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Mein Sorgenkind!

Mira_

Mira_


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Zitat von Nachtlicht:
Du verwechselst hier mMn wie die Oma Ursache und Wirkung, die Diagnose ist nicht schuld an ihrer Situation, sondern die Diagnose ist die Folge ihrer Situation. Einen ESE-Förderbedarf zu entscheiden ist schon ein ziemlich heftiger Schritt, das macht man nicht aufgrund einer schwierigen Phase, sondern das bedeutet in der Regel dass das Kind in einer normalen Grundschulklasse absolut untragbar ist aufgrund seines Verhaltens (nicht aufgrund seines Intellekts, wie bei Förderkindern mit Schwerpunkt Lernen).

Ich mag deinen Ton in diesem Zitat nicht aber den Inhalt in dem restlichen Post dafür sehr gern.

Zitat:
Ich glaube, dass sie einfach in einer echt blöden und intensiven ( durch ihre Diagnose ) Phase ist, die wieder leiser werden wird.

Ich habe mich unglücklich ausgedrückt. Aber ich meinte es gut. Kinder machen Phasen durch. Egal welche Diagnose sie bekommen haben. Kinder machen die Pupertät durch, egal welche Diagnose sie haben. Ich kenne den Unterschied eines gesunden und eines ungesunden Pupertiers - mit und/oder ohne Diagnosen
Ich wollte PUMA nur etwas Mut machen.
Manchmal reichen blöde Mutmach-Sätze schon aus um jemanden zu signalisieren, dass man mit ihm mit fühlt

Eine Mutter ist eine Mutter egal wie ihr Kind ist.

15.04.2020 03:06 • x 2 #16


Darlena


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Ich kenne mich leider mit der Störung nicht aus und kann mich deshalb nur zu den anderen Dingen äußern.

Es gibt doch diesen Spruch: Wohin die Aufmerksamkeit geht, dahin entwickelt es sich auch.
Vielleicht findest du eine Möglichkeit, Zukunft anders zu visualisieren, möglicherweise auch mit deiner Tochter. Damit ihr beide etwas Positives vor Augen habt. Das kannst du immer wieder vorkommen lassen. Durch Malen oder Bewegung oder draußen an Aktivitäten geknüpft.
Ich versuche mal ein Beispiel: Wenn Tochter groß ist, möchte sie ein Pferd. Also Pferdeposter aufhängen. Zur Koppel gehen und streicheln. Mal reiten. Beim Rasenmähen dran denken wegen Heu machen. An die Zuverlässigkeit denken und die gegenseitige Unterstützung. Ganz positive und Sicherheit gebende Gedanken und Visionen.

Ich selbst arbeite als Hypnose-Coach. Deshalb kann ich auch Hypnose empfehlen (allerdings nicht bei mir weil ich ESE nicht kenne). Man kann auch toll mit Wachhypnose arbeiten, also mit Bewegung. So kann sie lernen Gefühle wahrzunehmen und für sich Diskrepanzen zu lösen. Melde dich gerne, wenn du mehr wissen möchtest.

Was tust du für dich? Wie nimmst du dich und deine Grenzen wahr? Wie stärkst und schützt du dich? Ich hoffe, du hast für dich einen liebevollen Plan.

Alles Gute!

15.04.2020 05:11 • x 2 #17



Mein Sorgenkind!

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MaryAnne


Gibt es einen Vater, der die Vaterrolle übernimmt? Hat es in der Vergangenheit durch eine Trennung von ihm Brüche in ihrem Leben gegeben? Spricht sie manchmal von Ihm - oder gar nicht? Hat es emotionale Verletzungen durch den Vater gegeben, z.B. Versprechen sie abzuholen, die dann kurzfristig gebrochen wurden? Hat er eine eigene/neue Familie, in der sie sich fremd fühlt?

ESE ist eine Diagnose, die viele Ursachen haben kann. Die Tatsache alleinerziehend zu sein macht es für euch beide nicht leichter. Schon ohne Erkrankungen erlebet man in der Zweierbeziehung regelmäßig Lagerkoller. Der Erwachsene ist als bestimmende und manchmal bestrafende Person auch gleichzeitig Tröster nach Strafe. Das ist irrwitzig genug. In einer Familie mit beiden Eltern können diese Rollen gesplittet werden. Ein Elternteil ist aufgebracht und schimpft, das andere Elternteil ist vielleicht noch ruhig und hat die Nerven, dem Kind die Situation zu erklären, während der Schimpfende sich zurückziehen und beruhigen kann. - Das wäre so der Idealfall. In der Ein-Eltern Konstellation werden Mädchen oft zu Müttern ihrer Mütter, weil sie sehr nah an den Problemen der Mutter sind und einfach der Puffer des zweiten Elternteils fehlt.

Gibt es jemanden in deiner Familie oder im Freundeskreis die/der dieser Puffer sein kann? Der sich bereit erklärt als neutrale Person für deine Tochter anrufbar zu sein, wenn es zwischen euch brodelt. Und die vor allem mit dir Richtlinien zur Erziehung teilt, damit deine Tochter sicher weiß, hier ziehen zwei am gleichen Strang. Das was meine Mutter mir sagt, ist valide, denn ein anderer, dem ich vertraue bestätigt das.

Kinder testen Erwachsene nicht ausschließlich aus manipulativen Gründen. Kleine Kinder testen so schon sehr früh, ob ihr "Caregiver" stark genug ist, um das Überleben des Kindes zu sichern - siehe Trotzphase. Wenn Kinder bemerken, dass der Erwachsene öfter einbricht, dann legen sie in er Regel nach und etablieren so Verhalten.

Noch eine Frage: ESE wird manchmal diagnostiziert, obwohl Asperger Syndrom oder sogar FAS vorliegt.

15.04.2020 07:49 • x 2 #18


T4U

T4U


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Nachtlicht hat es schön erklärt. Was mir, Unwissenden, noch einfällt zu Regeln im allgemeinen - Wir halten uns alle an gewisse Regeln. Die man dem Kind durchaus auch zeigen kann, ohne groß die Erziehungskeule zu schwingen.

Wir sind umgeben von Regeln. Bei Regen - Schirm oder Mantel. Bei Rot geh ich nicht über die Strasse. Unsere Kinder wachsen in einen Regelberg hinein und manche dieser Regeln finden sogar Wir Erwachsene blöd.

Spontan dachte ich an die Highlands, wo weniger Stadt, weniger Leute, mehr Natur ist. Natur kann schön sein, aber auch gewaltig - dort befolgt man die Regeln, ohne sie in Frage zu stellen, weil sonst ist man fix in der Bredouille. Bestünde denn die Möglichkeit, sie in den großen Ferien zu Verwandten zu schicken? Ohne das du und die Kleine mitkommst? Allein im Flieger zu Tante und Onkel? Gib ihr auch Verantwortung für große Dinge. Sechs Wochen Schottland mögen durchaus helfen, ihre Sicht zu ändern

nur mal so als Gedanke

15.04.2020 08:06 • x 2 #19


Flocke_


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Zitat von PuMa:
Nein, Allergie bedingt kann ich ihr dass leider nicht bieten.
Wir sind beide Allergiker.


Es gibt bestimmte Hunderassen Doodle genannt, sind gezielt für Allergiker gezüchtet worden.

Finde generell, dass Kinder mit Tieren aufwachsen sollten, weil sie in ihrer Entwicklung davon profitieren und sehr viel dadurch mitnehmen.

15.04.2020 08:16 • x 3 #20


Shibb


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@PuMa meine Liebe darf ich deinen Eingangspost kopieren und einer Freundin von mir schicken?

Die ist Erzieherin und hat selbst eine Tochter. Eine sehr fordernde, gefühlvolle Tochter die deiner sehr ähnelt.

Zu den Haustieren sei gesagt : Es würde auch die Option von *beep* bestehen (Sphynx).
Das mit den Allergikerhunden hatten wir ja glaub ich schonmal oder ?

Edit: ehrlich die Katzenrasse wird zensiert?

15.04.2020 08:18 • x 2 #21


Nachtlicht

Nachtlicht


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Zitat von Mira_:
Ich mag deinen Ton in diesem Zitat nicht aber den Inhalt in dem restlichen Post dafür sehr gern.


Freut mich, dass der Post auf Zustimmung stößt. Der Ton sollte eigentlich neutral/erklärend sein, falls das anders rüber kam, tut es mir leid. Ich verstehe dich jetzt so, dass du meinst, dass sie zusätzlich zur Diagnose gerade in einer blöden Phase sein könnte. Ja, das kenne ich auch, Verhaltensprobleme kommen oft in Wellen, sind mal stärker mal schwächer.

Zitat von T4U:
Wir sind umgeben von Regeln.


Genau diese Lebensrealität versuchte ich wortreich zu schildern, du bringst es in einem Satz auf den Punkt.

Zitat von Flocke_:
Finde generell, dass Kinder mit Tieren aufwachsen sollten, weil sie in ihrer Entwicklung davon profitieren und sehr viel dadurch mitnehmen.


Ja, das tun sie definitiv und ich finde das grundsätzlich auch richtig. Und man muss auch an das Tier denken. Einen Hund zu halten ist eine gewaltige tägliche Verpflichtung, für die man Zeit, Nerven und Ressourcen benötigt. Eine haarlose Katze ist trotzdem noch eine Katze mit all ihren Bedürfnissen, zusätzlich ist sie besonders schutzlos Einflüssen auf ihre Haut und Körpertemperatur ausgeliefert. Kleinere Tiere wie Meerschweinchen oder Hamster sind generell eher ungeeignet für ein Leben mit Kindern. Es muss schon grundsätzlich der Wille und die Fähigkeit in der Familie vorhanden sein, das gemeinsame Leben auch nach einem Tier auszurichten, und das Tier sollte um seiner selbst willen in der Familie leben und nicht angeschafft werden in der Hoffnung dass es ein Problem richtet.

15.04.2020 09:13 • x 3 #22


Flocke_


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Zitat von Nachtlicht:
Es muss schon grundsätzlich der Wille und die Fähigkeit in der Familie vorhanden sein, das gemeinsame Leben auch nach einem Tier auszurichten, und das Tier sollte um seiner selbst willen in der Familie leben und nicht angeschafft werden in der Hoffnung dass es ein Problem richtet.


Das setze ich selbstverständlich voraus! Ich habe allerdings nur den halben Thread gelesen, sollte mir was entgangen sein.

15.04.2020 09:16 • x 3 #23


T4U

T4U


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Vielleicht als Anregung eine Kornnatter?
https://www.haustier-berater.de/haustie...ornnatter/

15.04.2020 09:23 • x 1 #24


PuMa

PuMa


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Wow, ihr seid Gold wert. Kein Wunder dass ich den Forum so verfallen bin.
Danke für jedes Wort, dass ihr mir hier geschenkt habt.

Ich hoffe ich vergesse nichts. Wenn doch, sagt bitte Bescheid. Dass ist keine Absicht.

Zitat von Nachtlicht:
nicht anschreist oder Strafen androhst etc.., du sagst am Ende nur okay, das ist schade


Danke, aber jetzt kommt's. Alles was du aufgelistet hast, habe ich schon mehrfach versucht.
Wenn sie auch weigert beim Zähneputzen zb und sie kommt mit Nein!, und ich es so mache, mit den "schade" beim Zähneputzen. Dann gehe ich aus dem Bad, und sie fängt an zu schreien und sagt ich doch ich will aber Zähneputzen!
Worauf ich ihr ruhig sage, okay dann mach einfach, du musst nicht schreien oder wütend werden.
So dann steht sie da am Waschbecken, bockt weiter, mit ich will nicht... Dann gehe ich wieder und sie schreit wieder. Ich sag zu ihr, ich warte mit dem vorlesen und singen bis du fertig bist.
Dann kam es schon vor, dass sie einfach nichts machte 30 min lang. Ich ging zu ihr und sagte, dass ich schon anfange, weil ihre Schwester auch ins Bett musste. Dass machte sie noch wütender. Und somit bekam sie keine Geschichte und kein singen von mir.

Zitat von Nachtlicht:
Eine respektlose Behandlung kann durchaus zur Folge haben, dass du unmittelbar das Gespräch oder die gemeinsame Situation beendest


Schon getan. Sie fängt dann an zu schreien und zu wüten.
Es war für ein paar Jahren mal so schlimm, dass sie dann mich schlug, nach mir trat und spuckte... Dass hat sie allerdings 1 Mal nur gemacht und seitdem nie wieder. Ich habe sie in den Moment auf ihr Zimmer gebracht und sie musste dort bleiben. Dass war allerdings eine Reaktion, die wie ich denke, auf die Trennung Zürich zu führen war. Deswegen nur einmalig.

Zitat von Nachtlicht:
und du kannst mal herausfinden, wie sie damit umgeht,


Na ja, wie gesagt... Sie schreit und schreit und schreit.
Ärzte erklärten mir das damit, weil sie bis zum 3 Lebensjahr nicht hören konnte und damit nicht gut sprechen. Eine OP hat es behoben.
Heißt, sie verfällt öfters in ihr altes Kleinkind Verhalten.

Zitat von Nachtlicht:
Das klingt schon nach einem Automatismus


Ich weiß, sehe ich auch so. Bedingt durch ihr nicht hören können und lange nicht gut sprechen können.

Zitat von Nachtlicht:
Oder auch mal etwas erstaunt reagieren,


Auch schon getan, dass ging 1 Stunde gut. Ich sagte dann, "oh, heute sind wir beide also nicht auf der Nein-Party sondern auf der Ja-Party? Find ich cool."
Fand sie witzig und dann kam auch kein Nein mehr, aber es hielt nicht lang.

Zitat von Nachtlicht:
Übrigens - die Oma ins Boot holen wäre natürlich äußerst hilfreich. Wobei mir auch völlig klar ist, dass das wahrscheinlich schwieriger ist als das Kind auf Kurs zu kriegen


True. Aber es soll ich sagen, ab einem gewissen Alter, ändert man sich nicht mehr.

Zitat von Darlena:
Ganz positive und Sicherheit gebende Gedanken und Visionen.


Versuche ich, kontinuierlich.

Aber ich muss dazu sagen, ich kann sie nicht für etwas loben dass nicht war.
Zb, wenn sie den ganzen Tag auf Krawall aus ist, kann ich sie nicht loben, für was denn?

Zitat von MaryAnne:
Gibt es einen Vater, der die Vaterrolle übernimmt? Hat es in der Vergangenheit durch eine Trennung von ihm Brüche in ihrem Leben gegeben? Spricht sie manchmal von Ihm - oder gar nicht? Hat es emotionale Verletzungen durch den Vater gegeben, z.B. Versprechen sie abzuholen, die dann kurzfristig gebrochen wurden? Hat er eine eigene/neue Familie, in der sie sich fremd fühlt?


Kurz gesagt, nein, kein Vater!

Es gibt einen Erzeuger, aber der ist weg.
Nein, sie spricht nicht mehr von ihm, Gott sei Dank.
Ja, ihr Erzeuger hat sie emotional sehr oft verletzt. Er hat ungute Dinge getan.

Nein, meine Kinder haben keine neue Familie vorgesetzt bekommen.

Zitat von T4U:
Bestünde denn die Möglichkeit, sie in den großen Ferien zu Verwandten zu schicken?


Ja, klar.
ABER ich finde es noch zu früh sie allein in den Flieger zu setzen. Um ehrlich zu sein. Ich hätte zu große Angst davor. Wir wollten eigentlich über Ostern nach Hause fliegen, aber dank Corona geht ja nix...


Zu euren Vorschlägen bezüglich eines Haustieres, ich finde es auch toll wenn Kinder mit Tieren aufwachsen. Ich bin auch mit Tieren aufgewachsen. Aber abgesehen von unseren "Weh-wehchen", ein Tier kostet Geld, nicht nur in der Anschaffung. Wenn es krank wird zb.

Ich gehe nicht Party machen, haben keine Haustiere und rauche nicht, aber dass Geld was ich für ein Tier bezahlen müsste, würde uns an anderen Stellen fehlen. Wir haben zwar den Platz, keine Frage, aber ganz ehrlich... Wir würden auf andere Dinge verzichten müssen.

Zitat von Shibb:
meine Liebe darf ich deinen Eingangspost kopieren und einer Freundin von mir schicken?


Klaro.

15.04.2020 09:33 • x 1 #25


Shibb


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Ich lass einfach mal noch Literatur hier :

Jesper Juul - dein kompetentes Kind
Nora Imlau - So viel Freude, so viel Wut: Gefühlsstarke Kinder verstehen und begleiten
Danielle Graf - Das gewünscheste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Viele davon beschäftigen sich mit anderen Sichtweisen und vor allem mit gefühlsstarken Kindern.

15.04.2020 09:39 • x 1 #26


T4U

T4U


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Zitat von PuMa:
ABER ich finde es noch zu früh sie allein in den Flieger zu setzen. Um ehrlich zu sein. Ich hätte zu große Angst davor.

Mutz, es gibt bezahlte Begleiter, ähnlich wie bei der Bahn, aber klaro, versteh dich schon. Ihre Reaktionen, die du eben geschildert hast, erinnern mich an was.

Das Schreien deutet es ja an, es ist ihr was zuviel. Es lastet auf ihrer Seele und nur so kommt es heraus. Vielleicht einfachen Wald Spaziergang, man darf Bäum umärmeln oder auch anschreien, bis man keine Stimme mehr hat. Dein Kind hat eine verletzte Seele

15.04.2020 09:40 • x 1 #27


Bones


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Reagiert ihr auch allergisch auf Pferdehaare?Wenn nicht, wäre Mithilfe auf einem Reiterhof und Umgang mit Pferden vielleicht etwas.
Hat dem Kind einer Freundin mit gewissen Problemen sehr geholfen.

15.04.2020 09:45 • x 1 #28


Johanna15

Johanna15


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Guten Morgen Puma,

kann Deine Tochter benennen, wie ihr die Schule gefällt? Hat sie Freunde und wenn ja, agiert sie da anders?

Was die Oma angeht.... ich glaube, es ist schwer ein Bewusstsein für das Verhalten Deine Tochter zu erreichen. Sowas kann man nicht erzwingen, entweder es ist da oder auch nicht. Du kannst nur drum bitten, dass sich die Oma mit Kommentaren bzw. Forderungen zurück hält und sich einfach ein bisschen sensibel in den Situationen verhält. Sie muss es nicht verstehen, aber bitte angemessen handeln. Deiner Tochter, aber auch Dir zu Liebe.


Gibt es in der Förderschule Sozialassistenzen oder fällt dieses bei Spezialschulen weg?

15.04.2020 09:50 • #29


Femira

Femira


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Liebe PuMa,

für mich klingt auch der Post von @Nachtlicht so, als hättest du da schon eine Fachfrau.

Ich möchte meine Gedanken ergänzen, denn du musst entscheiden, was passt und was du umsetzen kannst und möchtest. Es ist wirklich schwer, zu sagen, das und das hilft, oder so und so sind die Wirkmechanismen, wenn man weder dich noch sie kennt und die Situation sowieso gar nicht. Ich finde deswegen auch das "schwierige Erziehungsverhalten" unglücklich gewählt, denn das wissen wir nicht.
Ich würde sagen, es kommt meist einiges an kleinen Situationen zusammen, so dass das Kind so und so reagiert. Letztendlich sind auch alle Kinder unterschiedlich und nehmen Situationen anders wahr. Aber nun gut. Los mit meinen Gedanken

In meinem Bundesland werden vom SPZ keine Diagnosen gestellt, wenn die Kinder 8 Jahre oder jünger sind. Das wird dadurch begründet, dass sich in den jungen Jahren so einiges zeigt, was sich später "verwächst". Ich wäre deshalb da auch vorsichtig mit sowas wie "es steht fest". Tut es nämlich nicht. Trotzdem darf man und das tust du ja auch, aufmerksam sein und daran arbeiten.
Weiterhin ist em-soz (so heißt es in meinem Bundesland) ein Förderbedarf und KEINE Behinderung. Soll heißen, dass davon ausgegangen wird, dass es durch eine gute Förderung weg gehen kann, während man bei einer Behinderung schon fördern kann, aber die Behinderung natürlich bleibt und ich diese respektieren muss.

Warum ist mir dieser Punkt so wichtig?
1) "em-soz ist Schuld, dass sie das nicht kann", ist vielleicht eine korrekte Erklärung, aber da es keine Behinderung ist, auf die ich Rücksicht nehmen muss, bleibt es vielleicht eine richtige Erklärung, aber es bleibt die Frage, was daraus folgt. Also sie kann etwas nicht, wie bringen wir es ihr bei?
Fragen, die ich an die Oma hätte, wären:
a) wie würdest du dann weiter damit umgehen?
b) hast du schon resigniert, weil du glaubst, das Mädchen kann nichts dazu lernen?
c) welche Maßnahmen könntest du dir vorstellen, mitzutragen?

2) Vorsich mit Stigmatisierung! Kindern, denen eine Diagnose gesagt wird und denen vermittelt wird, du bist defizitär, weil du xy nicht kannst, leiden sehr. Sie fühlen sich meist nicht angenommen, so wie sie sind. ..und es stimmt ja auch irgendwo: es wird gesagt, du kannst das und das nicht und bist deswegen anders als alle anderen. Dieses anders ist nicht gut, sondern ich will, dass du dich der Norm annäherst.
Um dem entgegenzuwirken, würde ich sowas Kindern ehrlicherweise nicht erzählen, sondern für mich als Orientierung nutzen. Denn ich mein, was ist die Diagnose em-soz? Da wird ja tatsächlich geguckt, was kann ein Kind in dem und dem Alter IM DURCHSCHNITT? Und daran werden dann alle Kinder gemessen. Dabei wissen wir doch, dass Kinder sehr unterschiedlich sind.

3) em-soz Kinder sind meist die ganz sensiblen und stark fühlenden Kinder. Sie sind oft so überfordert mit den ganzen Emotionen, dass sie zum einen nciht unterscheiden zwischen den Gefühlen anderer und zum anderen den eigenen. Dass sie nichts fühlen oder unempathisch sind, das WIRKT meist nur so. Ihre Sensibilität ist eine sehr große Stärke! Also lass uns nicht von einem Defizit sprechen, sondern eine Besonderheit, die deine Tochter sowohl angreifbar macht als auch sehr stark.

4) Zuversicht. Liebe PuMa, du liebst deine Mädchen wie nichts anderes auf der Welt. Die Schwierigkeiten, die du mit deiner Tochter hast, sind schwer für dich, das lese ich zwischen den Zeilen!
Ja, es ist ein Marathon und mit deiner Liebe und deiner Stärke ist der zu schaffen!


So viel erstmal zum Unterschied Förderbedarf und Behinderung
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weiter gehts mit möglichen Maßnahmen:

- Das NEIN
Kinder bewegen sich ja oft im Spannungsverhältnis zwischen Emanzipation und Abhängigkeit den Eltern gegenüber. Oft wird ein nein genutzt, um zu sehen, ob sie immer noch geliebt werden, obwohl sie ihre eigene Wege gehen. Wie du mit dem nein umgehen kannst, hat @Nachtlicht schon gut beschrieben. Hinzufügen möchte ich, dass dahinter der unbewusste Wunsch nach Loslösung und Autonomie stecken kann. Sie war dir ja sehr lange sehr nah, als das mit Ex passiert ist. Vielleicht hat sie sich da nicht gut genug abgenabelt und sie holt das nach. Wo kann sie vielleicht etwas allein machen oder selber komplett bestimmen? Wo ist sie die Bestimmerin über ihr Leben?

Mir wäre wichtig, dass es auch Überlegungen gibt, der Kleinen Angenommen-sein und Liebe zu vermitteln. Ich habe gute Erfahrungen mit Kindermassagen gemacht

https://www.klett-kita.de/nilpferdwasch...eschichte/
(Ist leider auch Werbung dabei, aber man findet sehr viel, wenn man mehr Zeit zum Suchen aufwendet. Du musst es nicht kaufen).

- sensible Kinder brauchen Orientierung im Alltag mehr als Kinder, die unsensibel sind oder sagen wir unsensibler. Kannst du den Tag ritualisieren? Vor allem in diesen Zeiten? Wenn Regeln und Abläufe immer wieder kommen, ist das eine Orientierung und du musst die Regeln nicht immer wieder neu verhandeln, sondern es ist einfach so. Ist ja bei uns Erwachsenen auch so: ich habe mir Tage angewöhnt, an denen ich joggen gehe. Da gibt es keine Diskussion mehr mit meinem Schweinehund, sondern da geh ich. Am Anfang war das ein innerer KAmpf

- bei manchen Kindern hilft ein Punktesystem. Das ist total umstritten, weil es mit Belohnung und Bestrafung agiert. Ich möchte es hier auch nicht diskutieren, sondern sagen: Ja, es gibt ein Für und Wider. Das für ist meines Erachtens, dass Regeln sehr transparent sind, dass sie mit den Kindern besprochen werden können und positiv genutzt werden. Das muss aber zum Charakter der Kinder passen und auch zu der Familienstrukur. Manche Kinder können damit sehr gut arbeiten, für manch andere ist es drangsalieren.
Ich habe mit Kindern keine Bestrafung eingeführt, sondern lediglich Belohnungen: wenn du so und so viel Punkte bis zum Wochenende gesammelt hast, was würdest du gern machen? Wenn du die zweite Woche auch so toll warst, dann darfst du dir etwas größeres wünschen!
Es ist in etwa so, wie Nachtlichts Puddinggeschichte, nur sehr unmittelbar. Verhalten und Belohnung werden sofort in Zusammenhang gebracht und weder Kind noch du müssen sich das merken. Was, du putzt keine Zähne? Ja, dann kein Punkt. Kein Problem. Es stellt auch sicher, dass du nur die meisten Kämpfe "gewinnst" udn nicht alle. Naja, wie gesagt, umstritten, aber eine Idee.

- Sehr wirkungsvoll und sehr beliebt in Fachkreisen ist das Programm ETEP:
http://www.etep.org/
Schau vielleicht mal rein, ob da Ansätze dabei sind, mit denen du etwas anfangen kannst.

PuMa,
ich habe großes Vertrauen in dich, deiner Liebe und deine Stärke. Ich finde es toll, dass du dich hier verletzlich machst, nur um das beste für deine Kinder erreichen zu können. Es hätte sein können, dass du hier sehr beschimpft worden wärst (was nicht passiert ist gottseidank). Ich finde, diesen Weg trotzdem zu gehen, offen zu sagen: ich weiß nicht weiter, sehr stark und stärkt mein Vertrauen in dich und deine erzieherischen Fähigkeiten. Ja, es ist schwer und eine Herausforderung Aber du, du kannst das alles!

Oh je...zu lang geschrieben
Edit: ich hoffe, es gibt keine Überschneidungen. Ich sende trotzdem einfach ab.

15.04.2020 10:07 • x 6 #30



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