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Gast
ich bin ratlos, verwirrt, versuche mir darüber klar zu werden, dass es endgültig vorbei ist, mache mir aber dennoch Hoffnung.
Mein nunmehr Ex Freund (33) und ich (w, 31) lernten uns vor 3 Jahren über die Arbeit kennen. Vor einem Jahr fingen wir an, miteinander auszugehen. Vor einem halben Jahr wurde daraus eine feste Beziehung. Vor drei Wochen beendete er diese.
Er ist ein sehr distanzierter, reservierter Typ, der viel Raum und Zeit (für sich) braucht. Dennoch hat er einen außergewöhnlich großen Freundeskreis, über weite Teile Deutschlands verteilt. Vor allem sehr viele Freundinnen, die sich gefühlt mit ihren Problemen immer nur an ihn wenden und die viel Zeit in Anspruch nehmen, lange Telefonate, Treffen an den Wochenenden oder auch unter der Woche. Er hatte bisher hauptsächlich Fernbeziehungen.
Ich brauche viel Nähe, habe einen kleinen, aber dafür umso engeren und intensiveren Freundeskreis und hatte noch nie eine Fernbeziehung.
Wir trafen uns immer nur an einem Tag am Wochenende und ich blieb für eine Nacht. Am nächsten Nachmittag musste ich immer gehen, weil er noch mit Freund*innen verabredet war. Unter der Woche trafen wir uns nur selten.
Ich lernte seine Freund*innen nie kennen, er nahm mich nie mit und erzählte auch nie, mit wem er sich trifft oder was sie machen, er nannte nie irgendwelche Namen. Es hieß immer nur, ich bin jetzt mit einem Freund oder einer Freundin verabredet und wir gehen was Essen oder Trinken. Er fragte nie, ob ich mitkommen möchte.
Wenn ich fragte, ob ich mitkommen kann, dann passte es nie.
Mit seinen Freund*innen fährt er sieben bis vierzehn Tage gemeinsam in den Urlaub, wenn wir vier Tage gemeinsam im Urlaub waren, hatte er genug, dann wurde es ihm einfach zu viel und er brauchte Zeit für sich.
Beruflich sind wir beide seit einigen Monaten sehr eingespannt, stehen unter großem Druck und Stress.
Vor drei Wochen kam es nun zum Trennungsgespräch. Von der Stimmung her war abzusehen, in welche Richtung dieses Gespräch führen würde, auch wenn es mich überraschte. Wir hatten in den letzten Wochen zwar einige Diskussionen, auch weil ich oft verletzt war, weil er mich auf Abstand hielt und mich nie mit zu seinen Freund*innen nahm, obwohl es für mich ganz selbstverständlich ist, aber ich dachte, wir würden dieses Gespräch nutzen, um Lösungen und Kompromisse für die unterschiedlichen Bedürfnisse zu finden und dass wir darüber reden würden.
Er fragte als erstes, ob für mich nur eine feste, monogame Beziehung in Frage käme. Ich bejahte dieses. Ich fragte ihn, was für ihn das größere Problem sei, monogam oder feste Beziehung. Er antwortete feste Beziehung.
Er erzählte, dass er mich unheimlich mit der Arbeit verbindet und deswegen nur schwer abschalten kann. In Bezug auf die Arbeit sagte er immer wieder, dass die Arbeit überhand nimmt, er nicht mehr kann und er absolut an seiner Grenze, eigentlich schon darüber hinaus sei.
Er arbeitet sehr viel. Und dass er nur schwer abschalten kann, war schon ein Problem, noch bevor wir anfingen miteinander auszugehen. Auf Firmenfeiern erwähnte er dies immer wieder.
Ich fragte ihn, was er möchte, was für ihn gerade das größte Problem darstellt. Er konnte die Frage nicht richtig beantworten.
Er sagte, dass er im Moment nichts festes kann, wenn nur was lockeres. Dass er zwar in mich verliebt ist, mich aber nicht liebt und dass es da für ihn Abstufungen gibt. Bei diesem Gespräch sagte er mir zum ersten Mal, dass er in mich verliebt ist.
Ich hatte ihm bereits ein paar Tage zuvor den Vorschlag gemacht, dass wir uns weiterhin am Wochenende treffen, aber zusätzlich alle zwei oder drei Wochen an einem Abend unter der Woche zusätzlich, um unsere beider Bedürfnisse zufriedenzustellen.
Ich sprach ihn auf diesen Vorschlag an und fragte ihn, ob wir es probieren wollen. Er antwortete, dass er glaubt, dass er das nicht möchte. Dass er für eine feste Beziehung nicht genug empfindet. Dass mir die regelmäßigen Treffen in den letzten Wochen wichtiger waren als ihm. In der letzten Woche bevor er es beendete haben wir uns für unsere Verhältnisse sehr viel gesehen.
Er hat auch schon darüber nachgedacht, ob er aufgrund früherer schlechter Erfahrungen, eine innere Hemmschwelle hat, die ihn nur bis zu diesem Punkt empfinden lässt, an dem er jetzt ist, oder ob er doch über dieses Level hinaus empfinden kann.
Ich merkte, dass es keine Chance mehr gibt und sagte ihm noch, dass ich zwar sehr oft verletzt war und deswegen oft weinte, ich ihm aber das nie zum Vorwurf gemacht habe oder es ihm nie nachgetragen habe, weil ich bis vor wenigen Jahren genauso große Probleme hatte Gefühle zuzulassen, oder gar über sie zu reden. Dass ich ihm die Zeit gegeben hätte, die er gebraucht hätte, weil ich ihn und uns nicht aufgegeben hätte.
Aber dass es auch keine zweite Chance mehr geben würde, wenn er es nun endgültig beendet, weil ich es ein zweites Mal nicht verkraften würde. Dass ich ihm und uns jetzt die zweite Chance geben würde, weil ich an uns glaube, aber später kann ich es nicht mehr.
Er sagte, er glaube nicht, dass es das ist, was er möchte und wenn er es in einem Monat bereut, muss er selbst damit fertig werden und beendete es damit.
Ich bin drei Wochen durch die Hölle gegangen, bzw. gehe immer noch durch sie hindurch. Es herrscht ein absolutes Gefühlschaos von absoluter Hoffnung, dass er doch noch zu mir zurückkommt bis zu den Gedanken, er wird nicht mehr zurückkommen. Es ist vorbei.
Meine aktuell größte Sorge ist, dass ich langsam wieder zurechtkomme und er sich genau in diesem Moment meldet und alles wieder von vorne beginnt. Der Verlust ist unendlich schmerzhaft und unfassbar groß. Er hat sehr viel Platz in meinem Leben eingenommen. Ein zweites Mal würde ich das einfach nicht schaffen.
Vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, meine Geschichte zu lesen.