Gia
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Lutz trennte sich von mir, sechs Monate nach meiner Diagnose. Ich hielt trotzdem an der Verbindung fest – in der Hoffnung, dass Nähe, Vertrauen, Loyalität noch etwas zählen. Ich verließ Berlin, zog in ein anderes Bundesland, um ihm seinen Wunsch nach Abstand zu erfüllen. Ich war isoliert, allein, krank – aber verständnisvoll. Immer wieder.
Nach vier Monaten kam ich zurück, weil ich einfach nicht mehr konnte. Meine eigene Wohnung ist unbewohnbar – zu klein, zu eng, zu viel emotionale Geschichte. Er bot mir an, in einer seiner leerstehenden Wohnungen unterzukommen. Eine Übergangslösung, dachte ich. Kein Geschenk, sondern ein Zeichen von Rückhalt.
Ich habe nie um Geld gebettelt. Ich habe mich nie auf seine Versprechen berufen, obwohl er immer sagte: „Wenn du was brauchst, ich bin da.“
Und jetzt, wo ich wirklich nicht mehr kann, wo ich ihn ein einziges Mal bitte, mir Zeit zu geben, um auf die Beine zu kommen – da will er plötzlich 300 Euro Miete. Von mir. Einer krebskranken Exfreundin, die er verlassen hat.
Nein, nicht weil er das Geld braucht – sondern als „symbolische Wertschätzung“.
Ich habe nie eine Rechnung gestellt. Nicht für die unzähligen abgesagten Jobs nach gemeinsamen Streits. Nicht für das Verzeihen von Lügen, Affären, Enttäuschungen. Nicht für das Vertrauen, das ich aufgebracht habe, als ich sein Sexvideo mit einer anderen Frau in der Dropbox fand. Nicht für die Energie, mit der ich immer wieder versucht habe, eine Basis zu finden.
Er aber nennt das jetzt ein Experiment, das für ihn „gescheitert“ ist.
Und ich? Ich sitze hier, körperlich am Ende, finanziell am Abgrund, voller Wut, Trauer, Fassungslosigkeit. Weil ich menschlich war. Weil ich geglaubt habe. Weil ich mich hingegeben habe.
Und weil ich jetzt zahlen soll – für einen Mann, der nie gezahlt hat.
Danke, dass ich das hier sagen darf. Ich suche keine Rache. Aber ich suche Gerechtigkeit. Und einen Ort zum Atmen.