Hallo,
man steht da und weiß manchmal ganz klar - da gehts lang, lässt los für einen Augenblick und es fühlt sich fast befreiend an. Der Glaube, dass man jetzt bei sich ist, wieder bei seinen Kindern, keine traurigen Tage mehr, weil man in einer Beziehung steckt, in der nur Angst ist.
Ich war der Grund für einen Mann sich von seiner Frau und seinem Familienleben zu trennen. Ich hab mich da nicht reingesteckt, war keine Geliebte, wollte nichts kaputtmachen, hab mich zurückgezogen von diesem Mann - aber er kam nach, suchte mich in meiner Stadt, an den Plätzen zu denen ich musste. Er war so präsent. Ich konnte irgendwann nicht mehr lassen. Sein Wesen versprach Ankommen, zu Hause sein. Er war ganz nah bei mir, hielt Einzug in meinen Alltag, mein Leben und das Leben meiner Kinder.
Ganz tief in mir war da immer diese Stimme, die sagte, dass ich nicht für die Ewigkeit für ihn sein werde, nur ein Grund um gehen zu können aus der Ehe. Da war noch eine andere Stimme, die sagte, dass hier ist besonders, der ist es, auf den ich so lang gewartet habe.
Ich ließ meine Angst los und er ging zurück zu ihr. Ich war verzweifelt. Hab all die Dinge erlebt, die man durchlebt, wenn man verlassen wird. Hab an seine Frau gedacht und mich erneut gefragt, wie sehr sie gelitten haben muss - damals... als er zu mir ging.
Er kam zurück zu mir. Ich konnte es nicht fassen. Ich war so glücklich. Hab daran geglaubt, dass es seine Art ist, mit diesem schrecklichen Verlust einer Ehe/Kinderalltag, seiner Frau so weh tun zu müssen...klarzukommen. Ich hab immer auch an sie gedacht und es tat mir ohne Ende leid, aber dieser Mann hat so viel getan, um meine Türen alle aufzumachen, dass ich keine Kraft mehr hatte mich gegen dieses Lieben zu wehren. Er kam und ging - immer wieder. Ich ließ mich immer wieder auf ihn ein. Alles war voller Angst. Ich deutete kleinste Rückzüge schon, ob er wohl wieder an uns zweifelt. Er wohnte 1,5 Jahre bei mir und meinen Kindern und ich konnte nicht mehr durchschlafen, essen, mit den Kindern glücklich sein... Ich liebe diesen Mann so sehr, dass ich bei all dem Schmerz, der Unsicherheit, der Angst mein Leben nicht mehr leben, aber ihn einfach nicht loslassen konnte. Ich hatte das Gefühl, wir wären füreinander bestimmt. Er trug mich für kurze Zeiten in seiner Hand durch die Welt, beschützte mich, gab mir das Gefühl von absoluter Sicherheit, um dann im nächsten Moment fort zu gehen - allein sein zu müssen, dann wiederzukommen. Immer und immer wieder.
Dieses Mal ist es anders. Er ist gegangen und er wird nicht zurückkommen. Da ist Erleichterung und ganz viel Trauer. Warum die ganze Zeit all das Leid, all die Angst, all die Zweifel, wenn wir am Ende nichts gewonnen haben. Da ist eine Antwort, die sagt, eine Beziehung hat einen Sinn und wenn sie diesen Sinn erfüllt hat, muss sie einen neuen Sinn bekommen, oder sie zerbricht. Manchmal ist der Sinn mit dem Kinderkriegen erfüllt und man findet nichts Neues. Ich begreife wohl, dass ich den Sinn für ihn erfüllt habe, aus der Ehe zu gehen, an die er, wie er sagte, nicht mehr geglaubt hat. Er hatte mich irgendwann lange vor unserer Zeit gesehen. Ich hab ihn nicht wahrgenommen. Wir saßen in der Notaufnahme mit unseren Kindern. Er dachte, ich wäre die eine Frau mit der er leben will. Er hätte es in meinen Augen gesehen. Er hat mich ein Jahr später wiedergefunden, war glückllich und hat alles getan, damit wir uns kennenlernen. Von seiner Frau hat er sich getrennt, bevor es mit uns losging. Ich habe das nicht gewollt und ich habe es absolut verdient, dass er mich nun auch für eine andere verlässt.
Vor einigen Wochen kam ich an einem Fenster vorbei, indem sinngemäß stand " Perspektivwechsel! Wenn sie immer das tun, was sie schon immer getan haben, werden sie auch immer da stehen, wo sie jetzt schon sind." Ich dachte damals, ich müsste ihn endlich loslassen, damit meine Kinder nicht wieder und wieder erleben müssen, dass ich traurig und mit leerem Blick dasitze, weil mal wieder die kleinen Rückzüge begannen und ich voller Angst und Druck war und nicht mehr denken konnte. Ich konnte den beiden Menschen, die alles für mich sind nicht mehr zuhören, nicht mehr bei Ihnen sein, nicht mehr bei mir sein, weil ich nur noch Angst hatte diesen Mann an meiner Seite zu verlieren.
Es war nicht alles schlecht. Er gab mir für Augenblicke das Gefühl, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Ich wusste von Anfang an, dass die Umstände so schwer sind, dass es nicht leicht wird, aber ich habe geglaubt, wir werden irgendwann über diese Schwere lachen.
Ich dachte auch allen Ernstes, dass auch seine Frau irgendwann sehen wird, dass sie anders glücklicher wird. Ich bin auch so realistisch, dass ich jetzt für mich denke, dass bei all dem Schmerz und Unbegreiflichen alles gut ist wie es ist, sonst wäre es anders. Am Ende wird doch alles gut, sonst ist es noch nicht das Ende, oder wie heißt es?
Im Moment ist es auszuhalten. Ich muss aufhören an Bestimmung füreinander zu glauben. Muss an meine körperliche Unversehrt heit denken. Ich zwinge mich sogar daran zu glauben, dass er jetzt seine inneren Zweifel los ist, die Anspannung und das er genau wie ich ein Recht auf Glück hat. Es ist nur so unbegreiflich, wie schnell es geht, dass man gerade noch alles voneinder gesehen hat, sich ganz nah war - und dann geht man aus dem Leben das anderen in eine neue Beziehung und der einst besondere Mensch ist ganz weit weg, vergessen. Ich quäle mich selbst mit den Gedanken, dass ich kein Recht habe, traurig zu sein. Ich habe eine Ehe kaputtgemacht werden viele sagen - ich habe das verdient, aber ich bin doch gar nicht schuld. Ich habe diesen Mann doch gar nicht angesprochen. Ich habe mich nicht dazwischengestellt. Ich war nur da, hab nur in dieser Stadt gelebt und er hat um mich gekämpft, gewonnen am Ende und mich doch wieder losgelassen. Vorbei die großen Worte seinerseits " Guten morgen mein Schatz, ich liebe dich."
"Ich liebe dich so sehr, dass es weh tut." "Verlass mich nie, du bist meine Frau."
Er geht und sagt, er will alleine und frei sein und er hofft, ich werde das irgendwann verstehen und nicht böse auf ihn sein.
Ich verstehe das jetzt schon, aber es tut so schrecklich weh! Immer wieder diese Träume von uns und dann wachwerden - allein. Immer wieder die Fragen, warum...
Sein Geruch in der Luft, die Musik, sein Lachen, immer überall er....
Was haben wir nur getan? So viel ist kaputtgegangen. So vielen Menschen hat es weh getan.
Ich fühl mich schrecklich. Seine Frau fühlt sich schrecklich. Ihre Kinder fühlen sich schrecklich. Meine Kinder fühlen sich schrecklich.
Er hat so oft Angst gehabt, wenn ich enttäuscht war, leer dasaß, dass ich denken könnte, dass es besser gewesen wäre, wenn wir uns nicht getroffen hätten für mich. Bei all dem Schmerz hab ich das nie gedacht.
Aber es wäre besser für seine Frau gewesen, dachte ich. Ich würde die Zeit gern zurückdrehen, an diese Stelle, wo ich hätte abbiegen können. Wäre er dann glücklich bei ihr? Aber sein Wesen hat meinen Widerstand gebrochen und sein Lächeln hätte mich nicht abbiegen lassen können. Ich liebe diesen Mann, auch wenn ich nicht begreifen kann warum.
Jetzt ist er ganz woanders.