Riese84
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es sind weitere 10 Wochen vergangen und ich möchte weiter festhalten, wie es mir geht. Leider fehlt mir die Zeit, um hier ständig aktiv zu helfen. Daher versuche ich mit der Aufzeichnung meiner Trennungsgeschichte diesem Forum etwas zurückzugeben. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal einen letzten Beitrag schreiben kann, um zu berichten, dass alles wieder gut geworden ist.
Kurz zu mir:
Ich bin (noch) 31 Jahre alt. Es ist jetzt 9 Monate her, dass mich eine Ex-Freundin verlassen hat.
Hier die Links zu meinen vorherigen Berichten.
Nach 10 Wochen:
mein-zwischenstand-nach-10-wochen-t25353.html
Nach 20 Wochen:
mein-zwischenstand-nach-20-wochen-t26883.html
Nach 30 Wochen:
mein-zwischenstand-nach-30-wochen-t27956.html
Ganz ehrlich: Was mache ich hier eigentlich? Ich erkenne mich manchmal selbst nicht mehr.
Wer war ich einmal und wer bin ich geworden?
Die Trennung hat Chaos und Trümmer in mir hinterlassen, die ich seit Monaten versuche wieder mühsam zusammenzubauen. Es entsteht irgendetwas Neues. Was es genau es ist, weiß ich noch nicht. Ich war vorher ein anderer Mensch. Vielleicht ein besserer. Am 28.03.2015 hat sie mich getötet, zumindest einen Teil von mir. Das klingt theatralisch, aber es ist die Wahrheit. Meine Gedankenwelt und Persönlichkeit haben sich seitdem sehr geändert. Mein Glaube an Menschen, Liebe, Romantik, Treue, etc. ist kaum noch vorhanden. Ich bin nicht mehr derselbe. Der Mensch, der ich einmal war, ist gestorben.
Ich laufe durch die Straßen und sehe so viele hübsche Frauen, die mir eigentlich überhaupt nichts bedeuten. Ich hatte in den letzten Wochen zig Dates (über die bekannten Apps ist das ja sehr einfach geworden). Habe mich fröhlich und aufgeschlossen präsentiert. In meinem besten Shirt, neuer Frisur, Kontaktlinsen statt Brille etc. Waren wirklich ein paar nette Unterhaltungen, aber sonst nichts. Es ist schön, etwas Aufmerksamkeit zu bekommen und daten ist vermutlich besser, als alleine zuhause zu hocken. Aber ich fühle nichts. Überhaupt nichts. Ich war SO oft aus, trage jeden Monat ein halbes Vermögen in die Bars und Clubs dieser Stadt. Bin manchmal müde und erschöpft von dem Versuch, das wiederzufinden, was ich verloren habe.
Vor ein paar Wochen ist mir in einem Club ein nettes Mädel begegnet. Ich blieb mit meinem Blick an ihr hängen. Wow! Das war das erste Mal, dass ich wirklich Lust hatte, jemanden näher kennenzulernen. Also bin ich zu ihr hin, hab sie gefragt, ob sie mit mir was trinken geht. Sie strahlte mich an, sie gab mir ihre Handynummer, wir umarmten uns und dann musste ich nach Hause. Später schrieb ich ihr eine Whatsapp-Nachricht. Sie schrieb mir nicht zurück….
Es folgte ein Date mit einer anderen App-Bekanntschaft. Dieses Date war anders, als die davor. Wir trafen uns vor einem Einkaufszentrum und sofort war eine Nähe da. Wir schlenderten zum Weihnachtsmarkt und berührten uns dabei ständig. Wir tranken zwei Glühwein, redeten über Gott und die Welt. Ich mochte sie. Zu späterer Stunde hab ich sie einfach geküsst. Wir begegneten uns ein paar Tage später wieder in einer Bar (mehr oder weniger zufällig…) und wir landeten im Bett. Eigentlich war es sehr schön. Sie roch gut und es war schön, ihre warme Haut an meiner zu spüren. Sie merkte, dass ich mit den Gedanken nicht 100% bei der Sache war, aber sie war total lieb und gab sich wirklich Mühe, mir Entspannung zu verschaffen.
Als wir dann miteinander schliefen, sah ich ihr dabei in die Augen und küsste sie. Es waren nicht „ihre“ Augen, es war nicht „ihr“ Mund. Ich fasste sie überall an, aber es war nicht „ihr“ Körper.
Als es vorbei war, merkte ich erst, wie bedeutungslos es für mich war. Ich fühlte ganz deutlich, dass aus uns nichts werden kann. Habe ihr daher noch am selben Tag gesagt, dass ich das nicht wiederholen möchte, woraufhin sie relativ emotionslos den Kontakt zu mir eingestellt hat.
Die darauffolgenden Weihnachtstage waren wieder eine harte Prüfung. Das erste Weihnachtsfest ohne sie. Ich habe sie unglaublich vermisst. Habe gehofft, dass sie an mich denkt uns sich vielleicht meldet. Hat sie natürlich nicht getan. Ich kann es immer noch nicht wirklich verstehen, was da passiert ist. Dass sie einfach weg ist und auch weg bleiben kann, nach so langer gemeinsamer Zeit.
Ich versuche weiterzuleben, den Blick auf die Zukunft zu richten, aber ich stecke immer noch fest in der Vergangenheit. Ich hätte sie gerne zurück, so wie sie früher war, und ich bin enttäuscht von mir selbst, dass ich noch nicht weiter bin und auch nach 9 Monaten noch immer so etwas schreibe. Ich will einfach keine andere, das ist die Wahrheit. Jede andere Frau kommt mir vor wie ein fauler Kompromiss (obwohl „sie“ keineswegs perfekt war…). Die ganze Zukunft fühlt sich immer noch falsch an. Als ob ich eine falsche Abzweigung genommen habe. Ich glaube zu wissen, wo ich hingehöre, aber der Weg ist versperrt.
Im Moment weiß ich wirklich nicht, was ich noch tun kann, damit es endlich aufhört. Habe das Gefühl, dass mir langsam die „Munition“ ausgeht. Habe bereits alles gemacht, was einem in so einer Situation geraten wird: Kontaktsperre, neue Leute/Frauen kennenlernen, ausgehen, auf die Arbeit und andere Aktivitäten konzentrieren, Sport machen. Ergänzt habe ich diese Maßnahmen in den letzten Monaten leider noch dadurch, dass ich ziemlich viel getrunken habe, wenn ich unterwegs war und angefangen habe zu rauchen. Die Leute, die mich kennen, sehen mich dabei oft ungläubig an. War ich doch derjenige, der sonst immer von gesunder Ernährung und grünen Smoothies geschwärmt hat. Ich glaube, dass ich mich irgendwie bestrafen will, für all meine Fehler und Versäumnisse. Deshalb behandele ich meinen Körper oft wie Dreck. Ich kann mir nicht vergeben, dass ich diese Frau, die mir mehr als alles andere bedeutet hat, nicht halten konnte.
An Silvester war ich auf der Party, wo ich die Jahre zuvor immer mit ihr war. Es spielte die Band zu der ich immer mit ihr tanzte. Warum ich mir das antue, weiß ich auch nicht. Habe mal wieder einen auf gute Laune gemacht und getrunken. Ich musste auf einmal an sie denken und hätte sie so gerne bei mir gehabt. Ich hörte auf zu tanzen und stand einfach regungslos auf der Tanzfläche. Ich sah meine Freunde und all die anderen Menschen um mich herum im bunten Licht tanzen und lachen und knutschen. Ein einsamer Moment. Ich schob ihn beiseite und schon war „Gute-Laune-Riese“ wieder da. Es trudelten die Whatsapp-Nachrichten ein mit Neujahrswünschen von den verschiedensten Leuten. Von ihr war keine dabei.
2015 war das härteste Jahr meines Lebens.
Ich bin dankbar für all die Menschen, die mich auf diesem Weg bisher begleitet haben. Dazu gehören meine Familie, dieses Forum, die alten und neuen Freunde, die meinem Leben wieder etwas Farbe geben. Ich weiß nicht, ob sie alle jemals völlig verstehen werden, was sie für mich getan haben…manchmal nur dadurch, dass sie einfach nur da waren.
2016 wird besser.
LG
Riese