Zitat von Ema: Dem war er nicht gewachsen und du irgendwie schon.
Nee, ich ehrlich gesagt auch nicht, ich bin mindestens genauso belastet davon gewesen wie er, nur ich hab mir halt andere Ventile gesucht. In der Anfangszeit habe ich zum Beispiel stundenlang Reisevlogs geguckt, damit ich mir vorstellen konnte, woanders zu sein und Abenteuer zu erleben.
Ich habe auch recht schnell wieder mit meinem Hobby angefangen und mich dann einmal die Woche dort hin geflüchtet.
Ich habe mir quasi auch eine Flucht gesucht und mich oft aus der Situation genommen, nur eben auf eine "harmlosere" Art. Dafür hat mein Mann mich oft als sehr abwesend wahrgenommen, wenn wir alle zusammen waren und sich mehr um die Kinder gekümmert. Das war sicherlich auch nicht förderlich für die Gesamtsituation.
Zitat von Ema: Hast du keine Sorge, dass er bei der nächsten Krise und dem nächsten schweren Stress dem wieder nicht gewachsen ist und dass er dich wieder im Stich lässt?
Nein, keine konkrete Sorge. Zum einen denke ich, dass die Baby- und Kleinkindzeit mit Zwillingen wohl das härteste war, was wir bisher erlebt haben und etwas Ähnliches hoffentlich nicht noch einmal auf uns zukommt. Natürlich weiß man nie, welche Krankheiten vielleicht noch auf einen warten und wann, aber da muss man dann schauen, wie es kommt, wenn es kommt. Schicksalsschläge plant ja keiner voraus.
Und zum anderen hat er mich nicht im Stich gelassen was die Belastung angeht. Er war und ist sehr engagiert und kümmert sich viel um die Kinder und wir haben uns alles immer super aufgeteilt und gut als Team funktioniert.
Nur die Liebe ist eben auf der Strecke geblieben und es war keine Energie mehr dafür da. Diese Energie hätte man aber investieren müssen. Ich denke das ist ein Fehler, den wir nicht erneut machen werden. Wir sind ja nun "sensibilisiert" dafür, werden es mehr im Blick haben, schneller reagieren und die Affäre wird immer irgendwo im Hinterkopf noch präsent sein und als "Warnung" agieren, da wir an diesen Punkt nicht mehr kommen möchten.
Zitat von ElGatoRojo: Letztlich ist das doch eine Bauchentscheidung. Ob er bei einer zweiten Krise ebenso untertaucht oder ob er durch die erste Krise gelernt hat - da kann man vermuten und schätzen, aber man weiß es eben erst nach dem zweiten Ereignis. Ihm zuzutrauen, das dann zu meistern ist eben das Vertrauen in ihn.
Das ist schön gesagt, so empfinde ich es auch. Vertrauen ist eben auch eine Vorschussleistung und eine aktive Entscheidung.
Zitat von ElGatoRojo: Die meisten Leute geben eine zweite Chance. Aber ganz wenige geben auch eine Dritte..
Das könnte ich mir jetzt auch nicht vorstellen, so etwas noch einmal zu verzeihen.
Zitat von CleoK: Für mich ist unvorstellbar, dass man nach einem Affärenende noch befreundet bleiben kann. Macht natürlich einen Unterschied, wenn beide der Meinung sind, das Ganze zu beenden als wenn einer sich zurückzieht und der andere bleibt leidend zurück.
In unserem Fall hat mein Mann es für sich beschlossen, dass es enden soll und es dann "ausschleichen lassen", also nicht mehr wirklich auf ihre Nachrichten reagiert und keine Zeit mehr gehabt etc. Wahrscheinlich spielte da auch die Angst mit rein, was sie tun würde, wenn er es offiziell beendet. Das offizielle Beenden geschah dann erst durch mein Entdecken der ganzen Sache.
Aber obwohl sie dann diejenige war, die leidend zurückblieb, wünscht sie sich tatsächlich auch jetzt noch nichts mehr als eine Freundschaft zu meinem Mann beibehalten zu können. (was ihr meiner Meinung nach auch nicht guttun würde, wie soll sie sich da von ihm lösen können?)
Tatsächlich war das eine ihrer letzten Fragen an ihn: warum er es nicht direkt richtig beendet hat, dann hätte ich es ja nie erfahren und sie hätten wenigstens Freunde bleiben können. Boah hat mich diese Frage wütend gemacht. Ihre Idealvorstellung war, dass ich weiterhin ahnungslos bleibe und sie mir Freundschaft vorheuchelt, obwohl sie mich nicht leiden kann, um meinen Mann sehen zu können.
Für mich ist da denke ich ausschlaggebend, dass der betrogene Part nichts davon weiß, damit eine Freundschaft überhaupt noch funktionieren könnte. Aber von der Betrogenen zu verlangen, dass sie das aushält, das geht einfach nicht. Da muss man sich einfach irgendwo entscheiden.