Karl_Martell
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ich denke mir gerade so: Wenn Du beim Betreff/Titel schon so lange brauchst, um das Thema zu treffen, dürfte es im Text mal so richtig schwierig werden. Ich versuche es trotzdem, denn es zerreißt mich langsam aber sicher. Vorab herzlichen Dank an alle, die hier lesen:
Vorgeschichte
Meine Liebe, ich nenne Sie im Verlauf "Julia" und ich sind seit circa 11 Monaten in einer Beziehung. Der Start war, wie so oft, wunderschön, auch im Verlauf haben wir uns viel gegeben. Wir haben viel unternommen, waren in Urlauben, haben unsere freie Zeit (davon gab es berufsbedingt leider nur wenig) genossen, haben unsere Gemeinsamkeiten aber auch unsere Unterschiede ergründet. Alles in allem eine tolle Zeit.
Wir wissen von uns beiden, dass sie eher der emotionale Mensch ist, ich der rationale. Mit genügend Objektivität kann man einschätzen, dass es hierbei auch schon mal zu Differenzen kommen kann. Ich will nicht direkt von "Vernachlässigung" sprechen, wenn ich sage, dass sie sich teilweise zu wenig berührt gefühlt hat, mehr kuscheln wollte etc., denn wir waren uns dennoch sehr nahe. Es gab die gesamte Zeit hindurch keinen Spaziergang oder Bummeltag, an dem wir nicht Arm in Arm oder Hand in Hand gegangen sind (steht nun exemplarisch für die Nähe, die wir hatten). Von "Kälte" oder übermäßiger Distanz würde ich daher nicht sprechen wollen. Wir haben darüber auch einige Diskussionen gehabt, in denen ich [natürlich] immer einen sachlichen Grund hatte.
Aus mehreren Gründen (Beruf, Familie (Eltern und Co.), eigener Gesundheit) habe ich Ab ca. 2 Monate vor Ende der Beziehung (übrigens erst wenige Tage her) - auch für mich merklich - emotionale Distanz aufgebaut. Ich musste einfach meine Emotionen an anderen Stellen einsetzen (ja, klingt rational, habe aber gerade keine andere Umschreibung dafür). Das bedeutete nicht, dass wir uns körperlich nicht mehr nahe waren. Jedoch: Sex und dergleichen blieb aus. Weil wir uns in diesen acht Wochen trotzdem gut verstanden, keinen Streit hatten, und uns in diversen Situationen ergänzten, war das [vermeintlich] in Ordnung für sie.
Kern des Themas
Dann schlug die Stimmung um. Und zwar so richtig, richtig plötzlich. Dienstags fragte mich Julia per Chat, ob alles in Ordnung sei - sie habe ein seltsames Gefühl. Ich beteuerte ihr, dass durchaus alles OK sei, bis auf die Dinge ("mehrere Gründe", siehe oben), von denen sie jederzeit transparent wusste.
Mittwochs dann (an der Stelle sei kurz erwähnt, dass wir von Beginn sehr viel über einen Messenger geschrieben haben, nahezu jeden Tag, den wir uns nicht sehen konnten, diverse Smiley-Partys (Küsschen hier, Küsschen da), Statusmeldungen, Gute Nacht-Gute Morgen Nachrichten etc. geschrieben haben) änderte sich ihr "textlicher Auftritt". Von Kosenamen komplett weg, begann sie plötzlich mit eiskalten Texten, statisch und distanziert. Mein Bauchgefühl (darauf ist seit einigen Jahrzehnten für mich Verlass) teilte mir mit: Da stimmt was nicht, sei wachsam! Also fragte ich, was los sei. Es ging ein bisschen hin und her, steigerte sich aber in der "Aggression" merklich. Man würde sagen, es schaukelte sich hoch, bis samstags. Ich war auf diese Art Konversation nicht vorbereitet, bin aber auch kein Mensch, der sich scheut, Herausforderungen anzunehmen. Gesagt, getan - wir haben uns für ein persönliches Gespräch verabredet.
Sonntagdann haben wir uns getroffen. Sie betrat mit hängenden Schultern meine Wohnung. Keine freundliche Begrüßung, keine Umarmung, kein Kuss (Mindeststandard bei uns, in der Vergangenheit). Mir war bauchgefühlt klar: Das wird hier und heute ein Ende finden. Fragt mich nicht, warum mir das da schon klar war. Wir haben drei, vielleicht vier Stunden gesprochen, haben unsere Sorgen, Ängste, aber auch guten und positiven Empfindungen für unsere Beziehung. Das Gespräch war ruhig, dennoch von Tränen begleitet - sie fühlte sich teilweise überrannt von meinen Liebesgeständnissen, die, und das muss ich an der Stelle klar sagen, einfach den Status quo darstellen, und nicht als verzweifelter Versuch zur Rettung dienen sollten.
Im Verlauf des Gesprächs bahnte sich ein Entscheidungskonstrukt an, welches keins war: Bleiben und optimieren oder gehen. Ebenfalls im Gesprächsverlauf fielen mir Dinge auf, die ich par tout nicht zuordnen konnte. Dabei waren wichtige Aussagen wie "warum hast Du mir das nicht vor 8 Wochen schon gesagt" oder "es wäre unfair, jetzt bei Dir zu bleiben". Alarmglocken! Es drehte sich also nun dem Ende hin: Ich habe ihr gesagt, und meinte das auch so, dass wir jede der Entscheidungsmöglichkeiten gemeinsam treffen - aus aufrichtiger Liebe. "Wir" entschieden uns also für die Trennung. Wir packten ihre Sachen aus diversen Schränkchen und Kistchen zusammen und ich begleitete sie noch zum Ausgang.
Fataler Teil des Themas
Sie hat eines ihrer Handys (Smartphone, natürlich) vergessen.
Was tust Du in so einem Augenblick, als gerade Verlassener, dem das Herz in tausend Teile zersprungen ist, in dem bauchgefühligen Wissen, dass da irgendwas sein muss? Richtig: Du hackst Dir lieber die Hände ab, als diesen Vertrauensbruch zu begehen, und zu spionieren. Denkste Dir so. An Schlaf war nicht zu denken. Also: Raus, laufen, abregen, bloß nicht dran denken, was da sein könnte und was man sehen könnte, wenn man nur nachschaute.
Knapp 6 Stunden später dann, als ich wieder daheim war, habe ich geheult, die Zerstörung meiner Welt, wie ich sie hatte und wir sie geplant hatten, begann wie ein Tsunami, über alles hereinzubrechen. Alle Gefühle, der absolute Tiefpunkt seit vielen Monaten. Und immer die brutal mitschwingenden Fragen: Warum? Warum so? Warum so plötzlich? Immer und immer wieder.
Es ging nicht mehr, ich musste wissen, was da los war. Und habe einen Vertrauensmißbrauch begangen, der gegen jedes Grundvertrauen stößt. Ich nahm ihr Handy und schaute rein. Ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich fand, ohne groß zu suchen, einen Chat-Verlauf mit einem Mann aus einer nicht weit entfernten Stadt. Dem Verlauf nach hat er sie angeschrieben, weil sie sich irgendwann mal unverfänglich gesehen hatten (dienstlich). Der Chat war zunächst normal. Ein bisschen flirty vielleicht. Nichts, was ich nicht auch als liebender Partner toleriert hätte. Und dann wurde es pikanter. Man verabschiedete sich mit Gute-Nacht-Kuss-Smileys, verabredete sich um gemeinsamen Essen, einem "Couch-Abend", plante weitere Wiedersehen. Das lief seit. genau: 8 Wochen.
Aufgekratzt und angestachelt durch diesen Schock habe ich weiter geschaut und einen digitalen Brief (eine Woche alt) gefunden - und der hat mir dann endgültig den Boden unter den Füßen weggezogen. Liebesbekundungen noch und nöcher! Auszug gefällig? Bitte: "Ich wusste immer, das mit uns ist echt", "In tiefer Liebe", "ich wünsche mir viele Kinder von Dir!", "auf baldige Heirat!". Ja, genau so habe ich auch geguckt. Ich war platt. Am Ende. Komplett durch. Natürlich war an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich konnte mir zu dem Zeitpunkt nur vorstellen, dass die Beiden irgend ein Spiel spielen. Ich meine: Nach dieser kurzen Zeit?! Und dem Chatverlauf nach haben sie sich einmal, maximal zweimal erst gesehen (wenn überhaupt)?! Ich habe das Handy beiseite gelegt und Julia darüber informiert, dass sie noch etwas vergessen habe. "Danke, ich hole es morgen ab, wenn das für Dich in Ordnung ist" - war es. Die Übergabe verlief kurz aber freundlich. Ich konnte und wollte nicht offenbaren, was ich gesehen habe.
Später am Tag schrieb ich Julia noch eine lange, sehr lange Nachricht - habe sie aber noch nicht abgeschickt. Ich schrieb ihr unter anderem, dass ich zu wissen glaube, was sie mit ihrer Aussage "Warum hast Du mir das nicht vor 8 Wochen gesagt?" meint und glaube (und fühle), dass sie jemanden kennengelernt hat. Kein Fleh- oder Drohbrief, sondern einfach meine Erkenntnisse aus der Beziehung als Wegbegleiter für ihre Zukunft. Natürlich schrieb ich ihr, dass ich sie liebe und ihr nur das allerbeste wünsche - sie aber endlich an ihrer Ehrlichkeit arbeiten müsse.
Zugegeben: Ich kann bei so etwas sehr schnell sehr große Distanz (in den Augen anderer) aufbauen. Danach: Ruhe. Dass ich selbst immer noch kein Auge zu tun konnte und die Uhr mittlerweile 0:00 Uhr schlug, habe ich mir auch die folgende Nacht an die Backe geschmiert (meint: nicht geschlafen) und die Nachricht wieder gelesen, korrigiert, überarbeitet. Bis ich soweit war und die Nachricht abschickte, war es der sonnige Mittag des Folgetags.
Keine Antwort.
Abends dann, ein Anruf. Julia war mit schluchzender und verweinter Stimme dran. Sie bat mich, ihr Teile aus der Nachricht nochmals zu erläutern. Nicht fordernd, freundlich bittend. Sie sprach diverse Abschnitte an, ich äußerte mich dazu und sie verstand, was ich schrieb. Und dann kamen wir zum Abschnitt, in dem ich Julia mit ihrer Aussage "[. ] 8 Wochen" konfrontierte. Natürlich mit der Absicht, sie zu einer Aussage von sich aus zu bewegen, sie dazu zu bekommen, jetzt, wo alles eh vorbei ist, die Wahrheit zu sagen. Gründe zu nennen. Denkste. Sie stritt diese Passage völlig ab, es sei in ihren Beziehungen immer die Bedingung des Grundvertrauens gewesen, dass, wenn es jemand anderen gäbe, das immer offen und rechtzeitig kommuniziert würde.
Julia sagte, sie habe große Angst, einen großen Fehler gemacht zu haben. Dass die Entscheidung zu gehen falsch war. Sie wisse es aktuell nicht, ihr Geist sei wie vernebelt. "Verständlich", konnte ich da nur widergeben.
Das Telefonat endete mit dem Konsens, dass Julia jetzt Zeit, Abstand braucht, um über die Trennung und das, was ich ihr im Gespräch gesagt hatte, nachzudenken. Sie möchte (und bat höflich, freundlich und wirklich "bittend") am Ende der Woche nochmals mit mir sprechen. Um über das Nachgedachte zu reden.
Der Status quo
Ich sitze hier, vor meinem Rechner und schreibe euch. Wissend, dass Julia jemanden regelrecht ge-Love-Bombed hat (wer nicht weiß, was Love Bombing ist, möge das gern mal googlen. Interessantes Phänomen.) und womöglich noch bis gerade jetzt und darüber hinaus mit diesem Typen in Kontakt steht, sie sich womöglich sehen oder gesehen haben. Und, dass ich es nicht verstehe. Gar nicht. Nicht diesen Verlauf (der wirklich so krass und abrupt war, wie er hier beschrieben wurde), nicht diese Entscheidung, nicht dieses Weglaufen.
Die Frage(n)
Was, wenn Julia jetzt am Ende der Woche, ihre Entscheidung gründlich überdacht hat, und zu dem Ergebnis kommt, dass sie falsch war? Was, wenn sie sich den Neustart unserer Beziehung wünscht? Ich wäre doch blöde, wenn ich es nicht tun würde - wenn nur dieses Geheimnis nicht wäre, von dem immer noch kein Wort gefallen ist. Weder von Julia noch von mir.
Soll ich sie darauf ansprechen? Soll ich ihr gestehen, dass ich Dinge weiß, die sie abstreitet? Ein Neustart unter diesen Umständen wäre doch beiderseits verlogen, nicht?
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Ich bin, und das meine ich mit jedem Buchstaben so, völlig verzweifelt, weil ich nicht weiß, was ich tun soll. Was sagst Du dazu?
Bis hierhin waren das jetzt 1072 Wörter. einen ganz besonderen Dank, wenn Du bis hier gelesen hast. Deine Meinung dazu wäre mir immens wichtig.
Sonnige (rein wettertechnisch) Grüße
Karl_Martell
PS: Es gibt noch eine tl;dr Variante:
Freundin macht trotz guter und liebevoller Beziehung Schluss, ich checke ihr Handy (böse
), sehe, dass sie heftigst mit mit einem Anderen flirtet (mindestens, Essengehen und Treffen sind kommuniziert, kann aber den Vollzug nicht nachweisen), ich konfrontiere sie nicht mit meinen Erkenntnissen, sondern versuche ihr das mit umgehenden Fragen zu entlocken, sie gibt es immer noch zu 0% zu, (Ex-)Freundin fürchtet sich, dass Schluss Machen falsch war, möchte nochmal mit mir reden, ich fürchte mich vor einem vertrauenslosen Neustart der Beziehung (Vertrauen beiderseits mißbraucht, sie "geht fremd", ich kontrolliere ihr Handy)