Du kannst sie aber bestenfalls ohne die Schuldgefühle beenden, die du dir selber auferlegst. Und wieder: Das ist machbar.

13.02.2024 22:21 • x 8 #15


A


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