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Meine Borderline Partnerin hat mich verlassen, was nun?

Arnika
Und wie erhebe ich denn als Forscher, ob die ältere Version nicht einfach nur durch die Erfahrung besser, klüger und noch viel manipulativer in Kommunikation und Selbstdarstellung wurde? Wir haben ja keine Glaskugel.

Wir können nur mit dem arbeiten, was derjenige offenbart. Deswegen heißt es ja dann auch „ProbandInnen gaben an…“ Und da sollte man bei hochmanipulativen Gemütern sehr vorsichtig sein. Umso mehr, je älter sie werden. Was btw auch am Ende solcher Studien eigentlich immer steht. Aber das liest ja dann keiner 😅

• x 1 #301


P
Zitat von Mia83333:
Ohne Therapie ist ein Borderliner meiner Meinung nach nicht im Stande eine friedliche liebevolle Beziehung auf Augenhöhe zu führen

@Mia83333
Kannst Du die liebevolle Beziehung zu Deinem Partner beschreiben/charakterisieren? Kann echte Liebe überhaupt entstehen, wenn Nähe Angst erzeugt? Hast Du manchmal das Gefühl, die Beziehung zu sabotieren, vor allem wenn sie besonders schön ist? Vielleicht aus Angst vor dem Verlassenwerden und dem Verschlungen werden?

Zitat von Arnika:
Und dann hat sie ihn doch lieber aussortiert und mit ü50 ihrer Schwester den Mann ausgespannt

Schon gestört


Zitat von Arnika:
Und um das jetzt abzuschließen, wie evaluierst du denn das?

Ja eine gute Frage. Aber es gibt doch zB diese MSAD Studie (McLean Study of erwachsen Development) oder die Collaborative Longitudinal Personality Disorders Study (CLPS).
Diese Studien haben Patienten über viele Jahre (teilweise über 10 bis 27 Jahre) hinweg begleitet

Die Studien zeigten, das die heftigen, emotionalen Krisen, impulsiven Handlungen, selbstverletzenden Verhaltensweisen und die extremen Beziehungswankungen (die typisch für junge Erwachsene sind) ab dem 30. und vor allem ab dem 40. Lebensjahr deutlich milder wurden.
Die MSAD Studie (über 27 Jahre) zeigte, dass die große Mehrheit der Betroffenen (über 90% im Langzeitverlauf) irgendwann die klinischen Diagnosekriterien für eine Borderline-Störung nicht mehr erfüllt. Das Nervensystem reguliert sich mit fortschreitendem Alter also hormonell und psychologisch ein Stück weit von selbst.

Was sie aber auch zeigten, dass grundlegende Wesenszüge wie chronische innere Leere, Minderwertigkeitsgefühle oder eine gewisse interpersonelle Distanziertheit und Empfindlichkeit oft auch im Alter bestehen bleiben.
Während also die Symptome (wie Wutausbrüche oder Impulsivität) nachlassen, hinkt das soziale und berufliche Funktionsniveau (z. B. langjährige stabile Partnerschaften oder reibungsloses Berufsleben) oft hinterher. Viele Betroffene ziehen sich im Alter eher in ein isoliertes, stabileres Umfeld zurück, um Überforderung zu vermeiden.

• #302


A


Meine Borderline Partnerin hat mich verlassen, was nun?

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M
Zitat von PeterN:
@Mia83333 Kannst Du die liebevolle Beziehung zu Deinem Partner beschreiben/charakterisieren? Kann echte Liebe überhaupt entstehen, wenn Nähe Angst ...

Ich konnte damals Nähe zwar ertragen aber nur kurz, weil Nähe mir Angst gemacht hat. Nähe war früher für mich nie sicher, heute ist das Gott sei Dank anders.
Und ja auch ich spürte am Anfang mit meinem jetzigen Partner den Drang die Beziehung zu sarbotieren, aus purer Angst. Das geschah aber nicht, weil ich durch meine Therapie dieses Gefühl reflektieren konnte. Als der Drang egal wie Distanz herzustellen aufkam, habe ich es einfach ausgehalten und es kam danach nie wieder.
Ich liebe meinen Partner sehr und er ist genauso wertvoll wie ich. Ich liebe kuscheln und Nähe. Und wenn wir mal streiten dann stets respektvoll ohne jede Art der Beleidigung oder des lauter werdens.
Was ich persönlich aber am schlimmsten empfinde ist nicht nur die Nähe vom Partner die man ohne Therapie kaum ertragen kann sondern das, das gleiche für die eigenen Kinder galt.
Ich konnte damals die Nähe die mein kleines Kind so gebraucht hat kaum ertragen geschweige denn geben.
All das kann man nur mit viel Therapie und Willensstärke bewältigen.

• x 1 #303


M
Man kann aber auch nicht alle mit dieser Krankheit pauschalisieren.
Ich habe zum Beispiel meinen Freundeskreis seit 20 Jahren, war in den letzten 16 Jahren in 3 Firmen. Und bin 5 mal in meinem ganzen Leben umgezogen.
Bei mir wirkte sich die Störung am meisten auf den Partner aus.
Ich glaube es ist wie mit vielen Dingen einfach individuell.

• x 1 #304


Arnika
@PeterN Aber gerade bei den oft zitierten Studien siehst du ja das Problem:

Die Studien definierten „Remission“ rein formal: Wenn die BL statt 5 nur noch 4 Kriterien erfüllt, gilt sie statistisch als „geheilt“. Die Forscher stellten aber ohnehin nur fest: Während impulsive Symptome (wie Selbstverletzung oder Wutausbrüche) im Alter oft nachlassen, bleibt das psychosoziale Funktionsniveau weiter im Keller.

Die BL schaffen es trotzdem nicht, stabile, gesunde Beziehungen zu führen oder im Berufsleben Fuß zu fassen. Und selbst daswar zudem keine Alterserscheinung und „Abwarten“, sondern harte Arbeit. Diese Menschen steckten über Jahrzehnte in einem dichten Netz aus Psychiatrie, Psychotherapie und massiver Medikation. Wer da also an Alterserscheinung glaubt, ignoriert, dass dahinter oft jahrzehntelange, schmerzhafte Therapiearbeit oft mit vielen vielen Opiaten dahinter steckt. Und dann schafften es die Probanden oft nur, sich nicht mehr zu ritzen..

Und das nächste Problem, das war ein reines Klinik-Sample. Die Studien rekrutierten ausschließlich BL, die schwerstbetroffen stationär aufgenommen wurden. Die , die
sich nicht in einer Psychiatrie behandeln lassen mussten oder würden, wurden von diesen Daten überhaupt nicht erfasst.

Beide Studien basierten zudem auf dem Diagnosesystem des DSM-IV. Dieses System erzwingt eine Ja/Nein-Entscheidung (entweder man „hat“ BPS oder nicht). Die Forscher selbst gaben später an, dass andere Modelle BL weitaus valider abbilden…

Dh, im Kern hieß das, hast du Selbstmordgedanken, nimmst du Dro. oder ritzt du dich noch - Nein = gesund.

• x 1 #305


P
Zitat von Mia83333:
Als der Drang egal wie Distanz herzustellen aufkam, habe ich es einfach ausgehalten und es kam danach nie wieder.

Du scheinst sehr reflektiert zu sein. Bei meiner Ex war das leider nicht so.


Zitat von Mia83333:
Ich konnte damals die Nähe die mein kleines Kind so gebraucht hat kaum ertragen geschweige denn geben.

Interessant. Ich dachte bisher immer, das gilt nur ggü dem Partner.

• #306


M
Zitat von PeterN:
Du scheinst sehr reflektiert zu sein. Bei meiner Ex war das leider nicht so. Interessant. Ich dachte bisher immer, das gilt nur ggü dem Partner. ...

Ich habe mich aber auch nie mit meiner Diagnose identifiziert.
Ich war auch in einer Psychatrie und habe nie Tabletten genommen geschweige denn Antidepressiva.
Es ist möglich diese Störung in den Griff zu bekommen, aber es ist harte Arbeit.
Es gibt’s nichts schöneres für mich als mit meinem Partner und Kind zu kuscheln.

Leider wirkt sich die Störung auch auf die eigenen Kinder aus zumindest war es bei mir so, Gott sei Dank ist es heute anders.
Ich wollte kein Trauma an meine Kinder weiter geben.

Wenn man will, kann man alles in den Griff bekommen. Aber eine Traumatherapie ist hart und schmerzhaft, darauf haben manche vielleicht einfach keine Lust.

• x 2 #307


Arnika
Für das Gegenüber bringt das also nicht viel. Aber immerhin nimmt selbstzerstörerisches Verhalten ab. Was für die BL ja schon mal eine gute Nachricht ist. Denn um die geht’s ja, und nicht, dass sich Nicht-Betroffene wohl damit fühlen. Die wurden ja ohnehin gar nicht gefragt.

Wobei man allerdings anmerken muss: Da das US-Studien sind, kann man davon ausgehen, die klinischen ProbandInnen wurden dafür über Jahrzehnte mit Benzos oder anderen Opiaten zugedröhnt. Ob es denen unterm Strich besser ging und das nicht auch Selbstzerstörung ist, nur anderer Art, wurde da ja auch nicht erhoben. Nicht mal Suchtverlagerung kannst du feststellen, wenn dir der Doktor ohnehin Opiate jahrzehntelang empfiehlt und verschreibt. Und wenn, wird das positiv vermerkt…

Du siehst, es bleibt also methodisch schwierig und sehr wackelig.

• x 2 #308


P
Zitat von Arnika:
die klinischen ProbandInnen wurden dafür über Jahrzehnte mit Benzos oder anderen Opiaten zugedröhnt

Ja das denke ich auch, dass viele Betroffene Schlafmittel, Benzos oder andere Substanzen nehmen. Davon wird man doch auch abhängig?

• x 1 #309


Arnika
Na klar, sehr sogar. Aber wenn dir der Arzt die dreimal am Tag verschreibt, fällts dir ja nicht negativ auf. Schwierig wirds ja nur, wenn du sie absetzen willst… Und Sucht auf die verschriebenen Medikamente wird bei solchen Studien ja sowieso rausgenommen. Macht aber nur wenig Unterschied, ob du dir die Benzos vom Bahnhof Zoo oder der Apotheke reinpfeifst.

Und nein, BL ist keine Willensentscheidung - und kann man auch nicht am Kuscheln festmachen. Kuscheln tun in der Idealisierungsphase alle…

Dazu hast du immer das Problem mit dem Blinden Fleck in der Selbstwahrnehmung. Wenn die lauten psychosozialen Katastrophen mit Polizei, Psychiatrie, Notaufnahmen, exzessives Fremdgehen, Ritzen etc aufhören, verbucht eine BL das oft als vollen Erfolg. Was sie oft nicht merkt, sind die anderen Mechanismen, die den Partner zermürben, wie Silent Treatment etc.. Also müsste man eigentlich das nächste Umfeld evaluieren. Nur sind die oft so manipuliert und in der Co-Abhängigkeit drin, oder selber gestört, dass du da auch oft nur geschönte Aussagen oder nur Halbwahrheiten kriegst. Von Fehldiagnosen bzw. Fehlinterpretationen noch gar nicht zu reden, denn BL geht meist mit Komorbiditäten wie PTBS oder Narzissmus einher. Da fehlt dann, wie auch bei den genannten Studien, dann die Trennschärfe. Also schwierig und wackelig alles.

• x 1 #310


M
Zitat von Arnika:
Na klar, sehr sogar. Aber wenn dir der Arzt die dreimal am Tag verschreibt, fällts dir ja nicht negativ auf. Schwierig wirds ja nur, wenn du sie ...

Alles ist eine Entscheidung des Willens.
Man kann sich von einer Sucht lösen- wenn man will.
Man kann an seinen Verhaltensmustern arbeiten- wenn man will.
Aber sowas ist harte Arbeit und kostet Energie. Das wollen die meisten eben nicht 🤷‍♀

• x 2 #311


P
Zitat von Arnika:
denn BL geht meist mit Komorbiditäten wie PTBS oder Narzissmus einher.

Das kann ich bestätigen, bzw in meinem Fall kPTBS mit BL, traumainduzierten Dissoziationen (und ggf verstecktem Narzissmus)

• x 2 #312


Arnika
Zitat von Mia83333:
Alles ist eine Entscheidung des Willens.
Man kann sich von einer Sucht lösen- wenn man will.
Man kann an seinen Verhaltensmustern arbeiten- wenn man will.
Aber sowas ist harte Arbeit und kostet Energie. Das wollen die meisten eben nicht

Eine schwere Suchterkrankung oder Persönlichkeitsstörung auf eine reine Willensentscheidung zu reduzieren, ist nicht nur medizinisch komplett falsch, sondern sorry, Millionen Betroffenen gegenüber auch arrogant. Das weckt nur sehr falsche Hoffnungen und Erwartungshaltungen.

Bei BL liegt eine Veränderung des Gehirns vor. Die Amygdala ist chronisch hyperaktiv und verkleinert, während der präfrontale Kortex eine verminderte Aktivität hat. Also Daueralarm ohne funktionierende Bremse. Das ist eine fehlerhafte Hardware, die sich nicht durch Wollen ändern lässt. Ebenso verhält es sich bei Süchten, bei denen das neuronale Belohnungssystem durch chronische Dopamin-Fehlregulationen organisch verändert ist. Das mag noch bei Nikotin, oft erst nach mehreren Anläufen. funktionieren, bei Fentanyl kannst du wollen, was du willst, da bist chancenlos.

Und bei BL, so leid es mir tut, Therapie zaubert dir kein neues Gehirn. Da kannst Ammoniak schnüffeln oder Eiswürfeln halten statt ritzen, soviel du willst. Wenn du das machst - und lebenslang aufrecht halten kannst - und nicht nur in einer temporären Stabilisierungsphase, hast du eh schon viel geschafft.

Wenn du also behauptest, Heilung sei da nur eine Frage des Wollens und andere seien zu faul dafür, betreibst du Gaslighting. Und echte Reflexion und Krankheitseinsicht zeigt sich in Kenntnisnahme und Empathie gegenüber der Schwere dieser Krankheit, nicht Selbstüberhöhung und Abwertung anderer. Was btw typisch BL ist..

Durch jahrelange Therapie können BL lernen, ihre Verhalten etwas besser in den Griff bekommen. Sie lernen vielleicht , nicht mehr das Geschirr zu zertrümmern oder den Partner oder die Kinder brüllend auf der Autobahn auszusetzen. Aber der Sturm in ihrem Inneren schlägt biologisch immer noch genauso heftig ein.

Und selbst das funktioniert meistens nur so lange, wie das Leben in ruhigen Bahnen verläuft. Sobald unvorhersehbarer Lebensstress zuschlägt. bricht die mühsam antrainierte Fassade als Erstes wieder zusammen. Weshalb die statistischen „Glanzlichter“ meist zurückgezogene Single sind, weil dann können sie wenigstens ihren Haupttrigger umgehen.

Und sich die meisten Therapeuten bei BL die Zähne ausbeißen oder viele sie gar nicht erst annehmen. Also nein, Wollen allein reicht nicht. Das ist leider Biologie und genauso, wie wenn du einem Blinden sagst, „du musst es nur wollen. Nur viele wollen halt nicht.“

• x 3 #313


M
Zitat von Arnika:
Eine schwere Suchterkrankung oder Persönlichkeitsstörung auf eine reine Willensentscheidung zu reduzieren, ist nicht nur medizinisch komplett ...

Und das all das so ist weißt du woher?
Hast du diese Erkrankung?
Lesen kann man viel.
Und natürlich hat jeder der eine psychisch Erkrankung hat und nicht daran arbeiten kann oder will mein tiefstes Mitgefühl, denn mit sowas zu Leben ist kein schönes Leben.
Wir müssen nicht einer Meinung sein, dafür ist dieses Forum da.
Aber ja ich meine das man mit reiner Willenskraft einiges sogar fast alles ändern und bewältigen kann.

• x 2 #314


P
Zitat von Arnika:
Bei BL liegt eine Veränderung des Gehirns vor. Die Amygdala ist chronisch hyperaktiv und verkleinert, während der präfrontale Kortex eine verminderte Aktivität hat.

Bedeutet also: Feuert die Amygdala permanent, ist der Zugriff auf den Verstand blockiert?

Bei einer KPTBS müsste es ähnlich aussehen.

Zitat von Arnika:
Weshalb die statistischen „Glanzlichter“ meist zurückgezogene Single sind, weil dann können sie wenigstens ihren Haupttrigger umgehen.

Das vermute ich auch

Zitat von Arnika:
zeigt sich in Kenntnisnahme und Empathie gegenüber der Schwere dieser Krankheit, nicht Selbstüberhöhung und Abwertung anderer

Man kann ja auch nicht alle Betroffenen über einen Kamm scheren. Jeder ist anders

Zitat von Mia83333:
Aber sowas ist harte Arbeit und kostet Energie. Das wollen die meisten eben nicht

Genau. Da ist es leichter, dem Partner für alles die Schuld zu geben und sich lieber einen neuen Partner suchen.Bis das Spiel von vorne beginnt. Ist angenehmer als jahrelange,schmerzhafte Traumatherapie.
Dass Du es geschafft hast, meinen Glückwunsch. Vielleicht liegt es auch daran, dass Du einen Partner hast, der ähnliches hat?
Mir hat mal ein Betroffenet erklärt, seit er eine Partnerin hat, die auch von BL betroffen ist, fühlt er sich nicht mehr so einsam, besser verstanden. Unter Partnerinnen ohne BL wollte er sich immer verstellen und anpassen, was wahnsinnig viel Energie gekostet hat, und er fühlte sich einsam, weil er anders war.

Bei seiner jetzigen Partnerin brauche er das nicht mehr.

• #315


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