Zitat von PuMa:Bitte erzähl mir, was du meinst. Wie ging die Geschichte deiner Tochter weiter. Es interessiert mich sehr.
Natürlich nur, wenn ich dir damit nicht zu nahe trete.
Mit 11 Jahren zeigte sie erste Symptome von Magersucht. Zunächst dachte ich, dass wir das ambulant in den Griff bekommen, aber dann ging es rasant voran und sie musste mit 12 das erste Mal stationär und künstlich ernährt werden. In der Klinik fiel sofort auf, dass sie eine Impulskontroll-Störung hat, da sie dort regelmäßig völlig ausgerastet ist und auch mit Selbstverletzungen anfing.
Nach der Klinik war es eine Weile vom Essen her ok, aber das Zusammenleben mit ihr wurde immer mehr zum Albtraum. Sie flippte immer völlig aus, wenn was nicht nach ihrem Kopf ging, wurde gewalttätig gegen mich und ihre kleine Schwester und verlor nach und nach total die Kontrolle. Dann nahm sie auch wieder ab und ging wieder ein halbes Jahr in die Klinik. Sie wurde 'rausgeworfen', obwohl sie noch an der Ernährungssonde hing und ich musste nach einem neuen Platz in einer Klinik suchen.
Das war eine furchtbare Zeit - sie verletzte sich massiv selbst, unternahm einen Suizidversuch und hatte dissoziative Zustände, aber alle Kliniken lehnten ab. Mein Exmann beschimpfte mich täglich, beschuldigte mich bei Therapeuten und Kliniken, sie misshandelt zu haben.
Endlich fand ich einen Klinkplatz weit weg von zu Hause, brachte sie hin und brach am selben Tag noch völlig zusammen. Voller Job, die kleine Schwester, die Verleumdungen des Ex und der Umgang mit ihr waren zu viel. Ich war dann ein halbes Jahr krank geschrieben und sie erholte sich gut in der Klinik.
Nach einem halben Jahr flog sie auch dort wegen Regelverstößen raus und war wieder zu hause. Gott sei Dank fand ich für sie dann einen Platz in einer betreuten Wohngruppe (da war sie dann 15).
Im Januar diesen Jahres hatte ich eine größere OP in Vollnarkose und als ich gerade aufgewacht war, klingelte das Handy und man teilte mir mit, dass sie nach einem Suizidversuch in der geschlossenen Psychiatrie ist. Sie kam dort stationär und flog auch dort raus - wegen Regelverstößen und Dro.. Das war im Februar und seit dem ist sie bei mir, weil dann Corona kam und die Wohngruppe nicht mehr aufnahm. Sie kann aber Ende Mai zurück und wird auch im Juni wieder in der Klinik aufgenommen. Im Moment ist sie relativ stabil, kann aber keinen Moment alleine sein und ich spüre schon wieder erste Anzeichen von Erschöpfung. So lieb ich sie habe und so schön es hier teilweise mit ihr ist, bin ich froh, wenn sie wieder in die Wohngruppe zieht. Inzwischen ist sie 16, ihre 13jährige Schwester ist sehr lieb zu ihr, aber auch erschöpft. weil bei der ganzen Situation wenig Kraft für sie übrig bleibt.
Zu meinem Geburtstag vorgestern haben die beiden mir 'brennende Brücken' von Judith Holofernes aufgenommen - zweistimmig und wunderschön gesungen. Sicher kannst Du Dir vorstellen, wie ich Rotz und Wasser geheult habe.
Wir können immer nur ein paar Wochen im Voraus planen - man weiß nie was passiert, aber trotzdem würde ich unser Verhältnis als sehr innig und schön beschreiben.