Zitat von PuMa:und immer es runter spielt, dass alles ihr ESE dran schuld ist..
Tut mir leid mit der Oma, die schießt dir ja ganz schön quer. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Dass deine Tochter sich schwierig verhält, hat ihr ja die Diagnose erst beschert.... oft ensteht ESE-Förderbedarf aufgrund familiärer Probleme, die mit entsprechendem ungünstigem Erziehungsverhalten der Eltern einhergehen (womit ich dich jetzt nicht kritisieren möchte, aber die Zusammenhänge sind nun mal in der Regel gegeben, auch oder gerade bei besonders wohlmeinenden Eltern die sich mit Grenzsetzung schwer tun). Finde es daher etwas ungewöhnlich, dass nur mit deiner Tochter therapeutisch gearbeitet werden soll, aber du keine vernünftige Beratung bekommst. Ich denke, du solltest da ruhig nochmal beim SPZ anfragen, oder mit den Schulsozialarbeitern reden, oder direkt mit dem Jugendamt. Leider ist es tatsächlich nicht immer einfach, an jemand Kompetentes zu geraten, hast das ja leider schon mit der AWO erlebt, aber den Versuch ist es sicher wert. Wunder können die allerdings natürlich auch nicht bewirken
Zitat von Mira_:Ich glaube, dass sie einfach in einer echt blöden und intensiven ( durch ihre Diagnose ) Phase ist
Du verwechselst hier mMn wie die Oma Ursache und Wirkung, die Diagnose ist nicht schuld an ihrer Situation, sondern die Diagnose ist die Folge ihrer Situation. Einen ESE-Förderbedarf zu entscheiden ist schon ein ziemlich heftiger Schritt, das macht man nicht aufgrund einer schwierigen Phase, sondern das bedeutet in der Regel dass das Kind in einer normalen Grundschulklasse absolut untragbar ist aufgrund seines Verhaltens (nicht aufgrund seines Intellekts, wie bei Förderkindern mit Schwerpunkt Lernen).
Zitat von PuMa:sie versucht immer Regeln auszuhebeln.
Das zerrt ganz schön an den Nerven. Dein Kind testet permanent deine Stärke. Es kostet Kraft, wenn das Miteinander kein harmonischer Selbstläufer, sondern ein ständiges Beharren auf alltäglichen Strukturen ist. Regeln sind unerlässlich für ein funktionierendes Miteinander. Wichtig für dich und die Kleine sind dabei klare und einfache, immer geltende Grundregeln, hält sie diese nicht ein, immer wieder darauf hinweisen, auf Einhaltung bestehen, alle Vergünstigungen streichen (Regelverstöße nicht belohnen, indem es trotzdem später dann noch "Zucker", gibt; ohne erfüllte Pflicht gibt es keine Kür. Ohne Erledigung der Hausaufgaben keine Reitstunde am Nachmittag, ohne Zähneputzen kein Süßes, ohne aufgeräumtes Zimmer kein Fernsehen usw.). Du solltest auf Ausnahmen verzichten, damit es wirklich zur Gewohnheit werden kann, dass die Regeln immer gelten. Ich würde diese auch eng mit der Schule abstimmen, z. B. Regeln übernehmen, die sie von dort vielleicht schon kennt.
Zitat von PuMa:egal was und wie ich ihr etwas sage, als Antwort bekomme ich ein Nein
Das klingt schon nach einem Automatismus. Zerrt auch furchtbar an den Nerven, und lädt zu einem unguten Machtkampf ein, der nur noch mehr schlechte Gefühle beschert, selbst wenn man sich als Erwachsener durchsetzt. Du könntest das Nein freundlich "überhören" und weiter die klare Linie verfolgen, Machtkämpfe vermeiden wenn möglich und solche Auseinandersetzungen eher durch ruhige Beharrlichkeit als durch Aufbrausen und Schimpfen regeln. Oder auch mal etwas erstaunt reagieren, weil es doch so selbstverständlich ist, dass man sich an die Regeln hält, die doch für alle Menschen gelten. Wichtig finde ich auch, dass dein Kind versteht, warum es sich an deine Ansagen halten soll (dazu gleich noch etwas), und dass sie nicht denkt, es geht nur darum wer von euch beiden sich durchsetzt. Regeln sollen also Sinn ergeben.
Zitat von PuMa:ich versuche ihr Dinge beizubringen, es kommt ein Nein zb in Sachen Hausaufgaben
Auch hier wieder: ohne Pflicht keine Kür, ruhig und klar und beharrlich bleiben.
Vielleicht nimmt es etwas Druck raus, wenn du dir vor Augen führst, dass ihr keine ständigen Sprints gegeneinander machen müsst, sondern dass du einen Marathon mit ihr läufst - es muss daher nicht jedesmal gelingen, dass du dich durchsetzt. Aber wichtig ist, dass du auf der langen Strecke am Ball bleibst. Erfundenes Beispiel: am Abend verweigert deine Tochter das Zähneputzen vorm Schlafengehen, egal was du anstellst, sie "gewinnt" dieses Machtspiel weil du deine ruhige und klare Haltung bewahrst und sie nicht anschreist oder Strafen androhst etc.., du sagst am Ende nur okay, das ist schade denn es ist ja wichtig für deine Zähne sie zu putzen, bringst sie ins Bett. Am nächsten Tag möchte sie Nachtisch, aber du hast den langen Atem und das gute Gedächtnis... leider hat sie ja am Vortag nicht die Zähne geputzt, da kann man nicht riskieren zuckerhaltige Speisen zu sich zu nehmen, aber sonst könnte sie natürlich gern vom Pudding essen... okay ist ein einfaches Beispiel aber ich denke das Prinzip wird klar: Regeln sind nicht dazu da, dass du sie mit Macht durchsetzt, Regeln sind auch nicht von dir erfunden um das Kind zu drangsalieren, sondern Regeln sind sozusagen eine "höhere Instanz" die zum Wohlergehen wichtig sind und du als Mutter hast eben die Aufgabe, deinem Kind diese Regeln beizubringen, aber es geht nicht darum, damit Macht über das Kind auszuüben - Macht ist oft ein Thema für solche Kinder - vielleicht kannst du es langfristig hinkriegen, dass ihr beide sozusagen auf der "selben" Seite der Regeln steht und dass diese nicht dazu da sind um Leute zu ärgern, sondern um Kinder und auch Erwachsene vor Ungemach zu schützen. Ich hoffe es ist einigermaßen verständlich, was ich auszudrücken versuche.
Zitat von PuMa:sie ist respektlos ( dass liegt mir am schwersten im Magen).
. Dass Zu mir, zu ihrer Oma, ihre Schwester. Eben ihren Haupt-Bezugspersonen.
Da die Oma das ja anscheinend gut findet und noch fördert, kann sie sich die Respektlosigkeiten ja weiterhin gefallen lassen. Du musst das jedoch nicht. Auch hier rate ich zu einer ruhigen aber klaren Haltung - behandelt dein Kind dich respektlos, stellst du deine Bemühungen um ein harmonisches Miteinander ein. Eine respektlose Behandlung kann durchaus zur Folge haben, dass du unmittelbar das Gespräch oder die gemeinsame Situation beendest (mit entsprechender ruhiger, freundlicher aber eindeutiger Ansage). Spannend wird das, wenn du damit eine Situation beendest, in der deine Tochter eigentlich deine Hilfe benötigt, also z. B. wenn sie dich respektlos behandelt während du ihr gerade hilfst (Hausaufgaben o. ä.) und du kannst mal herausfinden, wie sie damit umgeht, wenn du ihr dann aufgrund ihres Verhaltens die Unterstützung in diesem Moment nicht mehr zuteil kommen lässt und sie plötzlich alleine mit Mathe klar kommen muss, nachdem sie zuvor gelernt hat, dass es ohne erledigte Hausaufgaben keine Trainingsstunde im Sportverein und auch keinen Nintendo am Abend mehr gibt (ohne Pflicht keine Kür)
Letztlich ist das eine Sache, die man im Erwachsenenleben ja auch können muss: begreifen, dass das eigene Verhalten Konsequenzen hat, die teilweise echt unangenehm werden können - für einen selbst. Das kann man seinem Kind am besten vermitteln, wenn man es diese Konsequenzen spüren lässt, und zwar indem man die Konsequenzen logisch folgen und für sich selbst sprechen lässt. Man kann das sehr unaufgeregt und wohlwollend tun, das ist nicht nur nervenschonender, sondern auch noch ungleich effektiver, als sich in Machtkämpfen und Streitereien zu verausgaben.
So, hoffe das war jetzt nicht zu sehr am Thema vorbei, aber das ist mir erstmal spontan zu deinem Thread in den Sinn gekommen.
Übrigens - die Oma ins Boot holen wäre natürlich äußerst hilfreich. Wobei mir auch völlig klar ist, dass das wahrscheinlich schwieriger ist als das Kind auf Kurs zu kriegen
