Mitternacht
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Wozu ich diesen Beitrag schreibe, ist mir noch nicht ganz klar. Vielleicht möchte ich einfach meine Gedanken ordnen und platzieren. Vielleicht erhoffe ich mir auch das eine oder andere tröstende Wort.
Wir sind beide 33, waren knapp 2 Jahre ein Paar. Ich habe ihn sehr geliebt - liebe ihn noch immer. Er hat mir vor 3 Wochen gesagt, dass er eine Arbeitskollegin geküsst habe und sich seither seiner Gefühle für mich nicht mehr sicher sei. Er müsse sich klar werden, was er jetzt wolle. Es klingt nicht nach einer langen Zeit, doch er hat mich 1 Woche lang warten lassen. Ich ging in diesen 7 Tagen durch die Hölle, hab ihn mehrmals gebeten, mit mir zu sprechen. Ich wollte, dass wir gemeinsam herausfinden, was passiert ist und dass wir gemeinsam eine Lösung finden. Während unserer Beziehung habe ich die offene Kommunikation zwischen uns als eine unserer wertvollsten Eigenschaften gesehen. Doch er ist mir ausgewichen, hat mich sogar auch ignoriert.
Als wir dann endlich reden konnten, meinte er, er fühle sich in einer Beziehung eingeschränkt. Die zweite Sache, die unsere Beziehung so wunderbar gemacht hat, war die Tatsache, dass wir uns gegenseitig keine Freiheiten untersagt haben. Sprich: Wir haben uns im Schnitt einmal pro Woche getroffen, konnten die schönen Seiten einer Partnerschaft geniessen ohne uns eingeengt zu fühlen. Doch Treue war natürlich die Voraussetzung - auf beiden Seiten. Ich fiel aus allen Wolken, als er mir sagte, dass es ihm genau darum gehe. Er wolle "ohne schlechtes Gewissen" mit anderen Frauen schlafen können. Es hätte nichts mit mir oder unserer (emotionaler wie körperlicher) Beziehung zu tun, sondern damit, dass sein Drang nach sexueller Freiheit stärker sei. Es kam alles so plötzlich, erst 2 Wochen zuvor hatten wir noch darüber gesprochen, wie glücklich wir beide mit unserer Beziehung seien.
Es fühlt sich unfassbar erniedrigend an für eine solche Bedeutungslosigkeit verlassen zu werden. Ich weiss, dass ich nichts daran ändern kann, seine Entscheidung ist definitiv. Doch ich hätte mir so sehr gewünscht, dass er mich wenigstens in seine Entscheidungsfindung miteinbezogen hätte.
Es ist alles noch sehr frisch und ich weiss, ich bin in der Phase, in der ich mir einfach nur das Glück zurückwünsche, das wir bis vor Kurzem teilten. Mein Herz will nichts mehr, als dass er anruft und alles zurücknimmt. Doch ich weiss auch, dass ich keinesfalls zurück kann. Wie könnte ich noch in den Spiegel schauen? Was mir wohl am schwersten fällt, ist, wie sehr die eigene Erwartung an Zufriedenheit abnimmt in dieser Zeit. Glück bedeutet derzeit alle drei Tage ein Hungergefühl zu empfinden, nachts nicht vor 4 Uhr morgens weinend aufzuwachen oder eine Stunde lang bei der Arbeit an etwas anderes als an ihn zu denken. So kann und will ich nicht sein und gleichzeitig weiss ich, dass ein langer Weg vor mir liegt bis ich wieder ich selber sein werde.
Mir ist klar, was ich zu tun habe. Ich lenke mich so gut es geht ab, versuche, meine Tage zu strukturieren, neue Menschen zu treffen, nehme zusätzliche Projektanfragen bei der Arbeit an, spreche stundenlang mit Freunden, heule mich aus und gehe regelmässig raus an die Luft. Und ich weiss, dass der Schmerz weniger werden wird. Doch im Moment trifft er mich noch mit voller Wucht und besonders die Momente des Aufwachens, wenn er innert einer Millisekunde zuschlägt und mir vor Augen führt, dass das Aufwachen eher ein Eintauchen in einen Albtraum ist, sind einfach nur furchteinflössend.
Danke fürs Lesen.