Zitat von Naivling:Gerade die Frage, ob man die Person liebt oder das Gefühl, das sie einem vermittelt, finde ich schwer zu beantworten.
Speziell in Affairen ist diese Frage auch besonders schwer zu beantworten, denn man hat ja kaum bis keine Gelegenheit, den Affairenführer gründlich kennenzulernen. Über Wochen, Monate, Jahre hinweg verbringt man immer nur Schäferstündchen - aber echte Hürden im Leben (Familie gründen, gemeinsames Hausprojekt, Eltern- und später eben auch Partnerpflege) nimmt man mit ihm ja nicht.
Zudem ist da immer die Komplizenschaft, dieses Verschworensein gegen den Rest der Welt. Das führt zu einer speziellen Bindung, die wegfallen würde, könnten die Affairenpartner sich offen zueinander bekennen.
Was den Hormonrausch anbelangt, der wird in Affairen insofern getriggert, als man nie wirklich in einer Beziehung ankommt. Es kann ja jederzeit von jetzt auf gleich vorüber sein. Das erzeugt eine ständige Spannung, nie nimmt man den Affairenpartner für selbstverständlich, nie fühlt man sich an seiner Seite so sicher, wie ein Festbeziehungspartner es meint zu können. Ist man ja auch nicht, sonst wäre es ja keine Affaire.
Je nachdem, wie die Affairenpartner damit umgehen, spielen sie sogar noch mit dieser Spannung - etwa indem der AM sich immer mal wieder vorübergehend rar macht, um dann doch wieder Rauchzeichen von sich zu geben. Da wird hier mal ein Stöckchen geworfen, indem man für ein paar Wochen mit der Gattin in Urlaub fährt, da mal ein Hölzchen gezündelt, indem man so ganz nebenbei erwähnt, das man manchmal ja eben doch von einer gemeinsamen Zukunft träume... und schon brennt das Kopfkino lichterloh.
Schau Dir mal den Film "Die Brücken am Fluss" an. Mein Lieblingsbeispiel, mittlerweile - ich hatte dazu unter
ein-thread-ueber-affairenfilme-t54228-s15.html#p1889679 nebenan mal was geschrieben. Wo bitte war zwischen diesen beiden "Liebenden" mal sowas wie Alltag zu sehen? Ich meine so banale Kleinigkeiten wie beispielsweise, daß einem von beiden mal mitten im Beischlaf versehentlich ein Furz entfahren sollte. Oder daß ihnen nach 4 Tagen schlicht und ergreifend der Gesprächsstoff ausgeht, weil Francesca mal wieder voll damit beschäftigt ist, den Frühstückstisch für alle so perfekt wie möglich zu decken, so daß sie gar nicht zuhören kann oder will... Oder daß einer von ihnen seine Arbeit verliert und somit auf der Brieftasche des anderen rumhängt - also nicht nur für ein paar Wochen, sondern monate- oder gar jahrelang.
Laß es mich mal so sagen: Wenn Du jahrelang nur Wasser getrunken hast, dann kommt Dir ein Glas Wein womöglich wie der Inbegriff von Genuß und Muße vor. Aber wenn Du täglich zum Essen Wein serviert bekommst, wirst Du irgendwann besorgt auf Deinen Cholesterinspiegel schauen und irgendwann womöglich fröhlich beschließen, lieber nur noch Wasser zu trinken, um Dich insgesamt wohler zu fühlen und gesund alt werden zu können.
